Börsentrend: Aktienrückkäufe als Kurstreiber

Rolf Morrien schreibt für das renommierte Diplomatische Magazin über die aktuellsten Börsentrends. In dieser Ausgabe behandelt er dabei das Thema Aktienrückkäufe.

Obwohl das Wirtschaftswachstum in den vergangenen Jahren recht bescheiden ausgefallen ist, entwickelten sich die Aktienmärkte 2012 und 2013 prächtig. Ein einfacher Grund: Die Erwartungshaltung entscheidet über die Kursentwicklung am Aktienmarkt.

So wurde vor 3 Jahren, als die Schuldenkrise in Europa eskalierte, von den Investoren ein hoher Risikoabschlag eingepreist. In normalen Zeiten wird der wichtigste deutsche Aktienindex, der DAX, mit dem 14-fachen Jahresgewinn bewertet. Im Jahr 2010 lag dieser Wert unter 10. Die Investoren gingen davon aus, dass die Gewinne der Unternehmen massiv einbrechen. Jetzt, da erste Stabilisierungstendenzen sichtbar werden, kehren die Investoren an den Aktienmarkt zurück und sind bereit, Preise zu zahlen, die im historischen Durchschnitt liegen. Der Kursaufschwung ist kein Zeichen dafür, dass die Unternehmen serienweise Rekordgewinne ausweisen, sondern es wurde die vorher aufgebaute Unterbewertung abgebaut.

Speziell in den USA gibt es einen weiteren Kurstreiber: Aktienrückkäufe. Wenn der Gewinn je Aktie steigen soll, haben die Unternehmen zwei Möglichkeiten. Sie können den Gewinn steigern, oder – und das passiert seit einigen Jahren im großen Stil – eigene Aktien zurückkaufen und vernichten. Sinkt die Anzahl der Aktien, reicht schon eine Gewinnstagnation, um den Gewinn je Aktie zu steigern.
Ein Musterbeispiel für diese Strategie ist der amerikanische IT-Gigant IBM. Die ursprüngliche Basis des Unternehmens, der Verkauf von Computerhardware, wurde in den vergangenen Jahren schrittweise abgebaut. Hoffnungsträger sind die Sparten Software und Service. Da in der Umbauphase kein Wachstum in Sicht ist, greifen die IBM-Manager in die Trickkiste und kaufen eifrig Aktien zurück. Während es vor 10 Jahren knapp 1,8 Mrd. IBM-Aktien gab, sind es aktuell nur noch rund 1,1 Milliarden. Das heißt: Der Gewinn muss auf immer weniger Aktien verteilt werden. So kann der Gewinn je Aktie auch in der Umbauphase gehalten oder sogar gesteigert werden.

Während bei IBM ein Plan sichtbar ist und Aktienrückkäufe angemessen sind, da das Unternehmen über hohe Barreserven verfügt, gibt es auch negative Fälle. Diese Unternehmen beugen sich dem Druck des Kapitalmarktes und wollen mit allen Mitteln den Gewinn je Aktie steigern. Wenn das operativ nicht funktioniert, werden Aktienrückkäufe getätigt. Aber nicht alle Unternehmen besitzen üppige Finanzpolster. Wenn ein Unternehmen knapp bei Kasse ist und dennoch Aktienrückkäufe tätigt, fehlt dieses Geld für Investitionen. Einige Manager setzen zu stark auf Kurspflege und vernachlässigen das nachhaltige Wachstum.

Das bedeutet aber nicht, dass Aktienrückkäufe pauschal negativ zu werten sind. Wenn ein Unternehmen genug Kapital besitzt, um gleichzeitig eigene Aktien zu kaufen und das weitere Wachstum zu finanzieren, sind Aktienrückkäufe sinnvoll. Die Aktionäre profitieren gleich mehrfach davon:

    1. Aktienrückkäufe sorgen dafür, dass der zukünftige Unternehmensgewinn auf weniger Aktien verteilt werden muss.
    2. Die Dividendensumme muss auf weniger Aktien verteilt werden. Dadurch steigt die Dividenden-Rendite.

Aktienrückkäufe sorgen an der Börse für eine steigende Nachfrage nach der entsprechenden Aktie. Bleibt das Angebot gleichzeitig konstant, steigt der Aktienkurs.

  1. Verkaufswillige Aktionäre können ihre Aktien direkt an das Unternehmen verkaufen und belasten dadurch nicht den Kurs an der Börse.

FAZIT

Aktienrückkäufe sind aktuell sehr beliebt. Auch die Aktionäre können davon profitieren. Bei der Aktienauswahl sollten Anleger aber prüfen, ob das Unternehmen den Spagat zwischen Aktienrückkauf und Wachstumsinvestitionen schafft.
Diplomatisches Magazin, Januar 2014

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