Deflation in Europa bleibt unwahrscheinlich

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Michael Frei geht in dieser Analyse der Frage nach, was eine Deflation ist, wie wahrscheinlich sie in Europa ist und welche Folgen sie hätte. (Foto: macgyverhh/Shutterstock)

Einige Ökonomen befürchten eine Deflation in Europa.

Gründe dafür sind der hohe Verschuldungsgrad vieler Staaten und die zunehmenden Sparprogramme.

Die Auswirkungen einer Deflation wären für  Europa fatal. Ob eine Deflation wahrscheinlich ist, wird hier erklärt.

Deflation: Begriffserklärung

Eine Deflation besteht dann, wenn der durchschnittliche Preislevel eines Landes kontinuierlich sinkt.

In Zahlen ausgedrückt, besteht eine Deflation, wenn die Inflationsrate – also die Preissteigerung – unter 0% fällt.

Auswirkungen einer Deflation in Europa

Eine Deflation in Europa hätte starke Auswirkungen auf die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen.

Güter und Dienstleistungen werden im Falle einer Deflation zunehmend günstiger. Das hemmt den Konsum.

Kurz gesagt: Während bei der Inflation der Konsum und damit die Binnennachfrage steigt, sinkt diese bei einer Deflation.

Eine sinkende Binnennachfrage – bedingt durch eine Deflation – hat in der Regel folgende Auswirkungen:

  • Höhere Arbeitslosigkeit
  • Kreditvergabe kommt fast zum Erliegen
  • Geringere Löhne
  • Sinkende Profite

Wie das japanische Beispiel zeigt, sind die Auswirkungen einer Deflation nur sehr schwer zu bekämpfen.

Eine Deflation kann zu einer langfristigen Rezession führen.

Wahrscheinlichkeit einer Deflation in Europa

Die Anzeichen für eine Deflation in Europa häufen sich, die Binnennachfrage in den Euro-Ländern ist schwach und die Arbeitslosigkeit steigt.

Eine Deflation zeichnet sich aber vornehmlich durch sinkende Löhne und Preise aus. Dies ist in der Euro-Zone derzeit nicht gegeben.

Eine negative Veränderung des Preislevels und des Lohnniveaus ist derzeit eher unwahrscheinlich.

Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt eine Teuerungsrate von knapp unter 2 % an.

Die geldpolitischen Maßnahmen der Zentralbanken, die Liquidität in den Markt fließen lassen, zeigen noch nicht die – eigentlich logischen – inflationären Tendenzen.

Die niedrige Inflation in den Euro-Staaten ist derzeit bedingt durch die Banken. Die von den Zentralbanken in den Markt gepumpte Liquidität wird nicht an die Verbraucher weitergegeben.

Gründe dafür könnten die hohen Eigenkapitalvorgaben an die Banken (z.B. Basel III), kombiniert mit erhöhter Vorsicht bei der Kreditvergabe, sein.

Sobald die Banken ihre Kapitalbasis gestärkt haben könnte sich dies jedoch schnell ändern. Die Inflationsrate tendiert in solchen Fällen erfahrungsgemäß dazu zu steigen.

Sollten die Banken jedoch weiter die Liquidität nicht in den Wirtschaftskreislauf fließen lassen so hat die Europäische Zentralbank (EZB) nur mehr wenig Eingriffsmöglichkeiten.

Eine Senkung des Leitzinssatzes auf 0 ist zwar möglich, aber gefährlich. Damit nimmt sich die Zentralbank die Möglichkeit, das Zinsniveau weiter zu senken.

Fazit: Deflation in Europa unwahrscheinlich

Mittelfristig gesehen bleibt eine Deflation in Europa trotz einiger negativer Anzeichen unwahrscheinlich.

Die Liquidität, um eine Deflation zu verhindern, ist bereits vorhanden, sie ist nur noch nicht im Wirtschaftskreislauf angekommen.

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Michael Frei
Von: Michael Frei. Über den Autor

Der Autor beschäftigt sich seit 8 Jahren intensiv mit den Kapitalmärkten. Michael Frei ist studierter Ökonom und im Finanzsektor tätig. Mit seinem Wissen hilft er den Lesern von GeVestor wirtschaftliche Zusammenhänge besser zu verstehen.

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