Hauptversammlung Berkshire Hathaway: Das „Woodstock” der Kapitalisten

Passend zu meinen Börsenkolumnen der vergangenen beiden Monate berichte ich Ihnen heute von der größten – und aus meiner Sicht – interessantesten Unternehmens-Hauptversammlung der Welt – der Hauptversammlung von Warren Buffetts Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway. Die Berkshire-Hauptversammlung findet traditionell am ersten Samstag im Mai statt.

In diesem Jahr reisten 38.000 Berkshire-Aktionäre aus aller Welt an und versetzten dadurch wieder einmal Buffetts Heimatstadt Omaha in einen Ausnahmezustand. Das sonst eher verschlafene Städtchen, das im Mittleren Westen der USA im Bundesstaat Nebraska liegt, verwandelt sich einmal im Jahr in das „Woodstock der Kapitalisten“.

So taufte Warren Buffett einst selbst scherzhaft die Hauptversammlung seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway. Der gute Riecher Warren Buffetts und seines kongenialen Partners Charlie Munger hat viele Anleger in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten reich gemacht.

Vor rund 50 Jahren übernahm Buffett die Mehrheit der Anteile an Berkshire Hathaway und formte das einstige Textilunternehmen zu einer Beteiligungsgesellschaft mit einem Börsenwert von über 300 Mrd. US-Dollar. Berkshire ist damit (gemessen am Börsenwert) das fünftgrößte Unternehmen in den USA.

Doch nach 50 Jahren könnte Berkshire künftig Opfer des eigenen Erfolgs werden. „Wir könnten an einen Punkt kommen, an dem wir nicht mehr wissen, wie wir unser Geld intelligent investieren können“, sagt Buffett.

Schon jetzt ist es sehr schwierig geworden, die Erfolge der Vergangenheit Jahr für Jahr zu wiederholen. Das hat vor allem mit der Größe von Berkshire zu tun. Denn – anders als noch vor einigen Jahren – müssen Übernahmen mittlerweile ein hohes Milliarden- Volumen haben, um das Gesamtergebnis von Berkshire spürbar zu beeinflussen. Und das birgt Risiken.

Ein weiteres (zumindest mögliches) Risiko besteht durch die Tatsache, dass Buffett und Munger sich bereits im stolzen Alter von 83 und 90 Jahren befinden und somit die seit einigen Jahren diskutierte Wachablösung immer näher rückt. Über mögliche Nachfolger hatte ich Ihnen im vergangenen Monat an dieser Stelle berichtet.

Wenn ich potenzielle Risiken erwähne, so muss natürlich als Gegengewicht auch auf die sensationelle Erfolgsbilanz von Buffett in den vergangenen rund 50 Jahren eingegangen werden. Buffett hat mit seinen Investments regelmäßig den Markt geschlagen – was kaum ein Investor oder Fondsmanager über Jahrzehnte schafft. Um die Erfolgsbilanz zu belegen, habe ich für Sie die beeindruckende Performance seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway seit dem Start 1965 unter die Lupe genommen.

Verglichen wird der Buchwert je Aktie mit der Kursentwicklung des wichtigen US-Aktienindex S&P 500. Buffett bevorzugt den Buchwert als entscheidende Größe, da ein stichtagsbezogener Aktienkurs ein Zufallstreffer sein kann, während der Buchwert den „echten“ Substanzwert angibt.

Das Zwischenergebnis im „Wettkampf“ Buffett gegen den S&P 500 lautet: 39 zu 10 für Buffett. Buffett hat also in 39 von 49 Jahren den Vergleichsindex geschlagen. Das schaffte er insbesondere dadurch, dass er Verluste vermeiden konnte. Nur in 2 Jahren (2001 und 2008) sank der Buchwert pro Aktie. Und das waren jeweils Crash-Phasen, in denen der Aktienmarkt wesentlich mehr verloren hat.

Insgesamt stieg der Buchwert je Aktie um 19,7 Prozent pro Jahr – und das über einen unglaublich langen Beobachtungszeitraum von fast 50 Jahren. Der S&P 500 schaffte in dieser Phase „nur“ ein durchschnittliches Jahresplus von 9,8 Prozent. Diese Erfolgsbilanz macht Warren Buffett schon zu Lebzeiten zu einer Börsenlegende. Damit schließt meine kleine Buffett-Serie an dieser Stelle.

Dieser Artikel von Rolf Morrien erschien in der Zeitschrift “Diplomatisches Magazin” in der Ausgabe 6/14
Datum: 04. Juni 2014

Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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