Sparer entscheiden sich gegen mögliche Gewinne

Es klingt paradox, aber die Mehrheit der Sparer entscheidet sich gegen Gewinne und für sichere (Kaufkraft-)Verluste. So lässt sich eine aktuelle Studie der Postbank zusammenfassen. Was steckt dahinter? Rolf Morrien erklärt es in der aktuellen Ausgabe des Diplomatischen Magazins.

Laut Postbank haben die deutschen Sparer rund 1,75 Billionen Euro bei Banken liegen. Das Geld wird als Sicht-, Termin- oder Spareinlage angelegt.

Der gemeinsame Nenner: Die Zinsen liegen jeweils unter der Inflationsrate. Auf dem Papier vermehrt sich das Guthaben, doch nach Abzug der Inflation bleibt ein Minus. Das heißt: Nach zwölf Monaten können die Sparer für ihre Spareinlagen weniger Waren und Dienstleistungen kaufen als im Vorjahr.

Die geringe Differenz zwischen Sparzins und Inflationsrate sieht optisch harmlos aus. Aber die Masse entscheidet: Unter dem Strich verlieren die deutschen Sparer im laufenden Jahr rund 14 Milliarden Euro. Die Postbank erwartet, dass die Verluste im Jahr 2014 sogar auf 21 Milliarden Euro steigen. Und dabei sind die Annahmen der Postbank aus meiner Sicht sogar zu optimistisch. So rechnen die Postbank-Analysten für 2013 mit einer Inflationsrate von 1,6 Prozent und für 2014 mit 2 Prozent. Diese Zahlen können sich noch nach oben verschieben.

Hinzu kommt: Die Postbank berücksichtigt nur die offiziellen Inflationszahlen. Wie mehrfach in den vergangenen Jahren in meinen Kapitalmarktpublikationen geschrieben und begründet, liegt die “echte” Inflationsrate höher. Die Messmethoden der Inflation werden immer wieder überarbeitet. Und nicht ganz zufällig wirken die Reformen praktisch immer wie ein Inflations-Dämpfer. So gibt es für die USA Berechnungen, dass die Inflationsrate aktuell rund doppelt so hoch wäre, wenn die Statistik noch wie vor 20 Jahren erstellt würde.

Es stellt sich die Frage: Warum verschenken die Sparer Jahr für Jahr zweistellige Milliardenbeträge? Dafür gibt es mehrere Gründe. Einen Effekt habe ich bereits erwähnt. Auf dem Papier wächst das Vermögen. Selbst Mini- Zinsen von 1 Prozent sorgen dafür, dass nach zwölf Monaten aus 10.000 immerhin 10.100 Euro werden. Dieses Wachstum des Geldvermögens sorgt für ein gutes Gefühl.

Hinzu kommt, dass Bankguthaben keinen Schwankungen unterworfen sind. Es gibt keine Sparbuch-Charts, die – wie am Aktienmarkt – nervös eine Achterbahnfahrt anzeigen. Für diese Ruhe sind Sparer bereit, einen hohen Preis zu zahlen.

Ein ganz wichtiger Aspekt ist auch die Angst. Wenn ein Anleger einmal Geld mit einer Anlageart verloren hat, wird diese Anlageklasse anschließend gemieden und ignoriert. Da viele Anleger in den Crash-Phasen 2000 bis 2003 und 2007/2008 mit Aktien Geld verloren haben, fallen hier Aktien als Anlage-Alternative aus, obwohl Aktien langfristig rund 8 Prozent Rendite pro Jahr bringen (Kursgewinne und Dividenden) und jede andere Sparform schlagen.

Wie stark die Formel “einmal Verluste, immer Verluste” in den Köpfen verankert ist, zeigt ein Experiment aus den USA. Im Jahr 2010 wurden 1.000 finanzinteressierte Bürger gefragt, wie der bekannte US-Aktienindex S&P 500 im Vorjahr (2009) abgeschnitten hat. 66 Prozent der Befragten gaben an, dass die Kurse gefallen seien. Dabei gewann der S&P 500 im Jahr 2009 üppige 26,5 Prozent. Da aber 2008 ein schlechtes Aktienjahr war, haben die Aktienaussteiger die anschließende Erholung verdrängt und wollten nicht mehr an das Thema Aktien erinnert werden. Die “Kopf-in-den-Sand-Strategie” bringt aber nichts außer verpasste Gewinne.

Richtig ist, dass Aktienkurse relativ stark schwanken. Daher wäre ein reines Aktien-Depot als Anlagestrategie zu riskant. Wer aber unter dem Strich (nach Steuer und Inflation) Geld am Kapitalmarkt verdienen will, kommt in der aktuellen Niedrig-Zins-Phase an Aktien nicht vorbei. Dividendenstarke Aktien sind ein wichtiger Baustein in der Vermögensplanung.

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