Warum auch Verlierer gut für den Aktienmarkt sind

Börsenjahr 2013 – Ein super Jahr, oder? Rolf Morrien erklärt für das Diplomatische Magazin, warum das Börsenjahr nicht nur gut war.

Viele Aktionäre konnten sich im Börsenjahr 2013, wie schon im Börsenjahr 2012, über zweistellige Gewinne freuen. So hat der deutsche Aktien-Leitindex DAX im Jahresverlauf um 25 Prozent zugelegt, der Dow Jones in den USA um 20 Prozent und der Weltindex MSCI World um 18 Prozent. Auf den ersten Blick war es also in den vergangenen 12 Monaten fast schon ein Kinderspiel, am Aktienmarkt viel Geld zu verdienen. Doch der erste Eindruck trügt. Es lohnt sich ein genauer Blick hinter die Kulissen: Der deutsche Leitindex DAX besteht aus 30 Einzelwerten. Die Gesamtbilanz lag – wie oben beschrieben – auf Jahressicht bei +25 Prozent. Es gab jedoch nicht nur Gewinner, sondern auch Verlierer. 6 der 30 DAX-Werte mussten im Kalenderjahr 2013 Kursverluste hinnehmen. Immerhin 3 DAX-Werte verloren sogar zweistellig.

Einsames Tabellenschlusslicht war die K+S-Aktie. Der Salz- und Düngemittelhersteller litt besonders stark darunter, dass in Osteuropa ein Kali-Kartell geplatzt ist. Es kam die Befürchtung auf, dass der Kali-Markt mit Billigprodukten überflutet wird. In den vergangenen Wochen gab es eine positive Gegenbewegung, da einige Entwicklungen dafür sprechen, dass ein neues Kali-Kartell entstehen wird – das wäre gut für die Kali-Verkäufer, aber schlecht für die Landwirte als Kali- Käufer –, aber das Börsenjahr 2013 war für die K+S-Aktionäre nicht mehr zu retten. Es ist auffällig, dass in den vergangenen Jahren oft ehemals grundsolide DAX-Unternehmen wie E.ON, RWE und K+S in der Jahresbilanz am Tabellenende lagen. Das liegt daran, dass Ereignisse wie die plötzlich erzwungene Energiewende oder die Auflösung des Kali-Kartells vorab nicht einkalkuliert werden konnten. Gegen einen solchen „Blitzeinschlag“ können sich Aktionäre nur schwer schützen.

Mit diesem Restrisiko müssen Börsianer stets leben.

Die negativen DAX-Werte sind aber nicht der einzige Grund, warum die Probleme des Börsenjahres 2013 in den Medien leicht übersehen werden. In den Nachrichten tauchen fast immer nur die großen Aktien-Indizes DAX (Deutschland), EuroStoxx (Europa) oder Dow Jones (USA) auf. Diese Märkte liefen 2013 in der Tat sehr gut.

Aber es gab auch viel Schatten am internationalen Aktienmarkt. Eine kleine Auswahl: Indische Aktien haben 2013 rund 8 Prozent verloren, chinesische Aktien 9 Prozent, russische Aktien knapp 10 Prozent, brasilianische Aktien 30 Prozent und türkische Aktien sogar 35 Prozent. Die Aktien aus den Schwellenländern haben im Durchschnitt rund 10 Prozent verloren. Wer 2013 die beliebten BRIC-Produkte im Depot hatte (BRIC ist die Abkürzung für Brasilien, Russland, Indien und China), hat gleich vier Verlierer-Märkte im Depot vereint. Das Ergebnis war entsprechend schlecht.

Für die betroffenen Aktionäre ist es ärgerlich, wenn eine Aktie die Rallye des Gesamtmarktes nicht mitmacht und am Ende des Jahres sogar ein Minus aufweist. Allerdings gibt es auch positive Aspekte. Denn: Wenn alle Aktienkurse steigen und die Liquiditätsflut und die euphorische Börsenstimmung auch schwache Werte nach oben treibt, dann deutet das sehr stark auf eine spekulative Blase hin. Die Aktionäre kaufen dann „blind“ und ignorieren negative Nachrichten.

Aus dieser Perspektive ist es positiv, dass gleich sechs DAX-Werte und international ganze Länder-Indizes die Rally nicht mitgemacht haben und von den Investoren sogar abgestraft wurden. Das zeigt, dass die Investoren am Aktienmarkt die Gewinnwarnungen der Unternehmen und erhöhte Länderrisiken beachten und entsprechend mit Verkäufen reagieren.

Von einer spekulativen Aktienmarkt-Blase kann also noch nicht die Rede sein, wenn wir die Entwicklung des globalen Aktienmarktes betrachten. Das ist – neben der positiven Gesamtbilanz – die gute Nachricht beim Rückblick auf das Börsenjahr 2013.

Dieser Artikel von Rolf Morrien erschien in der Zeitschrift “Diplomatisches Magazin” in der Ausgabe 2/14

Datum: 08. Februar 2014

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