So soll die betriebliche Altersvorsorge gestärkt werden

Altersvorsorge Symbolbild Münzstapel_shutterstock_746139745_Khongtham

Um die Betriebsrente zu stärken, arbeiten Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverbände im Rahmen des Sozialpartnermodells produktiv zusammen. (Foto: Khongtham/ shutterstock.com)

Viele Unternehmen in Deutschland bieten ihren Mitarbeitern eine betriebliche Altersvorsorge an, die nach der gesetzlichen Vorsorge die zweite Säule der Alterssicherung bildet. Die dritte Säule ist die private Vorsorge, die erste Säule bildet die gesetzliche Altersvorsorge.

Um die betriebliche Altersvorsorge in Deutschland zu stärken, wurde ein Modell entwickelt, das neue Wege für Arbeitgeber und Arbeitnehmer vorsieht: Das Sozialpartnermodell für die Betriebsrente.

Was ist das „Sozialpartnermodell Betriebsrente“?

Die Sozialpartner sind Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverbände, die miteinander kooperieren, um gemeinschaftliche Lösungen für Themen zu finden, die beide Seiten betreffen. Bereits im Jahr 2015 hat das Bundesministerium für Arbeit das „Sozialpartnermodell Betriebsrente“ vorgestellt, das eine weitreichende Stärkung der betrieblichen Altersvorsorge vorsieht. Dieses Modell soll die Interessen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern zusammenbringen, um möglichst konstruktiv und zum Wohle aller das Thema Betriebsrente in Deutschland voranzubringen.

Durch neue Branchen-Pensionsfonds und –kassen sollte ein schneller und vor allem flächendeckender Ausbau der Betriebsrente möglich sein. Arbeitgeber sollten die Möglichkeit bekommen, ihre Zahlungsverpflichtungen auf die Versorgungsbeiträge zu beschränken.

Da das ursprünglich vorgelegte Modell auf viel Kritik gestoßen ist, wurde es weiterentwickelt und an einigen Stellen vereinfacht. Gerade die Frage wie kleine und mittelständische Unternehmen, die nicht an Tarife gebunden sind, optimal in die betriebliche Altersvorsorge eingebunden werden können, sollte geklärt werden.

Mehr Gestaltungsfreiheit durch Überarbeitung des ersten Konzepts

2016 wurde das neue Konzept vorgelegt, das mehr Raum für Gestaltungsfreiheit lässt. So müssen Betriebe, die nicht im Arbeitgeberverband sind, keine Tarifverträge für allgemeingültig erklären. Die branchenweiten Fonds für die Verwaltung der Beiträge entfallen somit.

Mit dem neuen Modell sollen Anreize geschaffen werden, die Zielgruppe des „Sozialpartnermodell Betriebsrente“ sind freiwillig tarifgebundene Unternehmen. So sollen die Tarifparteien unter anderem entscheiden können, welche Rentenleistungen aus den eingezahlten Beiträgen garantiert werden.

Der Gedanke dahinter ist eine höhere Rendite, wenn der zu erreichende Rentenbetrag nicht mit voller Leistungsgarantie zugesagt wird. Die Beiträge müssen dann nämlich nicht nach den strengen Vorgaben von Lebensversicherungen angelegt werden.

Weitere Vorteile des neuen Modells

Weiterhin können die Tarifparteien dank des neuen Modells festlegen, ob die Betriebe verpflichtet werden ihren Mitarbeitern Betriebsrenten anzubieten oder ob dies von Betrieb zu Betrieb individuell entschieden werden kann.

Von Pflichtelementen und starren Strukturen wird Abstand genommen, um Unternehmen eine auf ihren Ablauf angepasste betriebliche Altersvorsorge für ihre Mitarbeiter zu ermöglichen.

Kritikpunkte am überarbeiteten „Sozialpartnermodell Betriebsrente“

Die Gestaltungsfreiheit für die Tarifparteien wird von vielen Politikern als positiv wahrgenommen, Befürchtungen gibt es allerdings auch. So besteht die Sorge, dass neue tarifliche Lösungen nicht genug zur stärkeren Verbreitung betrieblicher Altersvorsorge beitragen, da viele an Tarife gebundene Betriebe in diesem Bereich bereits gut aufgestellt sind.

Die Sorge vor allgemeinen Verbindlichkeiten und zu starren Strukturen bleibt daher bestehen. Auch das Steuerrecht wird als Feind der betrieblichen Altersvorsorge angesehen, da die Unternehmen mit einem Rechnungszins von 6 % belastet werden.

Euro Dieb – shu FotoDuets

Einkommenssteueränderung: Die Altersvorsorge im FadenkreuzKlammheimlich hat die GroKo kurz vor Neujahr eine drastische Steuereinschränkung durchgesetzt. Und dieses neue Gesetz bedroht nun die private Altersvorsorge aller Bürger. Wehren Sie sich jetzt! › mehr lesen


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
david-gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter "GeVestor täglich". Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz