Finanztransaktionssteuer: Viele Verlierer, nur wenige Gewinner

In diesem Monat schreibt GeVestor-Finanzexperte Rolf Morrien im Diplomaten-Magazin über die Auswirkungen der Finanztransaktionssteuer – und zieht dabei ein recht negatives Fazit.
Der Börsenmonat Mai hat bei vielen Anlegern einen negativen Ruf. Bekannt ist der Börsenspruch: „Sell in may and go away“. Aber im Jahr 2014 brachte der Mai den Aktionären mehrheitlich steigende Kurse. Nur in der ersten Woche mussten die Aktionäre zittern. Anfang Mai wurden ohne eine passende Negativ- Meldung 100 DA X-Punkte innerhalb weniger Minuten ausgelöscht.

Solche „Blitzeinschläge“ sind vor allem auf eine Kombination aus Sekundenhandel und computergesteuerten Handelssystemen zurückzuführen und haben in den vergangenen Jahren rapide zugenommen. Eine bedauerliche Fehlentwicklung am Aktienmarkt. Durch die jetzt geplante Finanztransaktionssteuer auf Aktien und Derivate können möglicherweise solche „Blitzeinschläge“ zumindest teilweise verhindert werden, da sich nach Einführung der Steuer einige Handelsstrategien, die auf winzige Kursunterschiede setzen, nicht mehr lohnen werden. Doch unter dem Strich wird diese Transaktionssteuer wieder einmal (zumindest vorwiegend) die Falschen treffen.

Zunächst möchte ich an dieser Stelle daran erinnern, dass die amerikanische Banken und Immobilienkrise und die europäische Schuldenkrise zwei wesentliche Ursachen hatte: die zu hohe Verschuldung und der zu geringe Eigenkapital- Anteil. Die logische Konsequenz daraus sollte aus meiner Sicht sein, dass der Aufbau von Eigenkapital gefördert und eine wachsende Schuldenquote unterbunden wird. Doch die geplante Finanztransaktionssteuer wird genau das Gegenteil bewirken. Denn die Finanztransaktionssteuer betrifft Aktien, die für Unternehmen Eigenkapital darstellen, jedoch nicht Zinspapiere, die Fremdkapital darstellen. Dadurch werden Aktien noch stärker als bisher schon gegenüber den Zinspapieren diskriminiert.

Besonders bedauerlich ist auch, dass die Finanztransaktionssteuer die ohnehin schon große Altersvorsorgeproblematik noch weiter verstärken wird. Der Grund ist, dass die Zahl der Aktionäre in Deutschland durch die weitere Besteuerung von Aktien eher kleiner als größer werden wird. Statt eine Anlageklasse zu fördern, die historisch betrachtet die beste Durchschnittsrendite abwirft, geht der Staat einen weiteren Schritt in die falsche Richtung und behindert sogar die Aktienkultur in Deutschland.

Damit Sie mein Plädoyer für eine Stärkung der Aktienkultur nicht für unbegründet halten, hier noch einige Zahlen: Untersuchungen haben gezeigt, dass der deutsche Leitindex DAX seit seiner Gründung vor 26 Jahren eine durchschnittliche jährliche Performance (inklusive Dividenden) von gut 8 Prozent erreicht hat. Der US-Aktienindex Dow Jones schafft diese durchschnittliche Jahresperformance von gut 8 Prozent sogar über einen noch viel längeren Zeitraum von über 100 Jahren. Es gibt keine Anlageklasse, die langfristig höhere Erträge abwirft.

Wenn die Aktienkultur in Deutschland verliert, muss es auch Gewinner geben. Die größten Gewinner der geplanten Finanztransaktionssteuer werden voraussichtlich Börsenplätze wie New York oder Hongkong sein. Denn diese Finanzzentren werden noch mehr Marktanteile gewinnen, während Europa Marktanteile und Einfluss verliert.

Es gibt einige Gründe, die für die geplante Steuer sprechen. So werden einige „Zockerstrategien“ an der Börse an Attraktivität verlieren, was zu einer Marktberuhigung führen kann. Außerdem können die Steuereinnahmen die Basis für eine finanzielle Notfallkasse bilden. Auf der anderen Seite werden Aktien diskriminiert und Schuldenpapiere (Anleihen) gefördert. Das unterstützt die Schuldenkultur und behindert die private Altersvorsorge. Daher mein Fazit: Der Preis, den wir für die positiven Effekte der Steuer zahlen sollen, ist zu hoch.

Dieser Artikel von Rolf Morrien erschien in der Zeitschrift “Diplomatisches Magazin” in der Ausgabe 7/14
Datum: 06. Juli 2014

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