Fair Value – Definition des fairen Marktpreises

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Der Fair Value ist ein wichtiger Wert aus der internationalen Rechnungslegung. Das steckt hinter dem Begriff. (Foto: cybrain / Shutterstock.com)

Der sogenannte Fair Value ist ein Begriff aus der internationalen Rechnungslegung.

In der deutschen Sprache wird häufig von dem fairen oder üblichen Marktpreis gesprochen, der Fachbegriff lautet jedoch beizulegender Zeitwert.

Der Fair Value ist der Betrag, zu dem ein Vermögenswert am Bewertungsstichtag unter Berücksichtigung der geltenden Vorschriften getauscht wird.

Das bedeutet, dass dieser Vermögenswert nach den festgelegten Bewertungskriterien bestimmt wird. Gültig sind diese Kriterien auch für Verbindlichkeiten.

Für den Fair Value eine Definition mit internationaler Gültigkeit zu schaffen, hat den Vorteil, dass auf diese Weise Jahres- und Konzernabschlüsse erstellt werden können, welche losgelöst von nationalen Vorschriften betrachtet werden können.

Fair-Value-Definition nach IFRS

IFRS steht für International Financial Reporting Standards. Es handelt sich hierbei um internationale Rechnungslegungsvorschriften für Unternehmen.

Mehr zum Thema: Bilanzkennzahlen – IFRS und HGB

Zahlreiche Länder schreiben diese Standards zumindest für kapitalmarktorientierte Unternehmen vor. Der Hintergrund dieser Standards ist, dass viele Unternehmen international oder sogar weltweit agieren.

Würden diese Unternehmen nach nationalen Rechtsvorschriften bilanzieren, wäre eine Vergleichbarkeit sehr schwierig. Zudem würde dies einen großen Aufwand bedeuten.

Durch die internationalen Rechnungslegungsvorschriften wurde ein Standard geschaffen, der diese Vergleichbarkeit erhöht, da die Rahmenbedingungen und Vorschriften identisch sind.

Der Fair Value ist Teil dieser klar definierten Standards. Vermögenswerte und Verbindlichkeit von Unternehmen müssen somit in allen betreffenden Ländern auf gleiche Weise bewertet werden.

Fair Value: Praktische Anwendung

In der praktischen Anwendung bedeutet der Fair Value folgendes: Erstellen Unternehmen ihre Bilanzen, fließt der nach den geltenden Standards ermittelte Wert von Vermögenswerten oder Verbindlichkeiten in diese ein.

Es wird zugrunde gelegt, dass sachverständige, vertragswillige und unabhängige Parteien den Vermögenswert tauschen oder die Verbindlichkeit begleichen wollen.

Der tatsächliche Vollzug dieser Transferierung ist nicht nötig. Vielmehr wird derjenige Betrag ermittelt, der erzielt werden könnte, wenn ein entsprechendes Geschäft getätigt werden würde.

Um diesen Betrag bestimmen zu können, werden den Unternehmen Bewertungskriterien an die Hand gegeben, welche eine klare Hierarchie haben.

Mehr zum Thema: Fair-Value-Hierarchie – Bewertungsverfahren in 3 Stufen

Lässt sich ein Vermögenswert beispielsweise anhand eines Börsenkurses ermitteln, so ist diese Art der Berechnung vorzuziehen.

Erst wenn dies nicht möglich ist, kann eine Bewertung zum Beispiel mithilfe von theoretischen Markt- oder Schätzwerten erfolgen.

Fair Value: Anpassungen bei der Ermittlung

Bei der Ermittlung des beizulegenden Zeitwerts gab und gibt es eine fortschreitende Weiterentwicklung. Dies hängt mit den Schwächen des Systems zusammen, die sich vor allem auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 offenbarten.

Das Kernproblem: In Aufschwungphasen konnten Unternehmen Gewinne ausweisen, obwohl diese noch gar nicht realisiert waren – beispielsweise durch hohe Kurse an den Börsen.

In Phasen des Abschwungs mussten hingegen teilweise sehr hohe Verluste ausgewiesen werden, was in der Finanzkrise einige Banken vor große Probleme stellte, da diese nun schlechter bewertet wurden.

In der Finanzkrise wurden deshalb die Vorschriften gelockert, wodurch bei vielen Banken Abschreibungen in Milliardenhöhe verhindert wurden. Stellenweise kam dies einer Rettung gleich.

Um derlei Schwierigkeiten zu minimieren und dennoch eine größtmögliche Transparenz und Fairness bei der Bewertung zu gewährleisten, werden die Standards also ständig weiterentwickelt und optimiert.

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Von: Sebastian Grünewald. Über den Autor

Sebastian Grünewald ist freier Autor und Redakteur mit mehrjähriger Erfahrung. Er vermittelt einer breiten Leserschaft ökonomische Zusammenhänge und Themenfelder wie private Vorsorge und Geldanlage mit einfachen Worten.

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