Pflichtlektüre für Value-Investoren – Warren Buffetts Brief an seine Aktionäre

Vor einem Monat habe ich Ihnen hier an dieser Stelle die Auswahlkriterien vorgestellt, mit denen der US-Investor Warren Buffett zu einem der reichsten Männer der Welt wurde. Bemerkenswert ist, dass Buffett sein Wissen gerne und regelmäßig mit anderen Anlegern teilt.

So zählt für Value-Investoren ein spezieller Brief zu den Höhepunkten der Börsensaison. Ich spreche vom Investoren-Brief, den Buffett jedes Jahr an die Aktionäre seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway versendet.

Buffett schreibt in seinem neuen Brief, dass Aktionäre ihre Aktieninvestments so betrachten sollten, wie Immobilienbesitzer ihre Immobilien betrachten. Sein Fazit: Anstatt sich von kurzfristigen Preis-Schwankungen verwirren zu lassen, täten Investoren gut daran, sich auf das langfristige Potenzial zu konzentrieren.

Weiterhin rät Buffett Anlegern dazu, der alten Börsenweisheit zu folgen, dass die größten Gewinne „mit dem Hintern verdient” werden und spielt damit auf den von ihm seit Jahrzehnten äußerst erfolgreich praktizierten „buy and hold”-Ansatz an, also qualitativ hochwertige Aktien kaufen und einfach liegen lassen.

In einer weiteren Aussage zeigt Buffett seine selbstironische Art: „Es gibt so viel Gerede über die Märkte, die Konjunktur, die Zinsen, Kursverhalten von Aktien und so weiter, dass einige Anleger tatsächlich glauben, es sei wichtig, auf Experten zu hören und – noch schlimmer – ihren Ratschlägen zu folgen”.

Buffett will nicht, dass Anleger ihn einfach nur 1:1 kopieren und immer nur dem „Börsen-Guru“ folgen. Seine Anleger sollen verstehen, welche Anlagestrategie er verfolgt und mit diesen Instrumenten eigene Entscheidungen treffen.

Zum Thema Übernahmen gibt es Folgendes zu vermelden: Im Jahr 2013 hatte Buffetts Finanzholding Berkshire Hathaway den bekannten Ketchup-Hersteller Heinz geschluckt. In seinem aktuellen Brief an die Aktionäre erklärte Buffett jetzt, dass dieser Übernahme-Deal Vorbildcharakter haben könnte. Neu an dem Heinz-Deal war, dass Buffett zusammen mit einem Finanzinvestor eine Übernahme getätigt hat. Zuvor stemmte er derartige Übernahmen stets ohne fremde Hilfe.

„Mit Heinz gehören Berkshire Hathaway nun achteinhalb Unternehmen, die es als eigenständige Firmen in die Fortune-Liste der 500 größten US-Konzerne schaffen würden”, schreibt Buffett. Und der Brief wäre kein Buffett- Brief, wenn er sich den Scherz, dass jetzt in seiner Sammlung nur noch 491 1/2 Unternehmen fehlen, verkniffen hätte. Insgesamt zählen mittlerweile übrigens über 80 Firmen zum Berkshire-Imperium.

Bereits seit einigen Jahren gibt es Spekulationen über den Zeitpunkt des Rücktritts von Warren Buffett und über den möglichen Nachfolger. Da Buffett 83 Jahre alt ist, sind diese Spekulationen sicherlich nicht völlig haltlos.

In seinem Aktionärsbrief signalisiert Buffett jedoch, dass er keine Pläne habe, das Unternehmen bald zu verlassen und kündigt an, dass er im kommenden Jahr in seinem Aktionärsbrief eine Rückschau auf seine 50 Jahre bei Berkshire halten und auch wie gewohnt in die Zukunft blicken will.

Bezüglich seines Nachfolgers oder seiner Nachfolgerin hatte Buffett in der Vergangenheit nicht einmal andeutungsweise einen Namen genannt. Er hatte lediglich verraten, dass die Kandidaten alle bei Berkshire arbeiten und männlich seien. Doch im vergangenen Jahr wurde plötzlich eine nicht einmal 30-jährige Harvard-Absolventin namens Tracy Britt, die Buffetts persönliche Assistentin ist, als mögliche Nachfolgerin gehandelt.

Wir werden uns aber noch eine Weile gedulden müssen, bis wir erfahren, wer der Nachfolger oder die Nachfolgerin Buffetts an der Spitze von Berkshire Hathaway wird.

Dieser Artikel von Rolf Morrien erschien in der Zeitschrift “Diplomatisches Magazin” in der Ausgabe 5/14
Datum: 08. Mai 2014

Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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