ETF und Indexfonds: Unterschiede im Detail

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Der Unterschied zwischen ETF und Indexfonds liegt vor allem in der Handelbarkeit und Kostenstruktur. Beide Fondsarten haben Vorteile (Foto: create jobs 51 / Shutterstock.com)

Extrem niedrige Kosten, kein Versuch über teures Management den Markt zu schlagen – Indexfonds bzw. ETFs sind beliebt, weil sie lediglich einem Index folgen und im Vergleich zu Zertifikaten auch noch vor Insolvenz geschützt sind. Diese Indexnachbildung bietet Transparenz und breite Risikostreuung in einem Papier.

Unterschiede zwischen ETF und Indexfonds

Dabei wird eines gerne übersehen: Auch wenn sie meist in einem Atemzug genannt werden, so besteht durchaus ein Unterschied zwischen ETF und Indexfonds. Beim ETF handelt es sich sozusagen um die verfeinerte Version eines Indexfonds. Der wiederum ist der Urtyp der passiven Indexabbildung, die seit den 1970er Jahren jedermann den einfachen Zugang zum Aktienmarkt ermöglicht.

Die Idee und Grundkonstruktion geht auf den Amerikaner John Bogle zurück, der damals mit seiner Investmentgesellschaft Vanguard Group den ersten passiven Indexfonds auf den S&P 500 auf die Beine stellte. Der Vanguard 500 wurde bald zum Renner und ist bis heute einer der größten Fonds der Welt.

Erst ab 1993 entstanden die ersten ETF. Der Unterschied zum Indexfonds zeigt sich schon im Namen: Exchange Traded Fund. ETF werden wie Aktien direkt an der Börse gehandelt. Die Preisfeststellung erfolgt fortlaufend und nicht nur einmal am Tag.

Verschiedene Ansätze beim Kauf

Die jederzeitige Handelbarkeit ergibt sich aus der Entstehung der Fondsanteile. Der Vorgang nennt sich Creation-Redemption: Ein Market-Maker tauscht mit der Fondsgesellschaft Aktienkörbe gegen gleichwertige Fondsanteile, die er dann der Börse zum Kauf und Verkauf anbietet. Er kann sie aber auch auf dem umgekehrten Weg wieder zurückgeben.

Dieser Prozess sorgt für Liquidität und aktuelle Geld-Briefkurse. Die Bandbreite der Spreads richtet sich nach den Vorgaben der Fondsgesellschaft. Auch wenn der Kurs des ETF damit nahe am Nettoinventarwert (NAV) des Sekundärmarkts, also der Börse, liegt, so kann er im Tagesverlauf davon abweichen. Im ungünstigen Fall steigt man etwas zu teuer ein, mit etwas Glück erwischt man einen Preis deutlich unter dem NAV.

Im Unterschied zu ETF werden Indexfonds am Primärmarkt gehandelt, und zwar durch Fondszeichnung bzw. –rücknahme. Mit dem Geld, das bei der Anteilsausgabe in den Fond fließt, werden die Wertpapiere des jeweiligen Index gekauft – bei reinen Indexfonds gibt es keine synthetische Indexabbildung über Swaps. Das Ganze findet einmal täglich statt.

Ein Anleger kauft somit ohne Abweichungen zum Nettoinventarwert. Doch auch hier gibt es eine kleine Unwägbarkeit: Bei Auftragserteilung kennt man den relevanten Schlusskurs noch nicht, auf dessen Basis der NAV erst am Folgetag berechnet wird.

Spezifische Kostenstruktur

Dafür wiederum haben Indexfonds in der Regel keine Geld-Brief-Spanne. Wohl aber einen Ausgabe- und Rücknahmeaufschlag, den es beim ETF nicht gibt. Handelskosten oder Aufschläge – in der Summe sind Indexfonds meist einen Tick günstiger. Ansonsten fallen für beide Fondsarten Managementgebühren an, wobei hier ETF tendenziell die Nase vorn haben.

In beiden Fällen können kleinere Zusatzgewinne generiert werden. Bei synthetischen ETF etwa wird die Performance durch Wertpapierverleih verbessert. Bei Indexfonds werden Erlöse aus dem direkten Wertpapierhandel an den Anteilseigner ausgezahlt, was sich jedoch in einer höheren Steuerbelastung niederschlägt.

Unterschiedlich ist auch die Handhabung von Dividenden. Werden sie beim ETF je nach Indexkonstruktion reinvestiert oder bis zur Ausschüttung angesammelt, hat man beim Indexfonds die Wahl zwischen Auszahlung in bar oder in Aktien.

Die Mischung macht´s

Insgesamt sind Indexfonds die ruhigere Variante. Hier gibt es weder Short– noch Hebelprodukte oder Strategie-Versionen, mit denen etwa Smart-Beta ETFs auf eigens konstruierte Indizes setzen.

Dennoch sind sie flexibel und werden wegen ihrer spezifischen Vorteile als Langfristanlage vorwiegend von institutionellen Investoren genutzt. In der Schweiz sind sie gerade zur Vermeidung der dortigen Stempelsteuer unter Privatanlegern gefragt. Aber auch hierzulande werden sie seit letztem Jahr wieder angeboten.

Wer die ideale Zusammenstellung für ein diversifiziertes Portfolio mit Indexfonds sucht, kann sich an einer Studie des britischen Vermögensverwalters Evercore Pan-Asset orientieren. Bezüglich Rendite und Kosten besteht es zu 58% aus ETF, der Rest sind reine Indexfonds.

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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