Die Zinswende erfasst auch Europa

Die Zinswende erfasst auch Europa
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Als Reaktion auf die hohe Inflation in den Vereinigten Staaten hat die US-Notenbank Federal Reserve den Leitzins im Mai um weitere 50 Basispunkte auf 1,0% angehoben.

Die Notenbank in Großbritannien erhöhte den Leitzins im März um 25 Basispunkte auf 0,75%. Angesichts der zunehmenden Inflation in Europa infolge des Krieges in der Ukraine, steigender Lebensmittelpreise sowie des möglichen weiteren Preisschubes infolge steigender Löhne und Gehälter findet auch bei der Europäischen Zentralbank (EZB) ein Umdenken statt.

So hält EZB-Direktorin Isabel Schnabel eine baldige Zinserhöhung für möglich: „Jetzt reicht es nicht mehr zu reden, wir müssen handeln“, sagte Schnabel jüngst in einem Interview mit der Wirtschaftszeitung Handelsblatt. „Aus heutiger Sicht halte ich eine Zinserhöhung im Juli für möglich.“ Dennoch wird das Tempo der Zinsschritte in Europa auf absehbare Zeit langsamer sein als im Rest der Welt.

Die Bruttoeinnahmen sprudeln

Für die Banken bedeutet die Zinswende steigende Zinsüberschüsse, was sich positiv in den Bruttoeinnahmen sowie den Erträgen widerspiegeln wird. Auf der anderen Seite haben steigende Zinsen einen negativen Effekt auf die Investitionen und Konsumausgaben und somit auf die Nachfrage nach Krediten. Das Niedrigzinsniveau der vergangenen Jahre war jedoch kein Segen für die Banken. So ließ sich mit Krediten nach Abzug der Kosten kaum noch Geld verdienen. In Zeiten steigender Inflation sind niedrige Zinsen zudem Gift für das Bankgeschäft, da die Kreditforderungen an Wert verlieren. Bei einer Inflation über den Kreditzinssätzen verlieren Banken Geld. Vor diesem Hintergrund erscheint die Zinswende aus Bankensicht längst überfällig.

Instabiles Umfeld treibt Investmentbanking

Die Investmentbank-Abteilungen profitieren von den volatilen Märkten. Viele europäische Banken, wie die UniCredit und UBS konnten die Ergebnisse in diesem Bereich deutlich steigern. Die US-Banken litten dagegen mehrheitlich unter einem schwächeren Abschneiden der Investmentbanking-Abteilungen.

Drei Gefahren für das klassische Bankgeschäft

Für das klassische Bankgeschäft lieben Banken ein stabiles wirtschaftliches Umfeld. Das wird derzeit gleich von drei Krisen gleichzeitig herausgefordert. Die Inflation ist höher als in vielen Modellen vorhergesehen. Das wirkt sich insbesondere auf den Wert des Kredit- und Anlageportfolios aus. Zudem entstehen aus dem Konflikt mit Russland rechtliche Risiken. Die Banken müssen die verhängten Sanktionen umsetzen und dabei aufpassen, nicht selbst in die Schusslinie zu geraten.

Einige Banken, wie beispielsweise die UniCredit, denken darüber nach, das Russlandgeschäft komplett aufzugeben. Indirekt belasten auch die gestörten Lieferketten. Denn viele Unternehmenskunden können nicht wie geplant produzieren. Die Gefahr von Kreditausfällen steigt.