Steuern: Was machen die USA im Vergleich Deutschland?

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Die Unterschiede der USA zu Deutschland sind auch bei den Steuern unübersehbar. Was läuft anders in den USA im direkten Vergleich? (Foto: IhorL / Shutterstock.com)

Auch wenn die Wirtschafts- und Staatssysteme der meisten Länder dieser Welt grundsätzlich nach den gleichen Normen ausgestaltet sind, ist eine Gegenüberstellung der in einer Volkswirtschaft gezahlten Steuern und Abgaben schwierig. Dies gilt auch für einen Vergleich der Steuersysteme in den USA und Deutschland, die bei genauer Betrachtung stark differieren.

Sozialversicherungssysteme differieren von Land zu Land

Jedes Land handhabt zum Beispiel die Sozialversicherungssysteme anders. Skandinavische Staaten wie Dänemark oder Schweden haben die höchste Steuerquote in Europa. In Dänemark betrug der prozentuale Steueranteil am Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Jahr 2018 44,8 %. Schweden weist mit 34,3 Prozent ebenfalls einen hohen Wert aus.

Mit der hohen Steuerquote erwerben die Bürger skandinavischer Länder viele Vorteile in den sozialen Sicherungssystemen, für die in anderen Ländern privat vorgesorgt werden muss. Litauen hat beispielsweise eine Steuerquote von 17,5 Prozent und kann seinen Bürgern nicht das Maß an sozialer Absicherung bieten, wie Dänemark, Schweden oder Deutschland. Die USA gelten ebenfalls als Land mit wenig Sozialabsicherung und einem gleichzeitig niedrigen Steueranteil.

Um die Steuer- und Abgabenlast in Relation zu setzen und einen einheitlichen Vergleichsmaßstab anzulegen, ermittelt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) jährlich die Abgabenquote im Verhältnis zum jeweiligen Brutto-Inlandsprodukt. Die nationalen Steuern sind Teil der ermittelten Abgaben.

Steuern USA und Deutschland: Vergleich mit Hindernissen

Der Steuervergleich zwischen den USA und Deutschland ist aus verschiedenen Gründen eine Herausforderung. Ein wesentlicher Unterschied betrifft die Krankenversicherung in den Vereinigten Staaten von Amerika. Sie ist für die allermeisten Menschen Privatsache, obwohl die Regierung unter dem 44. US-Präsidenten Barack Obama tiefgreifende Änderungen bei der Krankenversicherung implementiert hat.

Mit „Obamacare“ kamen mehr als 100 Millionen Menschen in ein staatliches Krankenversicherungssystem – unter ihnen sozial Schwache und ihre Kinder, Rentner und Behinderte sowie Soldaten und ihre Angehörigen. Trotzdem ist das Krankenversicherungssystem in Amerika, bei dem mehr als 150 Millionen Versicherte privat über den Arbeitgeber und mehr als 28 Millionen Bürger nicht versichert sind, kaum mit der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland zu vergleichen. Im Juni 2021 wurde „Obamacare“ vom Supreme Court in den USA bestätigt, sodass ab sofort vor allem die Bedürftigen Bürger in Amerika gesetzlich oder staatlich krankenversichert ist.

Unterschiedliche Steuersysteme in Bundesstaaten und Kommunen

Neben den Unterschieden bei der Krankenversicherung ist es in den Vereinigten Staaten von Amerika üblich, dass Bund, Bundesstaaten und Kommunen in Nordamerika Anteil an ein und derselben Steuer haben können. Die unterschiedlichen Institutionen können gleichzeitig einen unterschiedlichen Anteil haben, was die Vergleichbarkeit weiter erschwert.

In Texas zahlt ein Arbeitnehmer beispielsweise überhaupt keine Einkommensteuer an den Bundesstaat. Dies führt dazu, dass der Spitzensteuersatz in Texas mit 35 % niedrig ist. Im Bundesstaat  New York wird hingegen einen der höchsten Spitzensteuersätze mit fast 44 % verlangt. Allgemeine Aussagen zu den Steuern und Abgaben in den USA sind aus diesem Grund immer an der spezifischen Steuergesetzgebung des jeweiligen Bundesstaates zu messen.

Unter den entwickelten Industrienation der Welt sind die Vereinigten Staaten von Amerika das Land mit der niedrigsten Steuerquote. Sie betrug in den USA im Jahr 2018 nur 18,2 %. Ähnliche Steuerquoten in Europa weisen Tschechien (19,7 %) oder die Slowakei (18,5 %) auf. Referenzländer mit ähnlicher wirtschaftlicher Entwicklung wie das Vereinigte Königreich mit 27,1 % oder Kanada mit 28,4 % liegen deutlich höher als die USA.

Steuern USA vs. Deutschland: Wie die niedrige Abgabenquote zustande kommt

Der große Abstand in der Abgabenquote zwischen den USA und Deutschland ist natürlich nicht ausschließlich auf die fehlende Krankenversicherung in den USA zurückzuführen. Zwischen der Abgabenquote von 24,3 % % in den USA im Jahr 2018 und den 38,2 % in Deutschland liegen noch eine Reihe weiterer Gründe.

Etliche Angelegenheiten, die in Deutschland die öffentliche Hand verantwortet, werden in den USA durch private Initiativen oder unter Beteiligung der Wirtschaft geregelt. Die Beteiligung Deutschlands an privat-rechtlichen Unternehmen wie an der Deutschen Bahn AG oder an Konzernen wie der Volkswagen AG und der Deutschen Telekom AG sowie an Infrastrukturvorhaben wie Autobahn- und Tunnelbauten ist in den USA anders geregelt. Vor allem die Privatwirtschaft realisiert derartige Bauvorhaben, die im Umkehrschluss für alle Bürger kostenpflichtig sind.

Demgegenüber verfügen die USA über den weltweit höchsten Militärhaushalt. Im Jahr 2020 gaben die USA 778 Milliarden US-Dollar für ihr Militär aus. Deutschland gab immerhin 52,8 Milliarden US-Dollar für die Verteidigung aus und verfehlte trotzdem das Ziel, 2 % der Wirtschaftskraft in Militärausgaben zu investieren.

Steuern USA – Deutschland: der direkte Vergleich

 USADeutschland
EinkommensteuerFederal Income Tax oder

State Income Tax

Einkommensteuer zwischen 0 % bis 10 %

Ab einem Jahreseinkommen von 9.408 Euro (2020) werden 14 % Einkommensteuer fällig. Der Spitzensteuersatz liegt bei 42 %
Kommunale SteuernCommunity Tax

City Tax

Gemeindesteuern wie Gewerbesteuer oder Grundsteuer, Zweitwohnungssteuer oder Hundesteuer sowie Abgaben für die Müllentsorgung
Umsatz- und VerbrauchssteuerSales and Use Tax

Wird von den Bundesstaaten erhoben und beträgt zwischen 3 % bis 10 %

Umsatzsteuer zwischen 7 % (ermäßigt) und 19 % auf alle Waren und Dienstleistungen
Körperschaftssteuer21 % Corporation Income Tax des Bundes15 Prozent
Besteuerung von AnteilseignernEinkommensteuer 0 %, 15 % oder 20 % auf Dividenden von inländischen Kapitalgesellschaften25 Prozent
Quellensteuern auf Zinsen und DividendenKeine Steuern bekannt26,375 % auf Zinsen und Dividendenmit Option zur Einkommensteuerveranlagung mit Quellensteueranrechnung
Höchstsatz auf private Zinserträge49,7 % (nur Stadt und Staat New York) 26,375 % Abgeltungsteuer mit Option zur Einkommensteuerveranlagung; 801 € Sparerpauschbetrag

 

Bezogen auf den Steuern-USA-Deutschland-Vergleich machen diese Beispiele deutlich, auf welch unterschiedlichen Ebenen die Differenzen zustande kommen. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, sich vor einer Auswanderung oder einem längeren beruflichen Aufenthalt in den USA mit dem amerikanischen Steuersystem vertraut zu machen. Es ist vor allem zielführend, sich in den einzelnen Bundesstaaten über die unterschiedlichen kommunalen Steuern und Abgaben zu informieren. Das amerikanische Steuersystem ist auf den ersten Blick unübersichtlich, da es wenig Ähnlichkeiten zum deutschen Steuersystem aufweist.

Während die Steuerbelastung in Deutschland auf den ersten Blick größer ist, gehören viele Annehmlichkeiten, wie die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, die gesetzliche Unfall- und Krankenversicherung oder die gesetzliche Rentenversicherung in den USA nicht zum Standard. Das erklärt die geringere Steuer- und Abgabenlast. Welches System im Endeffekt besser und effektiver ist, kann objektiv schlecht gegenübergestellt werden.

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Daniela Kunath
Von: Daniela Kunath. Über den Autor

Daniela Kunath arbeitet als freie Autorin für verschiedene Projekte. Persönlich interessiert sie sich seit vielen Jahren für den Bereich Finanzen und Investments und gibt dieses Wissen passioniert an interessierte Leser weiter.

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