Unfall-Police: Keine Leistung bei Folgeschäden nach Umknicken des Fußes

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Eine Unfall-Versicherung schließen Sie besser nicht ab. Denn was ein Versicherer unter dem Wort „Unfall“ versteht, kommt selten vor. (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Eine Unfall-Versicherung zahlt nicht, wenn Sie etwa einen Herzinfarkt, Schlaganfall, Schlangenbiss oder Kreislauf-Kollaps vermeiden. – Klar, oder!?

All das sind ja auch nach landläufigem Sprachgebrauch keine Unfälle.

Dass ein Versicherer allerdings eine Leistung auch ausschließen kann, wenn der Versicherte mit dem Fuß umknickt und schwere Folgeschäden davonträgt, dürften wohl die wenigsten Menschen wissen.

Ein Urteil des Kammergerichts Berlin bestätigt dies jedoch (30.05.2014, Az. 6 U 54/14).

Tennisspielerin bei Wettkampf verletzt

Beim Verbands-Wettkampf eines Tennisvereins knickte eine Spielerin während des Spiels mit dem Fuß um.

Die Folgen waren gravierend: Zu einem Riss der Außenbänder kam eine Überdehnung der Innenbänder hinzu. Sie blieb gehbehindert.

Deshalb wollte sie den Schaden bei ihrer privaten Unfall-Versicherung geltend machen. Aber ihr Versuch war vergeblich.

Der Versicherer berief sich nämlich auf das Versicherungs-Vertragsgesetz und stellte fest: Ein Unfall im Sinne des Gesetzes (§ 178 Abs. 2 VVG) liege hier gar nicht vor – eine Auffassung, die das Gericht voll und ganz teilte…

Ursache muss von außen kommen

Gleich mehrere Bedingungen müssen zutreffen, damit eine Versicherung einen Unfall auch als solchen anerkennt:

Es muss sich um ein „plötzlich von außen auf den Körper einwirkendes Ereignis, durch das der Versicherte unfreiwillig eine Gesundheitsschädigung erleidet”, handeln.

Deklinieren wir diese Bedingungen einmal durch, dann sehen Sie gleich, warum eine Unfall-Versicherung nur selten zahlt:

  • Plötzlich: Der Unfall muss überraschend geschehen. Eine schleichende Schädigung, etwa durch ein langwieriges Muskelleiden, ist nicht „plötzlich“.
  • Von außen auf den Körper einwirkend: Wird ein Fußballer von einem Gegner gefoult und zu Fall gebracht, dann ist diese Bedingung erfüllt. Knickt aber ein Sportler, egal ob beim Fußball oder beim Tennis, ohne äußeren Einfluss einfach von selbst um, dann liegt kein Unfall vor. Ein Unfall liegt demnach auch nicht bei einem Bandscheiben-Vorfall vor, oder bei einem Schlaganfall, oder bei einem Treppensturz, wenn dieser durch einen Herzinfarkt verursacht wurde.
  • Unfreiwillig: Sich selbst absichtlich zu schädigen oder nicht bestmöglich dafür zu sorgen, dass die Unfall-Folgen glimpflich ausfallen, kostet den Versicherungs-Schutz. Allerdings liegt hier die Beweislast beim Versicherer. Normalerweise ist wohl davon auszugehen, dass sich niemand für die Versicherungs-Leistung freiwillig eine Schädigung zuzieht.
  • Gesundheits-Schädigung: Hier prüfen die Versicherer, ob eine dauerhafte Invalidität vorliegt. Der Schaden muss innerhalb eines Jahres nach dem Unfall eingetreten und spätestens 15 Monate danach vom Arzt attestiert sein. Ist die Verletzung innerhalb dieses Zeitraums völlig ausgeheilt, dann besteht auch kein Anspruch auf die Versicherungs-Leistung.

Jetzt wissen Sie auch, woran es bei besagter Tennisspielerin gelegen hat, dass die Versicherung nicht zahlen musste: Es fehlte an einem „von außen einwirkenden“ Ereignis.

Zwar behauptete sie später, sie sei auf einem nassen Blatt ausgerutscht, und eine Mitspielerin könne das auch bezeugen. Aber das Gericht ließ diesen Einwand nicht gelten. Trotz dauerhafter Schädigung ging die Sportlerin leer aus.

Fazit: Berufsunfähigkeits-Versicherung ist besser

Eine Unfall-Versicherung zahlt nur, wenn die Schadensursache der Unfall-Definition entspricht. Unabhängig von der Schadensursache leistet nur eine Berufsunfähigkeits-Versicherung.

Die allerdings prüft wirklich, ob Sie durch die Schädigung nicht mehr in der Lage sind, Ihren Beruf auszuüben.

Bei einer Invalidität von nur wenigen Prozent zahlt diese Police nichts. Und trotzdem bietet sie den besseren und v. a. sinnvolleren Schutz.

Denn genau darum geht es ja: Einkommens-Ausfälle zu kompensieren, die durch Gesundheits-Schäden jedweder Art auftreten – also auch durch Herzinfarkt, Schlaganfall, Zeckenbiss oder Bandscheiben-Vorfall.

Wenn Sie noch Geld verdienen können, sind Sie auf die Versicherungs-Leistung zum Glück nicht angewiesen. Die Aufwendungen für eine Unfall-Versicherung können Sie sich daher in der Regel sparen.

Im Zweifelsfall ist die Berufsunfähigkeits-Versicherung die bessere Wahl.


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Judith Engst
Von: Judith Engst. Über den Autor

Judith Engst (MBA) ist Wirtschafts- und Finanzjournalistin und schreibt vorwiegend Ratgebertexte. Sie hat mehrere Bücher zu den Themen Börse, Geldanlage, Immobilien, Recht & Steuern sowie Kommunikation verfasst. Daneben arbeitet sie als Dozentin an der Business School Alb-Schwarzwald, die zur Steinbeis Hochschule Berlin gehört.

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