Chancenscout statt Krisenmanager: So lohnt Risikomanagement

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Wenn eine Krise so teuer ist, wie kann man sie dann vermeiden? Das beste Krisenmanagement ist die Prävention und hierfür bietet das Risikomanagement sehr gute Tools und Vorgehensweisen, vor allem auch für weltweit tätige Firmen. (Foto: Siriwat Sriphojaroen / Shutterstock.com)

Vom Krisenmanager zum Chancenscout – warum sich Risikomanagement bei internationalen Projekten wirklich lohnt

Krisenmanagement ist kann sehr anstrengend, nervenaufreibend, ressourcenverschlingend und damit teuer werden. Vor allem in internationalen Projekten sind Krisen ein gefährlicher Luxus, den sich Firmen nicht mehr leisten sollten. Krisen fallen meiner Erfahrung nach nicht plötzlich vom Himmel ohne Vorankündigung. Sie haben eine eigene Dramaturgie und bahnen sich an.

Wenn eine Krise so teuer ist, wie kann man sie dann vermeiden? Das beste Krisenmanagement ist die Prävention und hierfür bietet das Risikomanagement sehr gute Tools und Vorgehensweisen, vor allem auch für weltweit tätige Firmen.

Was ist eine Krise?

Eine Krise ist eine „schwierige Situation, die den Höhe- und Wendepunkt einer gefährlichen Entwicklung darstellt“ 1). Kennzeichen von Krisen sind: Sie sind schwer zu beherrschen, sie beeinträchtigen die reguläre Geschäftstätigkeit, sie verursachen Gefühle der Bedrohung, Unsicherheit und Zeitdruck. Darüber hinaus können Krisen eskalieren und häufig entwickeln sie sich aus einer Kumulation mehrerer (kleinerer) Krisen. Vorhandenes Wissen und Ressourcen reichen meist nicht aus, um die Krise zu bewältigen1). Eine Krise ist vergleichbar mit der Bedrohung durch einen heraufziehenden, aber noch fernen Orkan. Als Katastrophe hingegen definiert man die bereits eingetretenen Schäden, z. B. die Verwüstung eines Küstenabschnittes durch einen Orkan.

Was ist Krisenmanagement?

Krisenmanagement ist eine Reaktion auf sich gefährlich entwickelnde Situationen, die sich real anbahnen und drohen weiter zu eskalieren. Daher muss man umgehend handeln und alle erforderlichen Ressourcen aktivieren, um die drohende Katastrophe abzuwenden. Kurzfristig zusätzliche Ressourcen bereitzustellen, um eine Krise zu meistern, ist häufig eine erhebliche Belastung für Budget und Projektbeteiligte, doch die tatsächlichen, auch langfristigen Folgen und Kosten sind oft nicht unmittelbar abzusehen.

Wie viele Beispiele aus der Praxis zeigen, sind es häufig Kleinigkeiten, die eine Krise auslösen: Schrauben wurden vergessen und vor Ort muss dann kurzfristig und deshalb teuer Ersatz beschafft werden. Die Montage verzögert sich, der geplante Ablauf ist beeinträchtigt. Oder auf Grund einer Produkthaftung müssen schnellstmöglich Steuerungselemente in Fritteusen auf mehr als 50 Schiffen ausgetauscht werden, die rund um die Welt verteilt auf See sind.

Was ist Risikomanagement?

Risikomanagement setzt sich mit der Zukunft auseinander und ist somit proaktiv. Im Risikomanagement werden potenzielle Gefahren im Projektverlauf betrachtet – und zwar noch bevor sie eintreten. Das erhöht erheblich die Einflussmöglichkeiten mit den drohenden zukünftigen Situationen umzugehen und sie gemäß den eigenen Interessen zu gestalten.

Risikomanagement gliedert sich in folgende Schritte: Potenzielle Gefahren werden zunächst identifiziert und anschließend analysiert, kategorisiert und priorisiert. Diese priorisierten Gefahren werden dann in einer Maßnahmenplanung weiter bearbeitet, in den Projektablauf eingesteuert und überwacht. In allen Phasen ist die Kommunikation der Risiken mit allen Projektbeteiligten ein zentraler Erfolgsfaktor.

Warum lohnt sich Risikomanagement gerade bei internationalen Projekten?

Das Vorgehen im Krisenmanagement oder Risikomanagement gliedert sich in vergleichbare Phasen: Identifikation, Analyse, Maßnahmenplanung und Überwachung. Der erhebliche und teure Unterschied ist, dass man beim Krisenmanagement auf bereits eingetroffene, reale Unannehmlichkeiten reagiert und man den Entwicklungen damit mindestens einen Schritt hinterherhinkt.

Wie die Beispiele oben zeigen, sind bei internationalen Projekten solche Reaktionen auf Krisen und Probleme allein auf Grund der Entfernung häufig wesentlich teurer und der Zeitverlust durch Transportzeiten im Güterverkehr erheblich größer als bei nationalen Projekten.

Der Vorteil des Risikomanagements gegenüber dem Krisenmanagement liegt in der Prävention und dem höheren Gestaltungsspielraum des proaktiven Handelns. Damit ist man möglichen Problemen mindestens einen Schritt voraus und kann den für die eigenen Interessen besten Umgang mit potenziellen Risiken wählen:

  • Vermeiden: indem man sie ausschliesst;
  • Vermindern: indem man die Eintrittswahrscheinlichkeit oder die Auswirkungen reduziert;
  • Übertragen: an Dritte, z. B. an Kunden, Versicherungen oder Lieferanten;
  • Akzeptieren: dass es eine potenzielle Gefahr gibt. Diese Entscheidung trifft man allerdings im Vorfeld und wohl wissend.

Wie wird man Chancenscout?

Einer der größten Vorteile des Risikomanagements ist, dass man auch potenzielle Chancen betrachtet. Hierfür erweitert man in der Identifikationsphase das Suchmuster auf mögliche positive Entwicklungen und wählt auch hier den bestmöglichen Umgang mit den potentiellen Chancen:

  • Nutzen: und sich darüber freuen;
  • Teilen: z. B. mit Kunden oder Lieferanten, um sich eine bessere Verhandlungsposition zu sichern;
  • Verbessern: indem man die Eintrittswahrscheinlichkeit oder die positiven Auswirkung erhöht;
  • Ausschöpfen: indem man die Ursache so beeinflusst, dass die gute Gelegenheit auf jeden Fall eintritt.

Die Kür besteht darin, auch identifizierte potenzielle Gefahren in Chancen umzuwandeln. Wenn man über Probleme rechtzeitig Bescheid weiß, gelingt es einem mit Kreativität und Mut zu unkonventionellem Vorgehen oft, diese potenziellen Gefahren in einen Wettbewerbsvorteil umzuwandeln. Wo andere noch Probleme haben, arbeitet man schon an einer Lösung. Die Vorteile können z. B. in einer Prozessoptimierung, einer höheren Kompetenz gegenüber Kunden, in neuen Fertigungsverfahren, besseren Transportrouten oder Kooperationen mit Firmen im Zielland liegen. Dem Einfallsreichtum und findigem Vorgehen sind hier keine Grenzen gesetzt.

Werden Sie also zum Chancenscout, indem Sie das Risikomanagement gerade bei internationalen Projekten clever für sich nutzen – das nötige Wissen dazu können Sie in den Coaching-Kursen von mir erfahren, die ich bei Lecturio gebe.

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Simone Hoferer
Von: Simone Hoferer. Über den Autor

Simone Hoferer ist selbstständiger Business Coach, Beraterin und Trainerin. Eine ihrer Kernkompetenzen ist internationales Projektmanagement. Frau Hoferers Wissen und Erfahrungen basieren auf ihrer mehrjährigen Tätigkeit in den USA und im Iran. Die gelernte Schreinermeisterin und Innenraum- und Möbelgestalterin hat als Teamleiterin in mehr als 30 Ländern weltweit erfolgreich hochwertige Innenausbauprojekte realisiert.

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