DAX erreicht mit 10.000 Punkten einen neuen Meilenstein

Am 5. Juni 2014 hat der deutsche Aktien-Leitindex DAX zum ersten Mal die runde 10.000-Punkte- Marke erreicht. Der Weg dorthin war steinig, wie GeVestor-Experte Rolf Morrien im Diplomatischen Magazin beschreibt.

Denken Sie an die vielen Crash-Phasen. Doch die langfristig denkenden Aktien-Anleger, die trotz des Gegenwindes ihrer Linie treu geblieben sind und einen Teil ihres Geldes in Aktien investiert haben, wurden belohnt. Die Gewinnmitnahmen, die den DAX im Sommer 2014 immer wieder unter die 10.000-Punkte-Marke drücken, bedeuten nicht, dass der Aktienmarkt zu teuer ist.

Die 30 DAX-Unternehmen werden aktuell durchschnittlich mit dem vierzehnfachen Jahresgewinn bewertet (KGV 14). Dieses Bewertungsniveau ist angemessen. Wenn Aktien-Anleger ihre Rendite-Chancen verbessern möchten, können sie bei leicht überhitzten Werten die hohen Gewinne mitnehmen und bei Nachzüglern neu einsteigen.

Ich möchte in diesem Börsenkommentar auch Denkanstöße geben. Die Leser, die nichts oder wenig von Aktien halten, werden das später folgende langfristige Kursziel wahrscheinlich als kleine Provokation empfinden. Seit der Index-Gründung im Jahr 1988 hat der DAX im Jahresdurchschnitt über 8 Prozent Gewinn abgeworfen, durch Kurssteigerungen und Dividenden. Aber wohin geht die Reise in den nächsten Jahren? Eine verblüffend einfache Antwort ist von der Börsenlegende Andre Kostolany überliefert. Seine ewig gültige DAX-Prognose lautete: „Er wird steigen“.

Die Antwort von Kostolany klingt trivial, aber die Mehrheit der Nicht-Aktionäre würde den wahren Kern dieser Aussage nicht erkennen. Speziell die Crash-Phase 2000 bis 2003, als der DAX von 8.000 auf 2.200 Punkte und die „Volksaktie“ Telekom von 100 auf unter 10 Euro abstürzte, hat die Aktienkultur in Deutschland massiv beschädigt. Das Misstrauen ist riesig.

In der Redaktionssprechstunde habe ich in den vergangenen 12 Jahren – seit dem Start meines Börseninformationsdienstes „Der Depot- Optimierer“ – einen Satz tausendfach gehört: „Alles was steigt, fällt auch wieder.“ Diese Aussage ist nicht korrekt. Es gibt mehrere Gründe, warum der DAX von 1.000 auf 10.000 Punkte gestiegen ist und auch zukünftig mit einer extrem hohen Wahrscheinlichkeit weiter zulegen wird:

1) DIE INFLATION TREIBT DIE BÖRSENKURSE

Papierwährungen neigen zur Schwäche. Das galt für die D-Mark und das gilt auch für den Euro. Pro Jahr müssen Sie mit einer Geldentwertung von 2 bis 3 Prozent rechnen. Zur Inflation gehört auch, dass die Unternehmen die Preise erhöhen. Bei einer konstanten Gewinnmarge steigen absolut betrachtet die Gewinne und als Reaktion auch die Aktienkurse. 2 bis 3 Prozent Kursgewinn pro Jahr können Aktionäre also als Inflationsausgleich verbuchen.

2) DER DAX IST EIN PERFORMANCEINDEX

Der DAX misst nicht nur die Kursentwicklung, sondern auch die ausgeschütteten Dividenden. Durchschnittlich zahlen die DAX-Konzerne knapp 3 Prozent Dividenden- Rendite. Diese Dividenden treiben den DAX langsam, aber sicher nach oben.

3) SCHWACHE UNTERNEHMEN WERDEN AUSSORTIERT

Der DAX erlebt einen ständigen Wechsel. Die Auf- und Abstiegsregeln sorgen dafür, dass regelmäßig „Ballast“ abgeworfen wird und aufstrebende Unternehmen aus der 2. Reihe in den DAX aufsteigen.

Unter Berücksichtigung dieser drei Faktoren kommen Anleger zum gleichen Ergebnis wie Kostolany: Der DAX wird steigen. Nicht unbedingt kurzfristig, wohl aber über einen längeren Zeitraum. Wenn wir eine kleine Musterrechnung aufmachen und die 8 Prozent Rendite, die der DAX im Zeitraum 1988 bis 2013 erreicht hat, auf Sicht von 25 Jahren fortschreiben, wird der DAX beim „Gold-Jubiläum“ im Jahr 2038 bei rund 55.000 Punkten notieren. Daher mein Fazit: Wer an der Börse Ausdauer hat, der wird trotz der zwischenzeitlichen Rückschläge belohnt!

Dieser Artikel von Rolf Morrien erschien in der Zeitschrift “Diplomatisches Magazin” in der Ausgabe 8/14
Datum: 04. August 2014

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