Börse New York: Über meinen Besuch der Wall Street

Rolf Morrien war kürzlich auf US-Reise. Zunächst auf der legendären Hauptversammlung von Berkshire Hathaway, ging es danach weiter an die New Yorker Börse.

Einen Bericht über die diesjährige Berkshire-Hauptversammlung konnten Sie am Montag dieser Woche hier im „Schlussgong“ lesen. Ein weiterer Höhepunkt meiner USA-Reise war der Besuch der New Yorker Börse (NYSE) in der berühmten Wall Street.

Wenn Sie jetzt allerdings denken, dass es dort noch so lebhaft zugeht, wie Sie es vielleicht von alten Fotos oder aus Filmen wie „Wall Street“ mit Michael Douglas kennen, muss ich Sie enttäuschen.

Wo sich früher hektische Händler in bunten Anzügen tummelten und die Geräuschkulisse nur von Profis zu ertragen war, herrscht heute fast gähnende Leere.

Parketthandel so gut wie ausgestorben

Dort, wo früher der Parketthandel stattfand, ist heute nicht mehr viel los. Das gilt aber nicht nur für die New Yorker Börse, sondern für so gut wie alle Börsenplätze weltweit. So zum Beispiel auch für den wichtigsten deutschen Börsenplatz Frankfurt am Main. Auch dort finden Sie so gut wie keine Händler mehr.

new-york-stock-exchange

Denn: Die Parketthändler wurden in den vergangenen Jahren mehr und mehr von Computern ersetzt und daher ist der klassische Börsenhandel heute so gut wie ausgestorben. Aus diesem Grund schließt jetzt auch die Börse in Chicago ihren legendären Parketthandel.

Früher tummelten sich an der Chicagoer Börse gut 800 Händler und wenige Händlerinnen. Sie schoben sich vor Börsenständen hin und her, sie schrien und gestikulierten wild durcheinander. In dem ohrenbetäubenden Lärm entstanden die Preise für Weizen, Mais, Reis und Soja in der ganzen Welt.

Die Börse in Chicago ist eine der weltweit wichtigsten Rohstoffbörsen. Dies wird sie wohl auch weiterhin bleiben – nur ohne Parketthandel. Denn: Auch dort haben die Computer inzwischen die Menschen beinahe komplett abgelöst.

In nicht einmal zwei Monaten werden Besucher dort vor verschlossenen Türen stehen. Die Chicago Mercantile Exchange (CME), die Betreiberin der Börse, hat beschlossen, dass der sogenannte „Gain Room“, der Raum in dem der Parketthandel in Chicago hauptsächlich stattfindet, zum 2. Juli 2015 geschlossen wird.

Ebenso soll der kleinere „Financial Room“, der Raum, in dem aktuell noch Futures auf Anleihen gehandelt werden, geschlossen werden. „Da der Parketthandel auf nur noch 1% des gesamten Handelsvolumens mit Terminkontrakten gefallen ist, wird die CME ihre Stände in Chicago und New York schließen“, hieß es in der Erklärung dazu.

An der Wall Street ist es heute so, dass sich im Prinzip nur noch aus „Vorführzwecken“ Händler auf dem Parkett befinden. Davon konnte ich mich zum einen live überzeugen und zum anderen sprach ich darüber mit einem der noch wenigen dort anzutreffenden Händler.

Gebraucht werden die menschlichen Händler bei der Start- und Schlussauktion, wenn Fingerspitzengefühl gefragt ist. Außerdem sind die Händler eine Art „Absicherung“, falls irgendwann die Computersysteme ausfallen sollten.

Fazit: Computer haben die Macht übernommen

Schlussendlich ist es so, dass die Computer an der Börse ein Stück weit die Kontrolle übernommen haben und wir uns daher daran gewöhnen müssen, dass es Szenen wie im legendären Film „Wall Street“ nicht mehr geben wird. Der klassische Parketthandel ist dabei, endgültig auszusterben.

new-york-stock-exchange-us-flagge

Doch diese Entwicklung bedeutet nicht nur, dass wir einen Teil der Handelsgeschichte verlieren oder schon verloren haben. Denn: Der Siegeszug der Computer beschert uns auch Vorteile.

So werden heute zum Beispiel Börsenorder schneller und günstiger ausgeführt. Als Privatanleger können Sie daher den Vormarsch der Computer mit einem weinenden und einem lachenden Auge betrachten.

Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter von Rolf Morrien. Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz
Über GevestorAktuellesTermineKundenstimmenHäufige FragenKarriereKontakt