Elon Musk: Der Bitcoin-Flüsterer

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Musk twittert gebrochene Herzen, der Bitcoin rauscht in die Tiefe. Der Kryptomarkt ist weiterhin nichts für schwache Nerven. (Foto: Wit Olszewski / shutterstock.com)

Von über 50.000 auf weniger als 30.000 Euro innerhalb von nur zwei Monaten: Der Kurs der bekanntesten Kryptowährung Bitcoin schlägt weiterhin wilde Kapriolen.

Angetrieben und ausgebremst wird die Kursentwicklung seit einigen Monaten vor allem durch einen Mann: Elon Musk. Der Gründer und Chef des Elektroautobauers Tesla, der neuerdings auch in Raumfahrt macht, twittert munter vor sich hin und beeinflusst den Kurs des Bitcoin mit teils kryptischen, aber meist kurzen Nachrichten ziemlich extrem.

Tesla-Rückzug wegen mieser Ökobilanz?

Mehrfach outete sich Musk als Fan von Kryptowährungen im Allgemeinen und Bitcoin im Speziellen, kurzzeitig ließ Tesla gar verlauten, Bitcoin als Zahlungsmittel zu akzeptieren. Das wurde kurz danach jedoch wieder zurückgenommen – weil Musk plötzlich aufgefallen war, welch katastrophale Umweltbilanz die Kryptowährung hat. Das sogenannte Mining verbraucht enorm viel Strom, vom Jahresenergiebedarf kleinerer Staaten wie Irland oder Norwegen war als Vergleichswert bereits die Rede.

Das passt nicht zum Selbstverständnis von Tesla. Obwohl auch die Ökobilanz von E-Autos aufgrund der Herstellung der benötigten Batteriezellen umstritten ist, sieht Musk sein Unternehmen als Umweltpionier. Der Stromverbrauch beim Bitcoin-Mining ist allerdings seit Jahren bekannt. Warum dieser Umstand Musk nun binnen weniger Wochen vom Fan zum Skeptiker mutieren ließ, bleibt wohl vorerst sein Geheimnis. Tesla jedenfalls werde sich dem Bitcoin erst wieder zuwenden, wenn das Mining durch nachhaltige Energien sichergestellt werde.

Musk: Bitcoin und gebrochene Herzen

Das Unternehmen selbst hatte Anfang des Jahres in großem Stil in die Kryptowährung investiert und Bitcoin im Wert von 1,5 Milliarden Dollar erworben. Diese Position hatte auch die Quartalsbilanz des Unternehmens von Januar bis Ende März deutlich aufgewertet. Nach Musks Tweets wurde spekuliert, ob Tesla einen Teil davon bereits wieder veräußert haben könnte, was schließlich dementiert wurde. Allerdings ist keinesfalls sicher, dass es auch so bleiben wird.

Ein erneuter Tweet von Musk sorgte Ende vergangener Woche für weitere Kursturbulenzen. Einmal mehr mied der Autor den Klartext und postete stattdessen den Hashtag „Bitcoin“ mit dem Emoji eines gebrochenen Herzens, dazu ein Bild eines Paares, das über seine Trennung diskutiert. Ist nun also alles aus zwischen Tesla und Bitcoin?

Bitcoin stürzt ab und reißt Kryptomarkt mit in die Tiefe

Man weiß es nicht genau, aber der Effekt war an den Märkten deutlich sichtbar: Der Kurs des Bitcoin drehte wieder auf Talfahrt und beschleunigte seinen Abwärtstrend, nachdem er sich gerade erst von der letzten Achterbahnfahrt halbwegs erholt und stabilisiert hatte. Im Windschatten des Bitcoin rauschten auch die zweitwichtigste Kryptowährung Ether sowie kleinere, weniger bekannte Onlinewährungen in den Keller.

Ebenfalls deutlich bergab ging es parallel für die Aktie von Coinbase. Dabei handelt es sich um die wichtigste US-Plattform, auf der die Kryptowährungen gehandelt werden. Die Aktie ist erst seit April am Markt, hat seitdem aber bereits ganz ähnliche Achterbahnfahrten hingelegt wie Bitcoin, Ether und Co. Seit der Erstnotiz in Höhe von 325 Dollar ging es in der Tendenz allerdings steil abwärts, bislang hat die Coinbase Aktie rund ein Drittel an Wert eingebüßt und kostete zuletzt weniger als 225 Dollar.

Gegenwind aus Peking und Washington

Neben Tweets von Musk sorgen auch Meldungen aus China immer wieder dafür, den Kryptomarkt unter Druck zu setzen. Zentralregierung und Notenbank im Reich der Mitte sind bereits seit längerem damit beschäftigt, eine digitale Variante der chinesischen Währung Yuan zu entwickeln – und untersagen den Einsatz von Bitcoin als Zahlungsmittel bereits seit 2019.

Ende Mai wurde bekannt, dass China nun auch gegen das Mining vorgehen will. Doch auch aus Washington gibt es Gegenwind: So hat das US-Finanzministerium angedeutet, dass es möglicherweise eine Anzeigepflicht für Transaktionen mit Kryptowährungen einführen will, die die Schwelle von 10.000 US-Dollar überschreiten. Zur Begründung wurden steuerrechtliche Bedenken angeführt.

Fans von Kryptowährungen allerdings schätzen gerade die Anonymität, die im Gegensatz zu anderen virtuellen Zahlungsmethoden gewährleistet werden kann. Sollte damit demnächst Schluss sein, könnte das für neue Kurskapriolen sorgen.

Auch Kleinanleger von Kursschwankungen betroffen

Insgesamt gilt der Markt der Kryptowährungen als extrem schwankungsanfällig, wie die vergangenen Wochen und Monate eindrucksvoll unter Beweis gestellt haben. Da auch viele private Anleger hier investiert sind, drohen erhebliche Verluste auch für Einzelpersonen.

Von „zerstörten Leben“ war daher die Rede in einem bei Youtube vor wenigen Tagen veröffentlichten Video, das im Stil der Hackergruppe „Anonymous“ scharfe Kritik an Musk und seinen Bitcoin-Botschaften übt. Ob die Urheberschaft tatsächlich dem eher losen Hackernetzwerk zuzuschreiben ist, ist angesichts einiger Distanzierungen anderer Anonymous-Accounts zumindest umstritten.

Doch das Video zeigt die dramatischen Auswirkungen auf, die ein kurzer, launiger Tweet eines der reichsten Männer der Welt für viele Kleinanleger haben kann. Der Bitcoin jedenfalls, der noch im April einen Rekordwert von fast 65.000 US-Dollar erzielt hatte, rast nun wieder auf die 30.000-Dollar-Schwelle zu und steht damit so tief wie seit Anfang Februar nicht mehr.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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