Schwellenländer und Rohstoffe

Rolf Morrien schreibt in der aktuellen Ausgabe des Diplomatischen Magazins über die Chancen auf den Rohstoffmärkten in Schwellenländern.

Die Halbjahres-Verlierer sind langfristig attraktiv

Die US-Notenbank Fed will voraussichtlich ab 2014 die Geldpolitik leicht straffen. Dieser Strategiewechsel hat nicht nur in den USA und Europa für Hektik an den Börsen gesorgt.

Besonders stark betroffen sind die Schwellenländer und damit verbunden die Rohstoffmärkte. Die jüngste Ankündigung der US-Notenbank Fed hat die Schwellenländer gleich doppelt negativ getroffen: Zum einen haben die Investoren Angst, dass die Fed den Geldhahn zudreht und damit dem Markt Liquidität entzogen wird. Ein Teil der überschüssigen Liquidität ist in der Vergangenheit in die Schwellenländer geflossen. Billiges Geld traf hier auf hohe Wachstumsraten aufstrebender Volkswirtschaften.

Die Fed-Ankündigung sorgt dafür, dass dieses Kapital teilweise wieder abgezogen wird. Die Folgen: Die Aktienmärkte müssen hohe Kursverluste hinnehmen, und auch die Währungen der Schwellenländer stehen unter Druck. Innerhalb weniger Wochen haben der Mexikanische Peso, die Indische Rupie und der Brasilianische Real 6 bis 8 Prozent gegenüber der US-Währung verloren.

Zum anderen führte die Begründung der Fed zu einem Favoritenwechsel. Waren die Märkte in Europa und Nordamerika zuletzt wenig attraktiv, da es dort kein oder nur ein geringes Wachstum gab, wecken die jüngsten Fed-Kommentare die Hoffnung, dass die US-Wirtschaft zukünftig wieder kräftiger wachsen könnte. Die Investoren lösen daher Investitionen in den Schwellenländern auf und legen das Geld in den USA neu an. Auch dieser Trend schwächt aktuell die Aktienmärkte und Währungen der Schwellenländer.

In den vergangenen Jahren hat sich ein gewisser Gleichlauf zwischen den Schwellenländern und den Rohstoffpreisen entwickelt. Die Kursverluste in den Schwellenländern und an den Rohstoffmärkten hängen also eng zusammen.

Die Ängste, dass die Schwellenländer aufgrund der Erholung der US-Wirtschaft austrocknen könnten, sind übertrieben. Betrachten wir die beiden oben genannten Einflussfaktoren: Richtig ist, dass die US-Notenbank Fed die Anleihenkäufe reduzieren will.

Eine Ersatzlösung für die geldhungrigen Investoren ist aber bereits in Sicht. So will zum Beispiel die japanische Notenbank den Geldhahn noch stärker aufdrehen und die Geldmenge in relativ kurzer Zeit verdoppeln! Es wird am Markt weiterhin genug billiges Geld geben. Zweites Argument: Die US-Wirtschaft zieht wie ein Magnet Kapital an, das dann in anderen Märkten fehlt. Das stimmt in der ersten Phase der Erholung. Wenn aber dann der Motor der US-Wirtschaft wieder rund läuft, werden in der zweiten Phase auch die Handelspartner bessere Geschäfte machen.

Wenn die größte Volkswirtschaft der Welt um 3 Prozent pro Jahr wächst, werden davon auch die Exportnationen wie China profitieren. Die USA verdrängen die Schwellenländer nicht, sondern es kommt zu einer Win-Win-Situation. Beide Seiten gewinnen.

Die Aktien und Währungen der Schwellenländer standen im 1. Halbjahr 2013 unter Verkaufsdruck. Darunter leiden auch die Rohstoffmärkte. Doch jetzt gibt es mehr Chancen als Risiken. Die Schwellenländer profitieren unter dem Strich von einer wirtschaftlichen Erholung der US-Wirtschaft. Auch die Rohstoffnachfrage wird steigen und damit auch die Preise.

Noch sind diese Märkte allerdings angeschlagen. Interessant ist für Anleger daher ein Einstieg in mehreren Schritten. Attraktiv ist zum Beispiel ein Sparplan auf einen Schwellenländer- Fonds. So können Anleger über zwei oder drei Jahre eine größere Position aufbauen und erhalten dabei einen attraktiven Durchschnittspreis beim Kauf. Eine ähnliche Strategie empfehle ich auch bei Rohstoff-Investments: Anleger sollten nicht sofort mit der vollen Investitionssumme einsteigen, sondern in mehreren Schritten.

Dieser Artikel von Rolf Morrien erschien in der Zeitschrift “Diplomatisches Magazin” in der Ausgabe 8/13

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