2016 war das Jahr der Industriemetalle

Keine andere Rohstoffklasse verzeichnete 2016 derart starke Kurs-Anstiege wie die Preise für Industriemetalle.

Dafür gibt es unterschiedliche Gründe:

  1. Anders als zunächst erwartet wurde, überraschte China mit höheren Importen: Nach mehr als 1,5 Jahren sind die chinesischen Einfuhren erstmals wieder gestiegen.

Im September wurden 93 Mio. t Eisenerz importiert – das ist der zweitgrößte Eisenerz-Import, den es je gab

Zuletzt kühlte sich diese Entwicklung zwar wieder ab, wir rechnen jedoch weiterhin mit einem anhaltend positiven Trend.

2. Ein weiterer bewährter Indikator ist der Baltic Dry Index:

Dieser spiegelt das weltweite Verschiffen von Gütern wie Kohle, Eisenerz oder Getreide wider. Ende November ist der Index auf den höchsten Stand seit mehr als 2 Jahren geklettert.

Eine intensivere Verschiffungs-Aktivität deutet auf eine positive Entwicklung des Welthandels – und damit der Produktion – hin.

Umsatzplus mit Verzögerung

Während Industriemetalle wie Eisenerz oder Zink seit Jahresbeginn rund 70% zulegten, konnten sich diese Preissprünge noch nicht in den Umsatz-Zahlen der Rohstoff-Giganten abzeichnen:

  • Rio Tinto meldete im Zuge der Halbjahres-Zahlen einen Umsatz-Rückgang von 8%.
  • Bei BHP Billiton rutschte der Umsatz im Vorjahres-Vergleich sogar um mehr als 30% ab.

Grund für die schlechten Zahlen: niedrige Rohstoffpreise. Diese Verzögerung liegt an den Handels-Vereinbarungen im Rohstoff-Sektor.

Kunden und Lieferanten sichern sich bereits Monate vor Lieferung die Preise ab. Kalkulierbare Preise bedeuten Planungssicherheit.

Schießt jedoch der Preis an den Kassamärkten in die Höhe, sind die Lieferanten verpflichtet, zu den ursprünglich vereinbarten Konditionen zu liefern.

Die höheren Preise an den Rohstoff-Börsen zeichnen sich also erst mit 1 – 2 Quartalen Verzögerung in den Umsatz-Zahlen ab:

Vale berichtete beispielsweise von deutlichen Umsatz-Steigerungen (+13%) im 3. Quartal 2016.

Trotz der positiven Entwicklung der Industriemetall-Preise wappnen sich Rohstoff-Konzerne für zukünftige Kursrückschläge und Unsicherheiten:

Sachinvestitionen werden auf das Nötigste reduziert.

Wenn der Goldpreis verschnupft reagiert …

Während die Industriemetalle deutlich zulegten, ging es mit dem Goldpreis seit Ende September steil abwärts.

Die Goldpreis-Entwicklung stellte sich, wie so häufig, diametral zu der Kurs-Entwicklung der Aktienmärkte sowie des US-Dollars dar.

Als kursstützend erwiesen sich die zunehmenden Inflations-Sorgen und die Angst vor einem Zusammenbruch der EU als Folge des Austritts weiterer Mitgliedsstaaten.

Damit wurde der Goldpreis seinem Ruf als Krisenwährung einmal mehr gerecht. In einem ausgewogenen Depot sollte das Edelmetall nicht fehlen, da es einen guten Ausgleich für unvorhersehbare Risiken bietet.

… fürchten Goldminen die Grippe

Angesichts der Tatsache, dass die Goldminen-Betreiber gestärkt aus der Krise hervorgehen und der Goldpreis im 2. Halbjahr durchschnittlich betrachtet immer noch über dem Niveau des 1. Halbjahres notierte, sehen wir die Jahreszahlen 2016 nicht in Gefahr.

Wenngleich die jüngsten Kursverluste vor diesem Hintergrund übertrieben erscheinen, sollte der Einfluss der Goldpreis-Entwicklung auf die Gewinne auch nicht unterschätzt werden.

Aufgrund der hohen Fixkosten reagieren die Gewinne sehr stark auf Preisschwankungen. So bewirkt eine Goldminen-Aktie immer eine Hebelwirkung auf den Goldpreis.

Unsere Empfehlung

Dennoch, oder gerade deshalb, halten wir ein Stock-Picking für wichtig.

Wir empfehlen, auf die Kostenführer zu setzen. Diese sind von einem geringeren Goldpreis weniger betroffen.

Entscheidend ist auch eine hohe Eigenkapitalquote. So kann die Zinslast auch in schwächeren Zeiten bedient und die Liquidität gesichert werden.

9. Januar 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

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