Die DAX Rekordjahre 2000, 2007 und 2013 im Vergleich

GeVestor-Experte Rolf Morrien schreibt regelmäßig auch für andere Publikationen. So etwa für das “Diplomatische Magazin”. In seinem aktuellen Beitrag ging es um die Dax-Rekord-Jahre.

Der wichtigste deutsche Aktienindex, der DAX, hat im Mai einen neuen Rekordstand erreicht. Das Allzeithoch wird allerdings kaum zur Kenntnis genommen, denn das Motto lautet weiterhin: die verpasste Börsenrally. Viele Anleger stehen nur an der Seitenlinie und staunen, dass der DAX trotz Schuldenkrise steigt.

Dabei wird übersehen, dass die Krise ein wichtiger Kurstreiber ist. Zur Bekämpfung der Schuldenkrise hat die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen auf 0,5 Prozent gesenkt. Dieses Zinsniveau zwingt viele große Anleger im in den Aktienmarkt, da Anleihen mit jeder Zinssenkung unattraktiver werden. Zusätzlich pumpen die Notenbanken Liquidität in den Markt. Das Geld erreicht jedoch nur selten die Unternehmer. Ein Großteil des Kapitals wird gehortet oder in Sachwerte wie Aktien oder Immobilien investiert. Die überschüssige Liquidität treibt die Kurse am Aktienmarkt nach oben.

Der deutsche Leitindex DAX hat zum dritten Mal in seiner Geschichte die 8.000-Punkte-Marke erreicht. Premiere war im Boomjahr 2000, eine Wiederholung gab es 2007. Anschließend folgte jeweils ein Kurssturz. Daher stellt sich die Frage: Wiederholt sich 2013 der Crash? Wenn ein externer Schock den Markt erschüttert, ist das möglich. Das wäre allerdings ein Zufallstreffer. Aus fundamentaler Sicht gibt es keine Gemeinsamkeiten zwischen den Rekordjahren 2000, 2007 und 2013.

Im Boomjahr 2000 erlebte der DAX einen Höhenflug, der völlig losgelöst von der Realwirtschaft war. Die Unternehmen im DAX wurden durchschnittlich mit mehr als dem dreißigfachen Jahresgewinn bewertet, das Kurs-Gewinn-Verhältnis lag bei über 30. Im historischen Rückblick ist dagegen ein DAX-KGV von 14-50 üblich. Der Durchschnittswert wurde also um mehr als 100 Prozent übertroffen. Diese spekulative Blase musste platzen.

Im Jahr 2007 war die Bewertung nicht ganz so hoch, aber die Stimmung war ähnlich optimistisch. Die Unternehmen und die Investoren erwarteten für 2007 und 2008 zweistellige Wachstumsraten. Die Unternehmen drückten bei den Investitionen auf das Gaspedal. Doch dann folgte die Pleite der US-Bank Lehman Brothers. Die Kombination aus Banken – und Immobilienkrise führte zu einem steilen Konjunkturabsturz. Die Umsätze und Gewinne der Unternehmen implodierten. Der DAX brach erneut ein.

Im laufenden Jahr hat der DAX erneut die 8.000-Punkte-Marke übersprungen. Die Stimmung in den Unternehmer- und in Anlegerkreisen zeigt aber einen „gefühlten“ DAX Stand von maximal 7.000 Punkten an. Viele Investoren haben niedrige Aktienquoten und warten seit Sommer 2012 auf eine Korrektur, um noch günstig einsteigen zu können. Die Unternehmen dämpfen die Erwartungen und warnen vor einem schwierigen Geschäftsjahr. Dabei zeigen die Daten aus den USA, dass fast 70 Prozent der Unternehmen mit den Zahlen für das erste Quartal die Prognosen übertroffen haben. Die reale Lage ist also besser als die Stimmung. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 13 nähert sich der DASX dem fairen Bewertungsniveau. Aus fundamentaler Sicht ist Ende 2013 ein DAX-Stand von rund 8.800 Punkten angemessen.

Fazit: Die Anleger, die die Börsen-Rally bisher verpasst haben, sollten die Aktienquote nicht plötzlich von 0 auf 100 Prozent erhöhen. Dafür ist es jetzt zu spät. Wer mit überschaubaren Risiken in den Aktienmarkt einsteigen will, kann einen Sparplan auf Aktien oder Fonds abschließen. Wer regelmäßig pro Monat oder pro Quartal einen festen Betrag investiert, erhält für diesen Betrag in schwachen Börsenphasen viele Aktien und Fondsanteile in guten Phasen nur wenige. Das wird „Cost-Average-Effekt“, also „Durchschnittskosteneffekt“ genannt. Auf Dauer ergibt sich so ein attraktiver Einstiegskurs.

Rolf Morrien, Diplomatisches Magazin, Juli 2013

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