18,4 Mrd. Euro schwere Übernahme: Vodafone greift Deutsche Telekom an

Milliardendeal in der deutschen Kabelnetzbranche: Vodafone will Unitymedia für 18,4 Mrd. Euro und die Chancen für eine Genehmigung stehen gut. (Foto: M DOGAN / Shutterstock.com)

Im europäischen Telekommunikationssektor rumort es gewaltig. Nach einer Reihe von Konsolidierungen, steht jetzt auch der deutsche Kabelnetzmarkt vor einer gravierenden Veränderung.

Denn der britische Telekom-Riese Vodafone plant die Übernahme von Unitymedia. Eigentümer Liberty Global einigte sich mit den Briten nach monatelangen Verhandlungen auf einen Deal im Volumen von 18,4 Mrd. Euro.

Telekom will Übernahme-Genehmigung verhindern…

Noch ist nicht sicher, ob es zu einer Transaktion kommt. Denn die Konzentration im deutschen Kabelnetzmarkt ist bereits sehr hoch und sollte die Übernahme genehmigt werden, entsteht ein Duopol bestehend aus der Deutschen Telekom und Vodafone.

Besonders für den Platzhirschen Deutsche Telekom wäre das nachteilig, denn das Vodafone-Netz wäre dann leistungsstärker und der Konkurrent könnte ebenfalls deutschlandweit die Haushalte mit sogenannten Quadplay-Verträgen versorgen. Quadplay bezeichnet ein Bündel-Angebot aus Mobilfunk, Internet, TV und Telefon.

Dementsprechend alarmiert ist die Telekom-Unternehmensspitze. CEO Tim Höttges will sich persönlich gegen die Genehmigung des aus seiner Sicht wettbewerbsverzerrenden Deals stellen und erhält dabei auch die Unterstützung von den kleineren regionalen Anbietern.

…doch Vodafones Chancen stehen nicht schlecht

Ob ein Deal genehmigt wird ist fraglich, doch ganz so schlecht wie die Medienberichterstattung manchmal glauben lässt, stehen die Chancen nicht. Zuständig ist die EU-Kommission und die arbeitet seit Jahren an einem einheitlichen europäischen Telekom-Markt.

Auch unter Experten gibt es kein einheitliches „Nein!“ zum Milliardendeal. Matthias Kurth, ehemaliger Präsident der Bundesnetzagentur, hält den Deal für wettbwerbsförderlich.

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Wenig verwunderlich stoßen die Managements von Vodafone und Liberty Global ins gleiche Horn. Mit mehr Investitionen und mehr Wahlmöglichkeiten werben Sie für die Genehmigung der Milliarden-Übernahme.

Dass der Genehmigungsprozess jedoch nicht unproblematisch wird, ist jedoch beiden bekannt. Vodafone rechnet mit einem Transaktionsabschluss erst in der zweiten Hälfte 2019.

Markt spekuliert über mögliche Gewinner abseits der Übernahme-Beteiligten

An der Börse hatte der Deal Auswirkungen auf eine ganze Reihe von europäischen Telekomaktien. Die Vodafone-Aktie schoss zum Handelsbeginn zunächst über 2% nach oben, muss im späten Handel allerdings einen großen Teil der Gewinne wieder abgeben.

So gar nicht begeistert reagieren die Aktionäre der Unitymedia-Mutter Liberty Global. Obwohl der Preis rund 2 Mrd. Euro über zunächst kolportierte Preise liegt, verliert die Aktie am US-Handelsplatz Nasdaq über 6%.

Nicht ganz so stark, aber gegen das positive Marktumfeld, verliert die Telekom-Aktie. Am späten Nachmittag geht es aus Angst vor einem starken Rivalen um fast 2% nach unten.

Zu den Gewinnern gehören der drittgrößte deutsche Kabelnetzbetreiber TeleColumbus sowie die netzunabhängigen Anbieter Freenet und 1&1 Drillisch. Spekuliert wird, dass die deutlich kleineren Telekom-Anbieter Nutznießer eventueller Wettbewerbsauflagen sein könnten.

Ausgerechnet die Telekom-Unternehmen die nichts direkt mit dem Deal zu tun haben, gewinnen also heute.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.