Kryptowährungen wieder im freien Fall

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Eine Abwärtsbewegung mit Ankündigung: Die Fortsetzung des Kryptowährungsrutsches hatte ich Ihnen vorausgesagt. (Foto: LOMAKIN / Shutterstock.com)

Anleger, die heute einen Blick auf die aktuellen Notierungen Ihrer Kryptowährungs-Investments werfen, dürften wenig erfreut sein:

Der Bitcoin in USD verliert zur Stunde etwas mehr als -7%. In der Spitze waren es auch schon -8,4%. Ethereum in USD büßt fast -11% ein, bei der Casino-Kryptowährung Dogecoin in USD sind es gar fast -12% Minus.

Wir schauen gemeinsam auf die Charttechnik des Bitcoins in USD, um Orientierung über die mögliche weitere Entwicklung zu erlangen.

El Salvador und der Bitcoin

Eigentlich gab es doch eine gute Nachricht für den Bitcoin: Der Staatspräsident von El Salvador, Nayib Bukele, will dem Kongress des Landes einen Gesetzentwurf vorlegen, mit dem die Leit-Kryptowährung zur neuen Landeswährung gemacht werden soll.

Laut einem Beitrag in Capital von heute Morgen sieht Bukele seinen Staat vonseiten der eigenen Notenbank unfair behandelt. Da rund 70% der Bürger über kein Bankkonto verfüge, erhofft er sich den Bitcoin als schnelle Lösung dieser Problematik, die dann maßgeblich zur Schaffung von Arbeitsplätzen beitragen könne.

Über Sinn oder Unsinn dieses Planes möchte ich hier aber nicht diskutieren. Dazu fehlt mir einfach die notwendige Sachkenntnis.

Kryptowährungen doch nicht so sicher?

Auslöser für den erneuten Preisrutsch der Kryptowährungen dürfte wohl eher eine Meldung über einen Lösegeld-Fund in Bitcoin gewesen sein. US-Ermittler sollen nach einem Hackerangriff auf den Betreiber einer großen US-Ölpipeline eines Teils des eingeforderten Lösegeldes habhaft geworden sein.

Das ist deshalb bemerkenswert, weil die Kryptowährungen aufgrund des Blockchain-Verschlüsselungs-Algorithmus doch eigentlich als nicht verfolgbar gelten. Da sich die Ermittlungsbehörden jedoch nicht zu ihrem Vorgehen äußerten, bleiben die Vermutungen spekulativ.

Sollten die Ermittler einen Weg gefunden haben, die Technologie zu entschlüsseln, wäre das natürlich ein extremer Tiefschlag für die Kryptowährungen.

Angst steigert sich – wie die Gier – allmählich

Erinnern Sie sich noch? In meinem Beitrag „Schon bald hoffen sie, wo sie bangen sollten“ vom 26. April 2021 schrieb ich Ihnen:

„So wie sich die derzeit herrschende Gier über einen langen Zeitraum hinweg aufgebaut hat, benötigt eben auch die Angst Zeit, um sich entwickeln zu können. Genau das hat Jesse Livermore mit seinem Zitat so treffend beschrieben …: 

‚Es herrschen nur zwei Gefühle an der Börse: Hoffen und Bangen. Das Problem ist nur, dass wir hoffen, wo wir bangen sollten, und dass wir bangen, wo wir hoffen sollten.‘“

Wurden bis zum Top des Bitcoins im April 2021 überwiegend gute Nachrichten zu den Kryptowährungen in den einschlägigen Medien veröffentlicht, so mehren sich seither die negativen Schlagzeilen:

China droht zunächst und verbietet Kryptowährungen dann. Charlie Munger von Berkshire Hathaway, kongenialer Kollege von Warren Buffett, wettert auf der Jahreshauptversammlung gegen deren kriminelle Energie. Die US-Regierung will die steuerlichen Vorschriften für Krypto-Transaktionen verschärfen. Und nun auch noch die Sache mit dem Lösegeld, um nur die bedeutendsten Meldungen zu nennen.

Ach ja: Der Versuch des legendären Investors Icahn, die Kryptowährungen durch seine Ankündigung eines möglichen Milliarden-Investments zu pushen, misslang (ich berichtete Ihnen darüber am 27. Mai 2021 in meinem Beitrag „Glauben Sie nichts, hinterfragen Sie alles!“.

Die Charttechnik sieht nicht gut aus

Genau die sich nun allmählich aufbauende Angst können Sie an der Entwicklung des Bitcoins in USD ablesen:

Bitcoin in USD: Letzter Halt 29.000 USD

Der Kursrutsch kurz nach dem Erreichen eines neuen Allzeithochs bei 64.902 USD leitete den Bruch des Aufwärtstrends seit September 2020 ein. In der Folge bildete der Bitcoin in USD eine Schulter-Kopf-Schulter-Formation aus: Dieses Kursmuster wird am Gipfel einer Aufwärtsbewegung generiert und kündigt einen grundlegenden Trendwechsel an.

Aktiviert wird die Schulter-Kopf-Schulter-Formation, sobald die Nackenlinie – das ist die Verbindung der beiden Tiefs zwischen den 3 Hochs (pinkfarbene Linie) – nach unten durchstoßen wird. Dies war am 17. Mai der Fall.

Seither hat der Bitcoin ein symmetrisches Dreieck ausgebildet (blaue Linien): Dieses Kursmuster gilt als Konsolidierungs-Formation, das sich sowohl in schnellen Abwärts- wie auch Aufwärtsbewegungen zeigt. Der Ausbruch erfolgt nahezu immer in der vorherigen Trendrichtung.

Und genau das ist seit gestern der Fall, wie Sie unschwer in der Hervorhebung durch den gelben Kreis erkennen können. Ernst wird es nun, wenn die Unterstützung bei 29.000 USD fällt: Dann dürfte sich die Abwärtsbewegung noch einmal spürbar beschleunigen.

Die dann möglichen Kursziele habe ich Ihnen mittels der Horizontalen gekennzeichnet.

Fazit

Angst frisst Hirn, sagt der Volksmund. Doch das gilt gleichermaßen für die Gier. Beides ist, vor allem im Übermaß, kontraproduktiv – nicht nur beim Investieren.

Bei den Kryptowährungen hatten die Anleger spätestens seit Anfang Januar 2021 jegliches Augenmaß verloren: Vom Septembertief 2020 hatte der Bitcoin in USD bis zum 8. Januar 2021 sagenhafte +327% zugelegt.

Nach einer kurzen, aber scharfen Korrektur ging es dann bis zum Allzeithoch am 14. April noch einmal um dann +125% in die Höhe. Das ist pure Gier!

Die Quittung erhalten die unverbesserlichen Kryptowährungs-Optimisten seither präsentiert: Am Zwischentief bei 29.186 USD hatte der Bitcoin in USD bereits -55% seines Spitzenwertes eingebüßt.

Nun droht die Fortsetzung der Abwärtsbewegung seit Mitte April 2021. Übrigens genau wie ich Ihnen das noch vor 12 Tagen in meinem Beitrag angekündigt hatte. Darin hatte ich darauf hingewiesen, dass es „seit dem Bestehen des Bitcoins bislang 3 große Korrekturen gab, die im Durchschnitt zu Rückgängen von -80% geführt haben, … und die 14, 12 und 9 Monate andauerten.“

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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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