Reinhard Ploss: Infineons Chef-Techniker

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Sieht man Reinhard Ploss, den Vorstandsvorsitzenden von Infineon, auf einem Pressemeeting, wirkt der Mann zunächst etwas unscheinbar. Kein Wunder also, […] (Foto: obs / Infineon Technologies AG)

Sieht man Reinhard Ploss, den Vorstandsvorsitzenden von Infineon, auf einem Pressemeeting, wirkt der Mann zunächst etwas unscheinbar. Kein Wunder also, dass der Chef-Techniker des Neubiberger Konzerns von vielen unterschätzt wird.

Hierbei spielt wohl auch eine Rolle, dass er relativ ungeplant an seinen Job kam. Sein Vorgänger Peter Bauer hatte 2011 beim Aufsichtsrat aus Gesundheitsgründen um seinen vorzeitigen Abschied gebeten, vier Jahre vor Ablauf seines Vertrages. Die geplante Nachfolgeregelung mit dem Vorstandsmitglied Arunjai Mittal konnte so nicht umgesetzt werden, war das Multitalent doch erst seit einem halben Jahr bei Infineon angestellt.

Mit Infineon ins neue Jahrtausend

Nicht so Reinhard Ploss, der sich nach einem Studium der Verfahrenstechnik in München Mitte der 1980er Jahre bei Siemens bewirbt und dort schnell aufsteigt. Zu Beginn des neuen Jahrtausends folgt der Wechsel zu Infineon, wo Ploss zunächst die Sparte „Automotive & Industrial Business Group“ übernimmt. Sein nächster Traum, der Wechsel in den Vorstand, sollte zu diesem Zeitpunkt noch 7 Jahre auf sich warten lassen.

Als Ploss schlussendlich in den Vorstand berufen wird, landet er mitten im Chaos. Schon 2008 verlässt Vorstandschef Wolfgang Ziebart seinen Posten, zu schnell bewegt sich Infineon auf den Abgrund zu. Zwischenzeitlich fällt der Aktienkurs auf weniger als 1 €, eine Insolvenz steht ebenfalls im Raum.

Nur mit Unterstützung des Finanzinvestors Apollo kann die Pleite im letzten Moment abgewendet werden. Wenig später kracht es im Vorstand erneut. Diesmal muss Finanzvorstand Marco Schröter seinen Posten verlassen, Ploss stellt sich auf die Seite des amtierenden Vorstandschefs Bauer und bleibt.

Reinhard Ploss: Der Vorteil der langen Konzernhistorie

2011 ist er so das Vorstandsmitglied mit der längsten Konzernhistorie und setzt sich daher beim Aufsichtsrat im Rennen um den Chefposten durch. Seine Stärken sind dabei klar umrissen: Wie kein Zweiter kennt sich Ploss mit der Technik und der Organisation des Konzerns aus. Im Gegenzug wirkt er oftmals verunsichert, bereits in der Vergangenheit fiel es ihm schwer, notwendige Entscheidungen auf Kosten seiner Mitarbeiter durchzusetzen.

Charaktereigenschaften, die Ploss sicherlich ablegen muss, soll das Konzernziel von Infineon erreicht werden. In Zukunft soll der Halbleiterhersteller zum Systemanbieter umgewandelt werden, also immer mehr Funktionen in den Produkten vereinen.

Ein enger Kontakt zu potenziellen Kunden ist Ploss wichtig. Dazu gehören vor allem die Spitzen der deutschen Autoindustrie, die Ploss als schlagfertigen Analytiker schätzen. Arbeitnehmer loben hingegen seine harten Verhandlungen und seine Verlässlichkeit.

Versprechen, die Ploss gibt, hält er ein, jederzeit. So auch das Versprechen, Infineon in den kommenden Jahren zu neuem Glanz zu führen – und das auch gegen Widerstände aus den eigenen Reihen. Bei Amtsantritt bekam er keinen der üblichen 5-Jahres-Verträge, sein alter Vorstandsvertrag wurde nur umformuliert. So ist Ploss nun noch bis Ende 2022 bestellt, um den Worten Taten folgen zu lassen. Insider sind sich sicher, dass er dies hinbekommt.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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