Platz die Immobilienblase? Was sagt der Leitzins?

Platz die Immobilienblase? Was sagt der Leitzins?
kurhan / Shutterstock.com
Inhaltsverzeichnis

Der Ausverkauf war schon. Dass die Zinsen steigen würde, hatte sich wohl herumgesprochen. Wer also unbedingt unter die Häuslebauer gehen wollte, tat das offenbar im ersten Halbjahr diesen Jahres.

Lange Zeit lag der effektive Zins bei 0,8 Prozent für eine Baufinanzierung auf 10 Jahre. Durch die fantastische Geopolitik der Weltmächte schoss dieser Zins auf über 3 Prozent. 3,2 waren es sogar – also eine Vervierfachung!

Ein wenig ist der Zins schon wieder zurückgekommen. Bei 2,6 Prozent steht er jetzt etwa im Schnitt. Doch das reicht völlig aus, um vielen Käufern einen Strich durch die Rechnung zu machen. Wer Spitz auf Knopf finanziert, um sein Haus im Wert von 1 Million Euro zu bauen, dem bricht der Anstieg des Zinses natürlich das Genick.

Eigenkapital gewinnt

100 Prozent Finanzierung ohne Eigenkapital – diese Methode ist Geschichte. Das kann sich fast niemand mehr leisten. Beispiel gefällig? Nehmen wir das Darlehen von 1 Million Euro. Je nachdem, in welcher Region Sie wohnen, reichen vielleicht auch noch 500.000 Euro für einen Neubau mit Grundstück.

Bei einem Darlehen von 1 Million Euro lag die monatliche Belastung mit 0,8 Prozent Zins und 2 Prozent Tilgung bei etwa 2.300 Euro. Dann kann man schon bezahlen, wenn beide arbeiten oder einer richtig gut verdient. Bis dahin macht es ja fast noch Spaß.

Was passiert beim heutigen Zins? Nehmen wir insgesamt 5 Prozent für Tilgung und Zins – dann liegen wir bei einer monatlichen Belastung von fast 4.200 Euro! Dabei wurde das Grundstück nicht größer, als vor einem halben Jahr. Das Haus bekam auch nicht die doppelte Anzahl an Wohnfläche. Es ist einfach das Timing! Ein höherer Zins macht es fast unmöglich, jetzt noch zu finanzieren.

Und wenn Ihnen das Beispiel mit 500.000 Euro lieber. Dann liegen wir jetzt eben bei fast 2.100 Euro anstatt zuvor bei fast 1.200 Euro. Auch nicht wirklich schöner.

Der Traum vom Eigenheim löst sich in Rauch auf

Ja und nein. Aktuell auf jeden Fall. Wer jetzt kaufen will, braucht viel Eigenkapital. Dann sind die monatlichen Raten noch erträglich. Besser wäre es jetzt wohl nicht zu kaufen und lieber zu warten.

Aber wird es nicht nur noch teurer? Ja, vermutlich. Nur so kann diese Immobilienblase zum Platzen gebracht werden. Wenn jetzt die Anzahl der Käufer stark abnimmt, müssen die Preise fallen. Sonst baut niemand mehr. Das gilt zum Teil auch für bestehende Immobilien.

Was passiert bei 4 Prozent Zinsen?

Dieser Wert wird für das Jahresende vermutet. Mal sehen, wo wir dann wirklich stehen. Die FED plant wohl 100 Punkte als nächste Erhöhung. Zieht die EZB nur ansatzweise nach, sind wir locker über 4 Prozent Bauzinsen, bevor das Jahr 2023 angebrochen ist. Wer kann dann noch tilgen?

Doch bevor Sie jetzt erwarten, dass alle Immobilienpreise im gesamten Land nach unten rauschen: Es ist ein zweischneidiges Schwert. Ja, zwischendurch werden die Preise sinken. Wenn aber weniger gebaut wird, gibt es wieder mehr Bedarf an bestehenden Immobilien. Diese sind somit besonders in gefragten Gegenden wesentlich wertstabiler.

Nur, wenn wir tatsächlich eine richtig schwere Rezession bekommen, wird sich auch bei der Masse der Immobilienpreise etwas ändern. Hohe Inflation lässt kaum die Preise von Wohnraum sinken. Es muss also noch mehr passieren. Ein hoher Leitzins alleine ist nur der Anfang.

Tipp

Wenn Sie bereits finanziert haben und in den nächsten Jahren oder Monaten eine Refinanzierung ansteht – kümmern Sie sich jetzt bereits darum. Die Zinsen werden kaum besser. Einige werden sicherlich ihr Haus nach 10 Jahren verkaufen müssen, wenn die Refinanzierung ansteht und die neuen Raten nicht mehr bezahlbar sind.