Faktor-Zertifikate und Short-ETFs: Falle im Seitwärtsmarkt

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DAX und andere Indizes schwanken hin und her – die richtige Hebelinvestition... (Foto: zhaoliang70 / Shutterstock.com)

Wir sind der Auffassung, dass Rückschläge an Aktienbörsen auch und gerade für Langfristinvestoren dazu gehören.

Nur: Wer dabei zu den falschen Hebelprodukten greift, wird mehr Verluste erleiden als nötig.

Hebeln Sie – nur in solch einer Situation nicht mit ungeeigneten Hebelpositionen!

Vorsicht: Tägliche Abrechnung kostet Geld

Faktisch geht es an den Aktienbörsen schon länger hin und her. Skeptische Analysten sehen (fast) nur noch das Ab, während nüchterne Fundamental- und technische Analysten hier bloße Korrekturen am Werke sehen.

Nur: Wenn Sie long oder short mit Faktor-Zertifikaten dabei sind, reduzieren sich bei diesen Schwankungen ihre Gewinne fast unbemerkt.

Denn: Faktor-Zertifikate werden – wie wir bereits einige Male berichtet haben – täglich abgerechnet.

Das hat zur Folge, dass die Verluste ein stärkeres Gewicht erhalten als Gewinne.

Größere Hebel bei Verlusten wichtig

Im Beispiel: Wenn der DAX 20% verlieren und ein Faktor-Zertifikat dann abgerechnet würde, müssten Sie für eine 0%-Rendite schon 25% gewinnen, um entsprechend wieder beim Ausgangswert zu sein.

Dieselbe Rechnung gilt für die sogenannten Short-Indizes auf den DAX, so etwa LevDAX-Short-Indizes.

Auf diese Barometer können Sie wiederum Exchange Traded Funds (ETFs) – börsengehandelte Fonds – kaufen und würden entsprechend dem jeweiligen Tagesschlussstand abgerechnet und schließlich bezahlt.

Wenn Sie den genannten Effekt berücksichtigen, sind gerade schwankende Märkte wie zurzeit nicht geeignet, um Short-ETFs oder Faktor-Zertifikate zu kaufen.

Wenn Sie sich absichern möchten, gehen Sie – wie hier oft empfohlen – anders vor:

  • Reduzieren Sie Ihren Einsatz oder verkaufen Sie einen Teil der Positionen. Damit erwerben Sie zwar keine zusätzlichen Rendite-Chancen, sparen aber – netto – auf jeden Fall die möglichen Mehrverluste durch die falsche oben genannte Abrechnung.
  • Zudem gilt: Wenn Sie 10% Nettoverluste einfahren, statt diese zu „sparen“, müssten Sie für die 0%-Rendite-Ausgangssituation 11,11% Nettogewinne einfahren.
  • Oder kaufen Sie „Puts“ (langlaufende Optionsscheine). Diese werden nicht täglich abgerechnet und ersparen Ihnen somit die dargestellte Verlustfalle.
  • Schließlich bietet es sich an, mit „Trailing-Stops“ zu arbeiten. Hierdurch können Sie aufgelaufene Gewinne besser sichern, indem die Stop-Loss-Marken automatisch bei steigenden Kursen nachgezogen werden.

Weitere Alternative: Mischfonds

Wenn Sie Renditerisiken mit reinen Aktien vermeiden wollen, können Sie einen Teil des Depots – auch für die Langfrist-Vorsorge – in Mischfonds investieren.

Diese können auch Anleihen kaufen, die derzeit zwar schwach rentieren, aber immerhin in den meisten Fällen noch zurückgezahlt werden.

Als Alternative zu Absicherungs-Strategien am Aktienmarkt bietet sich etwa der „Carmignac Patrimoine“ an, den wir hier ebenfalls schon einige Male erwähnt haben.

Deshalb: Investieren Sie in Seitwärtsmärkten bitte nicht in Faktor-Zertifikate oder ähnliche Konstruktionen.

Wer hebeln möchte, kann mit „normalen“ Hebelzertifikaten das Risiko in schwankungsanfälligeren Zeiten zudem besser kontrollieren.

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Jan Aalto
Von: Jan Aalto. Über den Autor

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