15-Mrd.-Dollar-Übernahme: Intel setzt auf autonomes Fahren

Übernahme-Hammer im Bereich autonomes Fahren:

Der US-amerikanische Chip-Riese Intel hat sich den wohl wichtigsten Zulieferer der Branche gesichert. Für 15,3 Mrd. Dollar übernimmt er das israelische Unternehmen Mobileye.

Mobileye, zu deutsch: mobiles Auge, ist ein Kamera- und Sensor-Hersteller, der mit Hilfe der passenden Bildverarbeitungs-Software dafür sorgt, dass selbständig fahrende Autos die Spur halten und Hindernissen ausweichen können (bzw. abbremsen).

Zugleich besitzt der Konzern eine wertvolle Kooperation im Bereich Navigations-Karten mit Here – ein Gemeinschafts-Unternehmen von BMW, Daimler und Audi.

Die Idee hinter der Kooperation ist nicht nur eine hohe Genauigkeit, sondern später auch die Cloud-basierte Bereitstellung von Echtzeit-Karten.

Intel-Aktie verliert 2%: Preis einigen Investoren zu hoch

Die Übernahme ist für Intel ein echter Gewinn.

Gestern verlor die Aktie des Chip-Herstellers zwar gut 2%, doch mittelfristig besitzt der Deal das Potenzial, Intel für das autonome Fahren unerlässlich zu machen.

Was aber stört die Investoren?

Zum einen wäre da der Kaufpreis: Intel überweißt an die Mobileye-Eigentümer 15,3 Mrd. Dollar, oder 63,54 Dollar je Aktie. Die Bewertung ist auf Basis fundamentaler Kennzahlen „Wahnsinn“.

Der Preis beinhaltet auch eine gute 30%-Prämie auf dem Vortages-Schlusskurs und liegt 70% über dem Aktienkurs von vor 4 Monaten. Auch da fragen sich einige Investoren, ob das gerechtfertigt ist.

Citron Research warnte vor veralteter Mobileye-Technologie…

Man muss ganz klar sehen: Dieser Deal ist eine Wette auf Mobileyes Zukunft im Bereich des autonomen Fahrens.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass nicht jeder Investor gewillt ist so ein Risiko zu tragen.

Erst vor wenigen Wochen erklärte der berüchtigte Short-Investor Andrew Left (Citron Research), dass Mobileye das mit Abstand am größten ungerechtfertigt gehypte Investment am Markt ist.

Die Technologie sei schon bald Alternativ-Angeboten von Konkurrenten unterlegen.

 …doch lag damit offenbar daneben

Andrew Left hat sich bei Mobileye gehörig die Finger verbrannt. Durch die Übernahme-Offerte und dem 30% Kurssprung dürften seine Short-Positionen wertlos sein.

Die Kritik, dass Mobileyes Technologien langfristig keine Chance habe, war auch nicht ganz schlüssig.

Die Firma meldete in 2016 eine Kooperation nach der anderen in allen Bereichen des autonomen Fahrens (Fahrassistenz, Co-Pilot, führerlos) und sitzt bei nahezu allen großen Automobil-Konzernen mit im Boot.

Erst vor wenigen Wochen wurde die Erfolgsliste mit einer VW-Kooperation verlängert.

Mit BMW arbeiten die Israelis schon seit mehreren Jahren zusammen und wollen 2021 das komplett führerlose Fahrzeug auf die Straße bringen.

Schon in diesem Jahr ist eine Test-Flotte unterwegs. Es geht hier also nicht um Zukunftsmusik, sondern um etwas in ganz naher Zukunft.

Trotz negativer Erstreaktion: Wir sind vom Mehrwert des Deals für Intel überzeugt

Auch wenn der Übernahme-Preis heute teuer erscheint:

Wenn autonomes Fahren in wenigen Jahren Realität ist, dann haben Teile der Mobileye Angebots-Palette das Zeug dazu zur verkehrsrechtlichen Standard-Anforderung zu gehören.

Wenn so gut wie alle großen Automobil-Konzerne neue Kooperationen mit Mobileye eingehen, dann können die Produkte nicht so veraltet oder perspektivlos sein.

Wir stufen den Deal entsprechend als Gewinn für Intel ein.

14. März 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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