Zwangsversteigerung: Unerkannte Chancen nutzen

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Des Einen Leid, ist des Anderen Glück. Nutzen Sie Ihre Chance und erwerben Sie eine Immobilie, die zwangsversteigert wird. (Foto: Dean Drobot / Shutterstock.com)

Die Zwangsversteigerungstermine haben sich in nur vier Jahren verdoppelt. Tendenz: weiter steigend. Nutzen Sie Ihre Chance.

Vorauswahl ist die halbe Miete

Keine Frage: Die Zwangsversteigerung ist unverändert der preiswerteste Weg zum Immobilienerwerb.

Doch auch für Zwangsversteigerungen gilt: Nur wer die Spielregeln beherrscht, ist am Ende der Gewinner.

Beachten Sie dazu die folgenden Praxis-Tipps für den optimalen Immobilienerwerb per Zuschlag beim Amtsgericht.

Treffen Sie anhand der Versteigerungsliste zunächst eine Vorauswahl. Achten Sie besonders auf Objekte mit dem Vermerk „Zweiter Termin“. Bei diesen Objekten ist es beim ersten Gerichtstermin nicht zum Zuschlag gekommen.

Versteigerungstermine: Wissen wo Sie nachsehen müssen

Nach Terminen von Zwangsversteigerungen werden Sie im Immobilienteil Ihrer Tageszeitung meist vergeblich suchen:

Die Mitteilungen finden Sie in den amtlichen Bekanntmachungen, und die hängen in den Amtsgerichten aus. Über alle Termine im gesamten Bundesgebiet informiert der „Versteigerungskalender“.

Er enthält die wichtigsten Informationen wie Telefonnummer des Amtsgerichts, sowie Aktenzeichen.

Beim zweiten Termin entfällt oft das so genannte geringste Gebot.

Der „Einstiegspreis“ entspricht dann nur noch der Höhe der bislang aufgelaufenen Verfahrenskosten. Hoffen Sie allerdings nicht darauf, dass Sie das Objekt bei einem solchen Zweittermin zu einem regelrechten Schleuderpreis erhalten.

Die Gläubigerbanken sind daran interessiert, allzu große Verluste zu vermeiden und werden das Objekt im Zweifel eher selbst ersteigern.

Aber Ihre Chancen für ein echtes Schnäppchen sind in solchen Situationen besonders groß.

Ortsbesichtigung ist ein Muss

Nehmen Sie Einsicht in die Gerichtsakte beim zuständigen Amtsgericht.

Rufen Sie beim Amtsgericht an und lassen Sie sich mit dem zuständigen Rechtspfleger verbinden. Erkundigen Sie sich dort, ob ein Wertgutachten vorliegt und wann Sie dieses einsehen können.

Konzentrieren Sie sich bei der Akteneinsicht auf die wesentlichen Punkte, wie Baujahr, Wohn- oder Nutzfläche, Aufteilung der Räume und Bewertung der Bausubstanz.

Fordern Sie außerdem bei der Gläubigerbank eine Kopie des Gutachtens an.

Wie sonst auch, so zählt auch bei Ersteigerung einer Immobilie in erster Linie die Lage. Schauen Sie sich die Immobilie und die Umgebung vor dem Gerichtstermin genau an.

Die Bausubstanz können Sie ändern, die Lage nicht. Prüfen Sie nach Möglichkeit in Begleitung eines Sachverständigen die Substanz des Gebäudes, und kalkulieren Sie überschlägig die Kosten für eventuelle Reparaturen.

Zwangsversteigerung: Finanzierung sichern

Sprechen Sie rechtzeitig mit Ihrer Hausbank, aber auch mit der Gläubigerbank sowie eventuell noch mit anderen Finanzinstituten.

Nehmen Sie zu den Kreditgesprächen stets eine Kopie des Wertgutachtens sowie eine Aufstellung über Ihre Einkommensund Vermögensverhältnisse mit.

Stellen Sie die Finanzierung sicher, bevor Sie ein Objekt ersteigern.

Bietstrategie vorher festlegen

Bevor Sie im Versteigerungstermin tatsächlich bieten, sollten Sie sich unbedingt eine Preisgrenze setzen.

Sprechen Sie im Versteigerungstermin mit dem Gläubigervertreter und fragen Sie ihn nach der „Schmerzgrenze“..

Finden Sie heraus, ob die Gläubigerbanken oder andere Bieter Ihre Hauptkonkurrenten sind. Geben Sie frühzeitige Gebote nur ab, wenn Sie mögliche Bietkonkurrenten abschrecken wollen.

Wie Sie den Versicherungsschutz erhalten

Soweit im Zusammenhang mit dem ersteigerten Objekt Versicherungsverträge bestehen, treten Sie als Ersteigerer in die Rechte und Pflichten aus diesen Verträgen ein.

Sie haften gegenüber der Versicherungsgesellschaft gemeinsam mit dem früheren Eigentümer für die laufende Versicherungsperiode.

Allerdings sind Sie berechtigt, die bestehenden Versicherungsverträge zu kündigen.

Bei Zweifeln über den Versicherungsschutz sollten Sie vorsorglich eine (weitere) Versicherung abschließen.

Wenn schon eine Police besteht und damit eine Doppelversicherung vorliegt, können Sie die Aufhebung des später geschlossenen Versicherungsvertrags verlangen, nachdem Sie von der Doppelversicherung erfahren haben.

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Zwangsversteigerung - Abflauf, Formalitäten & ZuschlagZum 1., zum 2. und zum 3. – bevor der Zuschlag bei einer Zwangsversteigerung erteilt wird, spielt der Verkehrswert eine wichtige Rolle. › mehr lesen


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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