Auf einen Blick: Der graue Kapitalmarkt

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Was Sie über den grauen Kapitalmarkt wissen sollten... (Foto: sdecoret / Shutterstock.com)

Betrügereien am Kapitalmarkt haben (leider) seit jeher Hochkonjunktur. In Deutschland ist es nur wenige Monate her, dass Anleger bei der Investmentgesellschaft S&K mit geschlossenen Fonds über den Tisch gezogen wurden. Diese Anlage und andere sind zwar per se nicht illegal, weisen jedoch derart hohe Risiken und/oder Kosten auf, dass Sie trotzdem einen hohen Bogen darum machen sollten.

Eine feste Definition des Begriffs „grauer Kapitalmarkt“ existiert nicht. Üblicherweise werden darunter alle Finanzprodukte verstanden, die keiner Kontrolle der staatlichen Finanzaufsicht oder ähnlichen Regulierungen unterliegen. Der „Geldanlage-Berater“ geht darüber hinaus und zählt auch Anbieter dazu, die Finanzprodukte mit unseriösen Methoden vertreiben, sowie Betrüger, von denen Sie niemals die versprochene Gegenleistung erhalten. Gerade weil am grauen Kapitalmarkt solide Geschäfte und unseriöser Betrug so nah beieinanderliegen, ist es für Sie wichtig, genau zu prüfen, welche Art von Geschäft vorliegt.

Neue Regeln seit Juli 2013: Mehr Rechte für Anleger

Im Internet und in Finanz-Zeitschriften wird regelmäßig vor unseriösen Geldanlagen am grauen Kapitalmarkt gewarnt. Der Gesetzgeber hat die Praktiken seit einigen Jahren beobachtet und Mitte 2011 den Anlegerschutz verstärkt. Seit dem 22.07.2013 haben Anleger auch mehr Sicherheit und Transparenz – doch schwarze Schafe wird es am grauen Kapitalmarkt weiterhin geben: Betrüger, die auch die neue Gesetzeslage aushebeln werden. Vorsicht bleibt daher oberstes Gebot.

Die neuen Regeln betreffen in erster Linie geschlossene Fonds. Bis dato war eine Kontrolle des Managements nicht möglich und auch der aktuelle Wert der Beteiligung war so gut wie gar nicht zu ermitteln. Die wichtigsten Änderungen im Detail:

Kontrolle durch eine unabhängige Verwahrstelle

Geschlossene Fonds müssen eine unabhängige Verwahrstelle (Rechtsanwalt, Bank, Wirtschaftsprüfer) hinzuziehen. Die Verwahrstelle kontrolliert Zahlungsvorgänge, damit Gelder nicht zweckentfremdet werden oder Fondseigentum unter Wert verkauft wird.

Begrenzung des Fremdkapitalanteils

Ab sofort darf der Fremdkapitaleinsatz (Kredite) 60% des Wertes des Vermögens nicht übersteigen. Dies soll sicherstellen, dass vorrangige Verpflichtungen aus Bankforderungen reduziert werden.

Jährliche Bewertung des Fondsvermögens

Investoren und Finanzaufsicht müssen jährlich über das Fondsvermögen unterrichtet werden. Damit kann ein Anleger wenigstens einmal im Jahr erkennen, wie sich seine Investition entwickelt.

Mehr Risikostreuung

Häufig investieren Anleger bei geschlossenen Fonds in nur ein Projekt, wie beispielsweise ein Flugzeug, ein Containerschiff oder eine Filmproduktion. Jetzt müssen grundsätzlich

mindestens drei wirtschaftlich gleichwertige Investitionsgüter im Fonds enthalten sein. Da dies dem Konzept von geschlossenen Fonds stark entgegensteht, gibt es Ausnahmen für erfahrene Investoren, die besondere Fachkenntnisse vorweisen können.

2/3-Mehrheit bei Änderungen der Anlagebedingungen

Will das Management von der anfangs angegebenen Strategie abweichen, ist dies nur noch möglich, wenn zwei Drittel der Anleger zustimmen.

Lizenzierungspflicht des Managements

Das Fonds-Management muss nachweisen können, dass es Kenntnisse über das relevante Investitionsgebiet hat. Dies bedeutet, dass bei einem geschlossenen Immobilienfonds der Manager seine Branchenkenntnisse belegen muss.

Mehr Transparenz

Bisher wurden Anleger vielfach unregelmäßig über die Entwicklung der Investition informiert. Sie waren also abhängig vom Informationswillen des Managements. Jetzt wird nach klar vorgegebenen Mustern Bericht erstattet. Durch die neue Regulierung wird der Anteil schwarzer Schafe am grauen Kapitalmarkt deutlich abnehmen. Ein Freibrief, dass jetzt nur noch seriöse Gesellschaften am Markt sind, ist dies allerdings nicht.

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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.

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