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Abgeltungssteuer: So nutzen Sie den Freibetrag

Inhaltsverzeichnis

Seit 2009 gilt in Deutschland eine einheitliche Ertragssteuer von 25% auf sämtliche Kapitalerträge, die Abgeltungssteuer. Hinzu kommen der Solidaritätszuschlag von 5,5% und gegebenenfalls die Kirchensteuer mit 8 oder 9% der Kapitalertragssteuer. Betroffen sind sämtliche Einkünfte aus Kapitalvermögen wie Wertpapiergeschäfte, Zinsen oder Dividenden und damit auch der Privat- und Kleinanleger.

Die Abgeltungssteuer wird als Quellensteuer erhoben – sie wird also unmittelbar „an der Quelle“ abgeschöpft: Die gutschreibende Bank führt sie direkt an den Fiskus ab, wenn entsprechende Einkünfte entstehen. Die Steuerschuld gilt damit als „abgegolten“. Doch auch für die Abgeltungssteuer besteht ein Freibetrag. Dieser liegt auch im Jahr 2016 bei 801 € für Alleinstehende und 1.602 € für Ehepaare. Das bedeutet, dass Beträge, die im Rahmen dieser Freibeträge liegen, von der Steuer befreit werden können.

Abgeltungssteuer: Freibetrag richtig geltend machen

Um den Freibetrag optimal zu nutzen, macht es Sinn, sich zunächst einen Überblick zu verschaffen: Eine Liste mit allen Konten sollte angelegt werden, zudem eine Aufstellung darüber, in welcher Höhe dort jeweils ein Freibetrag eingetragen wurde. Dann sollte geschätzt werden, wie viele steuerpflichtige Kapitalerträge auf den jeweiligen Konten aller Voraussicht nach erzielt werden. Prinzipiell kann der Freibetrag auf mehrere Konten und Kreditinstitute aufgeteilt werden, darf in der Summe jedoch das Gesamtlimit von 801 € nicht überschreiten.

Den Antrag zur Freistellung von der Abgeltungssteuer erhält man normalerweise von der Bank selbst. Wichtig ist, dass eine Steueridentifikationsnummer angegeben wird. Sonst ist das Institut gesetzlich verpflichtet, die komplette Abgeltungssteuer einzubehalten. Wurde ein Freibetrag beim jeweiligen Kreditinstitut beantragt, so lassen die Banken ihre Kapitalerträge unangetastet, bis der Rahmen überschritten wurde.

Wird der Freibetrag nicht richtig aufgeteilt, so geben Sie dem Finanzamt letztlich also einen kostenlosen Kredit. Denn: Zwar können Sie auch für die Abgeltungssteuer den Freibetrag nachträglich geltend machen, die zu viel einbehaltene Steuer gibt es dann aber erst mit der Einkommenssteuererklärung zurück.

Freistellungsaufträge für Ehepaare

Ehepaare können für die Abgeltungssteuer einen Freibetrag in doppelter Höhe – also 1.602 € – geltend machen. Die meisten Anträge unterscheiden zwischen einer gemeinsamen und getrennten Freistellung. Der gemeinsame Freistellungsantrag gilt sowohl für gemeinsame als auch für einzelne Konten der Ehegatten.

Freibeträge des einen Gatten, die nicht ausgeschöpft wurden, können so auf Kapitaleinkünfte des anderen angerechnet werden. Der gemeinsame Freibetrag gilt somit gleichzeitig auch als ehegattenübergreifende Verlustrechnung, wodurch gemeinsam veranlagte Eheleute seit dem Jahr 2010 nicht mehr auf die Steuererklärung warten müssen.

Hat sich das Ehepaar auf Bankebene für diese Verlustrechnung entschieden, so kann daran auch in späteren Steuererklärungen nichts mehr geändert werden. Bei einer getrennten steuerlichen Veranlagung macht ein getrennter Freistellungsauftrag Sinn, etwa bei Bezug von Arbeitslosengeld oder hohen Auslandseinkünften. Der Progressionsvorbehalt gilt dann für beide Einkünfte und daher könnte es zu einer höheren Besteuerung des Ehepartners kommen. Die getrennten Freistellungsaufträge gelten nur für getrennte, nicht für gemeinsame Konten.