Frank Appel: Der Chef-Postbote

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2008 sollte zu einem wichtigen Wendepunkt in der Geschichte der Deutschen Post AG werden. Nachdem der bisherige Vorstandsvorsitzende Klaus Zumwinkel […] (Foto: Joerg Huettenhoelscher / shutterstock.com)

2008 sollte zu einem wichtigen Wendepunkt in der Geschichte der Deutschen Post AG werden. Nachdem der bisherige Vorstandsvorsitzende Klaus Zumwinkel im Steuersumpf versackt war, wurde im April Frank Appel zu seinem Nachfolger ernannt.

„Der Aufsichtsrat ist davon überzeugt, dass Herr Appel der Garant dafür ist, das Unternehmen strategisch zu stärken und die anstehenden Herausforderungen konsequent anzupacken“, gab Aufsichtsratschef Jürgen Weber damals bekannt. Appel selbst sagte, er würde die Probleme innerhalb des Konzerns mit „Nachdruck einer Lösung zuführen“. Im Rückblick sollten beide Recht behalten – Appel hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren stark gewandelt.

Frank Appel: Keine Gnade mit der Postbank

Dabei kannte er beispielsweise – anders als sein Vorgänger – keine Gnade mit der Bankensparte. Hatte Zumwinkel die Postbank noch als „Goldmine“ in den Himmel gelobt, macht Appel dem Verlustgeschäft schnell ein Ende. Die Post sei schließlich ein Logistik-Unternehmen und keine Bank. So wurde die Bank in den vergangenen Jahren schrittweise verkauft, seit 2010 ist sie mehrheitlich im Besitz der Deutschen Bank.

Die Aktionäre der Deutschen Post feierten Appel in der Folge als gewieften Strategen, da die Deutsche Bank für ihre Anteile einen Aufschlag von 35% auf den eigentlichen Börsenwert gezahlt hatte.

US-Geschäft wird aufpoliert

Doch nicht nur an dieser Stelle musste Frank Appel die Überreste des gescheiterten Zumwinkels aufräumen. Auch das marode US-Geschäft musste Appel wieder auf Vordermann bringen. Zumwinkels Vision vom globalen Logistikunternehmen hatte zwischen 1998 und 2002 zur Übernahme des US-Lieferanten DHL Express geführt, der sich jedoch gegen die übermächtige Konkurrenz aus FedEx und UPS nie wirklich durchsetzen konnte. Schlimmer noch: Das US-Geschäft bescherte der Deutschen Post einen jährlichen Verlust von 1,3 Mrd. US-$.

Mitten in dieser Übernahmephase, im Jahr 2000, wechselte Frank Appel von der Beratungsfirma McKinsey zur Deutschen Post, wo er als Zentralbereichsleiter Konzernentwicklung einstieg. In dieser Funktion war er maßgeblich am Börsengang der Deutschen Post AG beteiligt war. Nur zwei Jahre später wurde er in den Vorstand berufen, wo er unter anderem die IT-Sparte reduzierte und auf wenige Standorte konzentrierte. Seit 2008 ist er der Vorstandsvorsitzende der Deutsche Post AG.

Frank Appel: Trotz Erfolg im Schatten von Zumwinkel

Der Erfolg gab Appel schnell Recht. So konnte beispielsweise bei den von ihm betreuten Großkunden, die im Bereich Global Customer Solutions gebündelt werden, ein Umsatzplus von 62% festgestellt werden. Die Belohnung hierfür kam schließlich im April 2008, als er zum neuen Vorstandsvorsitzenden gewählt wurde.

Sein Los wird es wohl dennoch bleiben, dass er immer im Schatten seines Vorgängers stehen wird. Gilt Zumwinkel trotz einiger Fehltritte heute weiter als Gründer des weltweiten Postimperiums, wird Appel deutlich kritischer betrachtet. Viele werfen ihm Mutlosigkeit vor, doch die Zahlen geben ihm Recht: 2020 hat die Post einen Umsatz von 66,81 Mrd. € erzielt – sicherlich auch ein Verdienst der von Appel eingeleiteten Umbaumaßnahmen.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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