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Konjunktur in Frankreich: Der lange Abstieg

Inhaltsverzeichnis

Für Investoren und Anleger ist es wichtig zu wissen, welche wirtschaftlichen Entwicklungen Länder durchmachen, die Einfluss an der Börse haben. Bei der Betrachtung Frankreichs muss man zu dem Schluss kommen, dass die Konjunktur in einer langanhaltenden Abschwungphase gefangen ist.

Konjunkturelle Schwankungen als allgemeines Phänomen

Die Konjunktur von Volkswirtschaften durchläuft im Zuge der Zeit immer wieder verschiedene Phasen. Dies wird unter dem Begriff der „zyklischen Konjunktur“ beziehungsweise dem Konjunkturzyklus verstanden. Dabei gehen die verschiedenen Einzelphasen fließend ineinander über. Ist der Kreislauf durchschritten, beginnt der neue Zyklus sogleich wieder von vorne.

Diese grundlegende Erkenntnis der Wirtschaftswissenschaft ist nichts neues und ihre Gültigkeit reicht fast so lange zurück, wie die Menschheit den Handel erfunden hat. Denn: Immer schon war es so, dass nach einem Aufstieg ein Höhepunkt in der Wirtschaft eines Landes erreicht wurde, der die Wende einleitete.

Darauf folgte ein Abstieg und letztlich eine konjunkturell schwache Phase, die jedoch irgendwann wieder in einen Aufschwung überging. Je nach der Dauer, die für die Betrachtung eines vollständigen Zyklus angenommen wird, haben sich unterschiedliche Modelle in der Konjunkturtheorie etabliert.

Der Kürzeste ist der so genannte Kitchin-Zyklus. Er umfasst einen Zeitraum von nur 3-4 Jahren. Danach folgt der Juglar-Zyklus mit einer Dauer von 7-11 Jahren. Den längsten Zeitraum für eine konjunkturelle Betrachtung nimmt der Kondratieff-Zyklus an: er umfasst 50-60 Jahre.

Abnehmende Konjunktur: Frankreich kämpft um den Aufstieg

Frankreich ist ein alter und wichtiger Handelspartner Deutschlands und wird gerne, besonders im Hinblick auf die EU, als Stützpfeiler der kerneuropäischen Kooperation gesehen. Doch Frankreich ist auch ein gutes Beispiel für den Abstieg einer Volkswirtschaft. Gerade in einer langzeitlichen Analyse ergibt sich, dass die französische Konjunktur in einer eindeutigen Abschwungphase gefangen ist.

Traditionell war der staatliche Einfluss des Landes auf die Wirtschaft sehr ausgeprägt. Es existiert in Frankreich sogar eine eigenständige Unternehmensform, die privates und staatliches Kapital verbindet. Doch die gelenkte Volkswirtschaft wurde in den letzten Jahrzehnten zunehmend privatisiert und dereguliert – mit zweifelhaftem Erfolg.

Die typischen Zeichen einer schwachen Konjunktur sind deutlich bemerkbar. So exportierte das Land im Jahre 2009 Waren im Wert von rund 460 Mrd. Euro und importierte dafür ungefähr 530 Mrd. Euro. Es liegt also ein Außenhandelsdefizit vor.

Konjunktur in Frankreich weist typische Anzeichen auf

Dieses Defizit stieg im Jahre 2011 auf 85 Mrd. Euro an. Gleichzeitig befindet sich die Arbeitslosenquote auf einem Höchststand von über 10%. Insgesamt 2,9 Millionen Menschen waren im 4. Quartal 2012 erwerbslos, soviel wie zuletzt Mitte 1999.

Auch das verarbeitende Gewerbe schrumpft zusehends. Immer mehr Fabriken und andere Industriestandorte werden geschlossen. 2011 betrug der Anteil der französischen Bruttowertschöpfung in Europa nur noch 10,1%.

Zum Vergleich: Deutschland kam auf 22,6%. Zwischen 2001 und 2011 sank der Anteil im europäischen Vergleich um 2,5 Prozentpunkte, in Frankreich um 4,6 Prozentpunkte. Gemäß der Konjunkturtheorie müsste jedoch auch diese Abschwungphase irgendwann überwunden werden und Anleger sollten diesbezüglich wachsam sein.