15% für BASF – die neue Zinsgefahr dieser “Anleihen” auf eine Aktie

BASF mit einer Anleihe über 15% Zinsen - falscher Eindruck bei Aktienanleihe. Gefahr im Verzug. (Foto: JPStock / shutterstock.com)

Kürzlich fragte eine Nutzerin in unserer Redaktion nach einer neuen Anleihe auf BASF. Allgemeines Erstaunen: 15% wollte sie haben. Attraktiv, so auch unsere Meinung zu diesem Versprechen. Der Zins auf die “Anleihe” jedoch ist eine kleine Falle – es handelt sich um eine Aktien-Anleihe mit Gefahren.

Aktien-Anleihen sind keine Anleihen des Unternehmens. BASF erhält Ihr Geld nicht, falls Sie investieren. Das Geld geht an eine emittierende Bank, in diesem Fall die Goldman Sachs. Die zahlt Ihnen am Laufzeitende das Geld zurück, allerdings unter Bedingungen.

Diese Bedingungen betreffen die BASF und deren Aktie. Damit wird die Rückzahlung zur Gefahr.

Aktienkurs entscheidet über Ihr Geld

Die versprochenen “Zinsen” in Höhe von 15% pro Jahr erhalten Sie auf jeden Fall. In einem Jahr, am 20.7.2012, entscheidet sich dann, wie viel von dem Geld, das Sie Goldman Sachs geliehen haben, zurück an Sie geht.

Aktuell steht die Aktie von BASF bei etwa 67 Euro (Tagesschwankungen berücksichtigen wir hier nicht). Wenn die Aktie am 20.7.2012 nicht auf mindestens 70,60 Euro steht, erhalten Sie nicht Ihr Geld zurück.

Dann erhalten Sie faktisch die Aktien von BASF, die so abgerechnet werden, als seien sie 70,60 Euro wert. Die Rechnung ist einfach: Sie verleihen 1.000 Euro. Sie erhalten 14,1643 Aktien * 70,60 Euro – als Wertausgleich. Wenn der Kurs bei nur 60 Euro liegt, beträgt der Rückzahlungspreis nur 14,1643 Aktien * 60 Euro, also 849,86 Euro.

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Aktien-Minus bedroht Rendite

Rund 150 Euro oder 15% Verlust erleiden Sie in dem Fall durch die Rückzahlung. Damit ist der Zinsvorteil genau aufgefressen. Das bedeutet: Sie wetten bei einer solchen Aktien-Anleihe auf den Aktienkurs. Hier haben Sie aktuell aber nicht 15% Puffer, sondern beim aktuellen Aktienkurs nur etwa 10% bis zum Beginn der Verlustzone.

Die Zinsen deckeln Ihren Gewinn nach oben. Die Bank wird Ihren Anlagebetrag nicht in Aktien tauschen, wenn – hier – der BASF-Aktienkurs über 70,60 Euro liegt. Daher können Sie maximal 15% gewinnen, nach unten aber fast alles verlieren. Aktien-Anleihen bescherten Investoren vor einigen Jahren bereits permanent hohe Verluste.

Investoren meinten, es handele sich um Anleihen der Unternehmen. Es sind spezielle Bank-Anleihen:

  • Die Bedingung über den Aktienkurs gefährdet die Höhe Ihrer Rückzahlung. Wenn der Aktienkurs verliert, reduziert sich Ihre Rückzahlung.
  • Die Zinsen sind hoch, entscheidend aber ist und bleibt die Gesamtrendite. Die Zinsen bleiben der Maximalgewinn, Sie können ausgehend vom Aktienkurs nur davon verlieren.
  • Zwar sind Aktien-Anleihen an den Börsen notiert, aber der Kurs wird keine weiteren Gewinne bringen – durch den Gewinndeckel. Sie sind faktisch bis Laufzeitende gebunden.
  • Auf die Zinsen zahlen Sie auf jeden Fall Steuern, allenfalls Gesamtverluste befreien Sie von der Steuerpflicht.

GeVestor meint: Es gibt keine Aktien-Anleihen, die attraktiv sind. Hohe Zinsen zahlen Sie hier mit einem sehr hohen Risiko. Wenn Sie hohe Zinsen suchen, sind die Aktien der Unternehmen oft besser. Bei einer Dividendenrendite von 4% bis 5% tragen Sie zwar auch das Aktienrisiko, aber: die Laufzeit hindert Sie bei dieser Investition nicht.

Der BASF Zins der Aktien-Anleihe ist trotz der Höhe von 15% eher eine Gefahr denn eine Chance.


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Von: Janne Joerg Kipp. Über den Autor

Janne Joerg Kipp ist der Experte für Wirtschaft und Geldanlage.