Unternehmensanleihe – Gläubiger stellen Kapital zur Verfügung

Kelnberger über Volatilitätsfonds

Laufzeit, Zins und Höhe variieren stark bei diesem Klassiker der Unternehmensfinanzierung. (Foto: Gina Sanders – Fotolia.com)

Unternehmen können sich – ebenso wie Staaten, Bundesländer, etc. – über die Ausgabe von Anleihen (Obligationen, Schuldverschreibungen) finanzieren.

Wie bei einem Darlehen handelt es sich bei der Anleihe um Fremdkapital, das heißt die Anleihekäufer werden nicht Teilhaber des Unternehmens, sondern erhalten Anspruch auf die Rückzahlung des Kapitals zuzüglich Verzinsung.

Unterschiedliche Konditionen

Die Anleihe ist ein klassisches und wichtiges Instrument der Unternehmensfinanzierung.

Das Unternehmen als Emittentin (Herausgeberin) legt dabei die Konditionen fest, wobei die Merkmale ähnlich sind wie bei einem Darlehen: mit Laufzeit, Verzinsung und Rückzahlung.

Über die  Ausgestaltung dieser Anleihebedingungen kann das Unternehmen individuell entscheiden, ebenso über die Höhe (das Volumen) der Anleihe.

Laufzeit kurz oder lang

Viele Unternehmen nutzen Anleihen zur mittel- oder langfristigen Finanzierung, d. h. die Laufzeit liegt oft zwischen vier und zwölf Jahren, kann aber in Ausnahmen auch kürzer oder länger sein.

Die Verzinsung kann ebenfalls sehr stark variieren, beispielsweise von zwei Prozent bis über zehn Prozent. In der Regel wird der Zins einmal jährlich zu einem festen Termin ausgezahlt.

Er ist umso höher, je länger die Laufzeit ist und je risikoreicher die jeweilige Anleihe seitens der Investoren eingeschätzt wird.

Milliarden-Volumen möglich

Beispiel: Ein Konzern wie Siemens wird bei einer Anleihe einen geringeren Zins zahlen müssen als ein kleines, junges Solarunternehmen, weil Anleger bei Siemens weniger mit einem Zahlungsausfall rechnen müssen.

Auch das Volumen bzw. die Höhe einer Anleihe fällt unterschiedlich aus: Bei einem Großunternehmen wie Siemens können es 1 Mrd. Euro und mehr sein, bei kleineren Firmen dagegen auch weniger als eine Million.

Solche kleinen Anleihen sind meist Privatanleihen, d. h. sie werden nicht an der Börse „emittiert“.

Fest und variabel verzinslich

Will das Unternehmen dagegen mit seiner Anleihe an die Börse gehen, sollte es schon ein Emissionsvolumen von mindestens etwa zehn Millionen Euro sein (Mittelstandsanleihen).

Neben  börsen- oder nicht börsennotiert gibt es noch eine weitere wichtige Unterscheidung: festverzinsliche und variabel verzinsliche Anleihen.

Das heißt, der Zins kann über die gesamte Laufzeit stabil sein, z. B. 5,5 Prozent (fixed rate note), oder er kann an einen Referenzzins (z. B. EURIBOR) gekoppelt sein, der im Zeitverlauf schwankt (floating rate) – z. B. wird EURIBOR plus 3,5% als Verzinsung gewählt.

Wandel- und Optionsanleihen

Es gibt noch einige Abwandlungen von Anleihen. Zu  einen gibt es so genannte Nullkupon-Anleihen (engl. Zero-Bonds).

Die Rendite für den Gläubiger (den Anleger) ergibt sich hier nicht aus einem Zins, sondern rein aus dem Kursgewinn bis zum Ende der Laufzeit: z. B. wird die Anleihe zum Kurs von 71 herausgegeben und nach acht Jahren Laufzeit zu 100 zurückgezahlt.

Sonderformen anderer Art sind Wandel- oder Optionsanleihen von Aktiengesellschaften, bei denen es später zu einer Umwandlung bzw. einem Tausch in Aktien des Unternehmens kommen kann.

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Bernd Frank
Von: Bernd Frank. Über den Autor

Bernd Frank hat sein finanzwirtschaftlichen Hintergrund beim Handelsblatt und der Nachrichtenagentur Reuters über lange Jahre ausgebaut und vertieft und vermittelt heute komplexe Sachverhalte aus der Finanzwelt für die Leser von GeVestor.

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