Notenbanken: Leitzinsen als Konjunkturspritze

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Notenbanken bestimmen durch Leitzinsen, zu welchem Preis sich Geschäftsbanken Geld leihen können. Damit beeinflussen sie auch die Konjunktur. (Foto: Siriwat Sriphojaroen / Shutterstock.com)

Die Notenbanken legen mit ihren Leitzinsen fest, zu welchem Preis sich Banken bei ihnen Geld leihen können.

Die Europäische Zentralbank (EZB) bestimmt drei verschiedene Zinssätze.

Notenbanken bestimmen unterschiedliche Leitzinsen

Der wichtigste ist der Zinssatz für das Hauptrefinanzierungsgeschäft, allgemein auch als „der Leitzins“ bezeichnet. Dies ist der Mindestzinssatz für ein Auktionsverfahren, das einmal pro Woche stattfindet.

Mehr zum Thema: Zinspolitik der Notenbanken

Geschäftsbanken können dabei für eine gewisse Menge an Zentralbankgeld bieten, das die EZB ihnen für eine Woche leiht.

Steigt der Hauptrefinanzierungssatz, schlagen Geschäftsbanken das auf die eigenen Zinssätze auf – vor allem für Spareinlagen, kurzfristige und teilweise auch langfristige Immobilienkredite.

Der Leitzins der Notenbanken hat also einen wesentlichen Einfluss darauf, wie verfügbar Kredite sind und somit auf die in der Wirtschaft verfügbare Geldmenge.

Niedrige Zinsen können so die Konjunktur ankurbeln. Sie führen aber tendenziell auch zu steigenden Preisen.

Während der Wirtschaftskrise sank der Leitzins

Der höchste Hauptrefinanzierungssatz lag bei 4,75 Prozent um die Jahreswende 2000/ 2001.

Im Zuge der Wirtschaftskrise hat die EZB ihn jedoch sukzessive abgesenkt, um mehr Liquidität zu schaffen und so die Konjunktur anzukurbeln. Mitte 2012 fiel er  auf lediglich 0,75 Prozent.

Der Hauptrefinanzierungssatz hat auch eine Auswirkung auf den sogenannten Basiszinssatz. Letzteren verwendet man unter anderem für die Berechnung von Verzugszinsen im Zivilrecht.

Er verändert sich halbjährlich um den gleichen Prozentsatz wie der Hauptrefinanzierungssatz.

Spitzenrefinanzierungssatz für Geld über Nacht

Außerdem legt die Notenbank EZB einen weiteren Leitzins, den Spitzenrefinanzierungssatz, fest.

Zu diesem Zinssatz können sich Geschäftsbanken gegen Wertpapiere mit einer gewissen Bonität kurzfristig und über Nacht Geld bei der EZB leihen.

Durch die Kredite können Banken Liquiditätsengpässe vermeiden und die Regeln zur sogenannten Mindestreserve einhalten.

Diese von der EZB festgelegte Regel bestimmt, welchen Anteil der kurz- und mittelfristigen Einlagen ihrer Sparer die Kreditinstitute als Guthaben bei den nationalen Zentralbanken halten müssen.

Der Spitzenrefinanzierungssatz bildet zudem den maximalen Zinssatz, den Geldinstitute für Kredite auf dem Interbankenmarkt ausgeben. Er liegt meist etwa einen Prozentpunkt über dem Hauptrefinanzierungssatz.

Leitzinsen der Notenbanken: Einlagefazilität als Mindestzinssatz

Der dritte Zinssatz, den die Notenbank EZB bestimmt, ist die sogenannte Einlagefazilität. Zu diesem Prozentsatz können Geldinstitute überschüssige Gelder bei der Zentralbank anlegen.

Das können sie auch bei anderen Geschäftsbanken tun.

Die Einlagefazilität wirkt so als Mindestzinssatz auf dem Interbankenmarkt. Schließlich wird kein Geldinstitut sein Geld zu einem niedrigeren als dem von der EZB garantierten Preis verleihen.

Im Juli 2012 lag der Spitzenrefinanzierungssatz bei 1,5 Prozent und die Einlagefazilität bei 0 Prozent.

Der Leitzins der Notenbank in Großbritannien heißt Bank of England Base Rate, während die amerikanische Zentralbank die Federal Funds Rate festlegt.

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Lisa Louis
Von: Lisa Louis. Über den Autor

Lisa Louis ist freie Journalistin in Paris. Sie hat internationale Volkswirtschaftslehre in Deutschland und Frankreich studiert. Mit ihrem Wissen hilft Sie Lesern bei grundsätzlichen Fragen der Geldanlage und der Privaten Vorsorge.

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