Bitcoin und Co.: Warum ich skeptisch bleibe

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Kryptowährungen wie Bitcoin und Etherum waren zuletzt wieder in aller Munde. Ich bleibe weiterhin skeptisch. Erfahren Sie in diesem Beitrag warum. (Foto: Wit Olszewski / shutterstock.com)

Wenn Sie den „Schlussgong“ schon länger verfolgen, wissen Sie, dass ich den sogenannten Kryptowährungen in der jetzigen Form sehr skeptisch gegenüber stehe. Ein Grund: Die aktuell so beliebten Bitcoin und Co. haben aus meiner Sicht nicht das Zeug zu einer echten digitalen Währung.

Warum das so ist? Ganz einfach: Kaum jemand wird mit Bitcoin oder anderen sogenannten Kryptowährungen zahlen, wenn er oder sie davon ausgeht, dass der Preis weiter steigt. Hier ist es wie bei Aktien: Wenn Sie fest davon überzeugt sind, dass eine Aktie weiter steigt, werden Sie diese nicht aus der Hand geben.

Daneben sehe ich regulatorische Risiken (Staaten könnten beispielsweise den Handel mit Kryptowährungen einschränken oder sogar verbieten) und das Risiko, dass Hacker Ihnen Ihr Kryptogeld stehlen. Auf das letztgenannte Risiko möchte ich später etwas näher eingehen. Denn hier gibt es ein aktuelles Fallbeispiel.

Und abschließend noch ein ethischer Kritikpunkt: Der Bitcoin in der jetzigen Form ist eine Umweltsauerei. Beim Erschaffen neuer Bitcoin-Einheiten werden gigantische Energiemengen benötigt. Das Bitcoin-Schürfen verschlingt laut dem Cambridge Centre for Alternative Finance pro Jahr aktuell rund 129 Terawattstunden Strom – Tendenz steigend. Wäre der Bitcoin ein Staat, würde dieser in etwa so viel Energie verbrauchen wie ein mittelgroßer EU-Staat! Wer nachhaltig investieren will, muss einen großen Bogen um den Bitcoin machen.

Möglicher Milliardenbetrug mit Kryptowährungen

Ein möglicher Milliardenbetrug mit Kryptowährungen erschüttert seit Tagen die Türkei. Doch der Reihe nach: Am 20. April gab die türkische Internet-Plattform Thodex bekannt, dass die Plattform aufgrund technischer Probleme für mehrere Stunden geschlossen sei. Einen Tag später war die Internetseite immer noch nicht zu erreichen.

Das Management der Krypto-Plattform behauptete auf dem Kurznachrichtendienst Twitter, man führe Gespräche über Kooperationen und werde die Kunden in den folgenden Tagen informieren. Gleichzeitig kamen jedoch Gerüchte auf, dass der 27-jährige Thodex-Gründer Fatih Özer sich mit 2 Mrd. US-Dollar ins Ausland abgesetzt habe.

Die Staatsanwaltschaft begann zu ermitteln. Özer soll sich in Albanien befinden, bleibt aber bislang verschollen. Und mit ihm die 2 Mrd. US-Dollar. Wie war dieser wahrscheinliche Betrug möglich?

Kryptowährungen in der Türkei sehr beliebt

Zum einen durch den Hype um Kryptowährungen (zuletzt vor allem Dodecoin und Ethereum), zum anderen aber auch durch den Lira-Verfall und die hohe Inflation in der Türkei. Allein die Plattform Thodex verzeichnete zuletzt 391.000 Mitglieder. Insgesamt sollen rund 5 Mio. Türkinnen und Türken in virtuelle Währungen investiert sein.

Die türkische Zentralbank hat kürzlich den Einsatz von Kryptowährungen als Zahlungsmittel in der Türkei verboten. Daraufhin gab beispielsweise der Bitcoin etwas stärker nach – erholte sich in der Folge aber wieder. Damit sind wir dann auch wieder bei den eingangs angesprochenen regulatorischen Risiken.

Ich mache weiterhin einen Bogen um Kryptowährungen

Bereits vor dem aktuellen wahrscheinlichen Betrugsfall rund um Thodex gab es zahlreiche Krypto-Betrugsfälle. Über einige habe ich an dieser Stelle auch berichtet. Aufgrund der genannten Risiken bleibe ich weiter skeptisch mit Blick auf die sogenannten Kryptowährungen und werde weiterhin nicht auf der Käuferseite stehen.

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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands und teilt seine Expertise bereits seit rund 20 Jahren als Chefredakteur von „Morriens Depot-Brief“ (für den erfolgreichen Börsenstart), dem „Depot-Optimierer“ (Vermögensaufbau mit Value-Ansatz) und von „Rolf Morriens Power Depot“ (dynamisches Trading-Depot) sowohl mit Börseneinsteigern als auch mit ambitionierten Privatanlegern.

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