11 Mrd. Dollar-Deal: General Electric mit Mega-Merger

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GE verkauft sein Traditionsgeschäft mit Lokomotiven. Aktionäre reagieren mit Kursaufschlägen. (Foto: Jonathan Weiss / shutterstock.com)

Während in Deutschland gestern die Börse aufgrund des Pfingstfestes geschlossen war, fand der Handel in den USA wie gewohnt statt. Dabei verbuchten die US-Indizes weitere Aufschläge und insbesondere der Technologie-Index Nasdaq konnte seine jüngste Rally fortsetzen.

Wie immer zu Wochenbeginn wurde nicht nur gehandelt, sondern kam es auch zur Ankündigung mehrerer Milliarden-Transaktionen. Den größten Deal verkündete dabei der US-amerikanische Industriekonzern General Electric (GE).

Der Siemens-Rivale fusioniert seine Zugantriebssparte – vorwiegend Lokomotivbau – mit dem Branchenkollegen Wabtec. Insgesamt kommt der Deal auf ein Volumen von 11,1 Mrd. Dollar.

GE-Aktionäre erhalten 40,2% des neuen Unternehmens

Zusammen kommen die GE-Sparte und Wabtec auf ein Umsatzvolumen von rund 8 Mrd. Dollar. Geführt wird das neue Unternehmen vom Wabtec-Chef Raymond Betler.

General Electric-Aktionäre werden am neuen Unternehmen mit 40,2% beteiligt, 9,9% werden von General Electric kontrolliert, die verbleibenden 49,9% erhält Wabtec.

Zudem wurde eine Zahlung in Höhe von 2,9 Mrd. Dollar in bar vereinbart, sobald der Deal alle notwendigen Genehmigungen hat und abgeschlossen werden kann. Dies wird Anfang 2019 erwartet.

Transportationssparten-Desinvestition wurde erwartet

GE und Wabtec hatten in den vergangenen Jahren wiederholt über einen Zusammengang verhandelt, konnten sich bislang allerdings nicht einigen. Vermutungen, dass es diesmal klappen könnte, hielten sich seit dem Herbst 2017.

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GE hatte unter dem im vorigen Sommer neuen Chef John Flannery eine scharfe Restrukturierung angekündigt und dass in der lahmenden GE-Transportation-Sparte etwas passieren würde, galt als wahrscheinlich – zumal der Umsatzbeitrag am Gesamtumsatz nur gering ist (3,4%).

Der Geschäftsbereich ist zwar mit Margen von fast 20% äußerst profitabel, doch seit 2015 fielen die Umsätze mit prozentual zweistelligen Raten zurück. In dem zyklischen Markt herrscht Überkapazität, sodass der Schulterschluss mit einem Rivalen naheliegend erschien. Das Synergiepotenzial wird mit 250 Mio. Dollar taxiert.

Aktionäre beider Lager zufrieden

An der Börse kam der Deal – und vor allem die steuergünstige Deal-Struktur – sehr gut an. Die GE-Aktie ging gestern mit einem Plus von 1,9% aus dem Handel und gehörte zu den stärksten Titeln im US-Index Dow Jones.

Zum heutigen Handelsbeginn folgten Anschlussgewinne, Investoren und Analysten honorieren damit den Restrukturierungskurs des neuen Unternehmenschefs. Der jetzige Deal ist allerdings nur ein Tropfen auf dem heißen Stein und GE wird noch einige Zeit an den strukturellen Problemen zu knabbern haben.

Nachdem sich der Aktienkurs auf Jahressicht fast halbiert hat, sind Investoren jedoch beruhigt, dass endlich nennenswertes passiert, um den operativen Turnaround herbeizuführen. Weitere Desinvestitionen dürften nicht lange auf sich warten lassen.

Zufrieden zeigten sich auch die Wabtec-Aktionäre. Die Aktie reagierte mit 3,4% Kursaufschlag und kann heute im unveränderten Gesamtmarkt weiter zulegen. Zwischenzeitlich gelang dem Papier erstmals seit Juli 2015 wieder der Sprung über die 100 Dollar-Marke.

Wie die GE-Analysten, rechnen auch die Wabtec-Analysten damit, dass der Deal wertsteigernd ist.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.