Inflationsrate: Statistik ohne Gegenwert

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Sparer und Verbraucher machen sich Sorgen um die Inflationsrate. Die Statistik hinter dieser Zahl widerspricht aber dem Gefühl der Menschen. (Foto: macgyverhh/Shutterstock)

Die Inflationsrate dient der Veranschaulichung der Verteuerung von Gütern. So lautet eine kurze und prägnante Definition. Diese Zahl wird in regelmäßigen Abständen von der Europäischen Zentralbank für die einzelnen Staaten veröffentlicht. Sie beschreibt anhand eines ausgewählten Warenkorbes die Preisentwicklung verschiedener Bereiche und errechnet einen Durchschnitt.

Doch die Frage nach der Sinnhaftigkeit dieses Durchschnitts muss durchaus gestellt werden. Die Information bezieht sich auf den durchschnittlichen Verbrauch eines Bürgers. Doch dieser „Durchschnittsbürger“ existiert nur auf dem Papier. Eine individuelle Betrachtungsweise der eigenen Teuerungsrate kann über Inflationsrechner im Netz angestellt werden.

Eigene Inflationsrate widerspricht Statistik – die gefühlte Inflation

Rentner, Studenten, alleinerziehende Mütter, Familienväter mit großem Einkommen oder Hausfrauen mit einem 400 €-Nebenjob – all diese Menschen können mit der durchschnittlichen, statistisch ermittelten Inflationsrate wenig anfangen. Der Rentner konsumiert schließlich völlig anders als der Studenten oder die alleinerziehenden Mutter – eine tatsächliche oder gefühlte Inflationsrate ist also entscheidend.

Bevölkerungsgruppen konsumieren unterschiedlich

Ein Beispiel soll Aufschluss über die falsche Interpretationsweise der Inflationsstatistik geben. Durch die angespannte Wohnsituation in deutschen Universitätsstädten ist für den Studenten die Mietpreisentwicklung (ebenfalls Bestandteil des Warenkorbes, auf dem die Inflationsberechnung beruht) wesentlich bedeutsamer als etwa die Verteuerung von Benzin oder Urlaubsreisen.

Theoretisch könnte die statistisch ermittelte Inflationsrate für ein komplettes Kalenderjahr den Wert 0 betragen. Wenn genau im gleichen Verhältnis die Preise von Obst, Gemüse, Benzin und Reisen steigen und parallel dazu Mieten, Getränke und Genussmittel oder Dienstleistungen günstiger werden, pendelt sich der Wert bei 0 ein.

Schaut man jedoch dem Studenten in den Geldbeutel, so wird man feststellen, dass er nun weniger Miete zahlt. Da er kein Auto besitzt, sondern die öffentlichen Verkehrsmittel nutzt, interessiert ihn der Anstieg der Benzinpreise nicht. Ebenso wie die Preisentwicklung von Urlaubsreisen, da dafür das Geld ohnehin fehlt. Somit würde der Student trotz einer nicht vorhandenen Preiserhöhung sogar günstiger wegkommen als bisher.

Im Gegensatz zum Rentner, der vielleicht gerne durch Europa fährt, womöglich mit einem Wohnwagen, und in einer eigenen Immobilie wohnt. Für ihn stellt sich das Bild komplett umgekehrt dar. Die Benzinpreise sowie die Kosten für Reisen nehmen zu, von den Preisrückentwicklungen der Mieten kann er keinen Vorteil erzielen.

Die Inflationsrate dient als politische Orientierungsgröße

Der normale Verbraucher kann aus der allgemein veröffentlichten Inflationsrate eher keine Erkenntnisse für seine persönliche Lebenssituation gewinnen. Dadurch, dass dieser Statistikwert lediglich eine Aussage über das große Ganze macht und der Zentralbank als Indikator zur Geldmengensteuerung dient, kann eine individuelle Betrachtung kaum gelingen.

Um zu aussagekräftigen Ergebnissen zu kommen, sollte der Verbraucher am besten selbst über den vom Statistischen Bundesamt angebotenen Inflationsrechner seinen persönlichen Warenkorb, also das, was er regelmäßig konsumiert, definieren.

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Von: Christian Klein. Über den Autor

Christian Klein hat durch eine Ausbildung in der Finanzbranche und ein anschließendes Studium mit Schwerpunkt BWL weitreichende Erfahrungen im Wertpapierhandel sammeln können. Aus persönlichem Interesse setzt er sich weiterhin mit Finanzpolitischen Themen sowie detaillierten Analysen auseinander. Als privater Anleger mit mehr als zehn Jahren Erfahrung befasst er sich mit technischer Analyse und deren Zusammenhang im täglichen Marktgeschehen.

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