Börse 2016, Weihnachtsrally und Aussichten 2017

„Weihnachtsrally“ oder „Versöhnlich zum Jahresende“ – so könnte man den Börsenverlauf kommentieren.

Dennoch bleibt ein für Börsianer schwieriges Jahr 2016 in den Büchern stehen.

Fast schon in Vergessenheit geraten ist der ÖLPREIS-CRASH zu Jahresbeginn; er ließ die Aktienkurse weltweit einbrechen.

Nach einem Zwischenhoch im März/April sackten die Kurse im BREXIT-Vorfeld erneut stark ab.

Doch auch dieser wurde schnell verdaut und der DAX-Index stieg wieder bis an seinem Jahres-Schlussstand 2015 heran.

Was dann folgte, war eine monatelange Hängepartie; eine zermürbende Phase, die viele vermeintliche Ausbrüche nach oben mit einem sofortigen Rückfall quittierte – bis zur US-PRÄSIDENTSCHAFTSWAHL.

Aber auch diese hatte es in sich: Nicht nur der überraschende Ausgang, sondern auch das Marktverhalten waren kurios und unerwartet.

Denn in der Nacht, als sich abzeichnete, dass Donald Trump tatsächlich die Wahl gewinnen würde, fielen die Futures weltweit wie ein Stein!

Aber schon 1 Tag später drehten die Aktienmärkte; v. a. in den USA stiegen die Indizes in den folgenden Wochen auf Rekordstände.

Die asiatischen und europäischen Börsen, auch unser DAX-Index, folgten noch nicht. Erst nach dem ITALIEN-REFERENDUM spielten die Märkte die Hausse-Karte.

FAZIT:

Rekapitulieren wir alle 4 Ereignisse oben, so ist Folgendes festzuhalten: Alle 4 Ereignisse sind negativ ausgegangen – beim BrExit und der US-Präsidentschaftswahl sogar völlig überraschend.

Im Vorfeld gingen die Marktteilnehmer überwiegend von einem anderen Ausgang aus. Aber nach allen 4 Ereignissen stiegen die Aktienmärkte an.

Seltsam? Verrückt? –  Nein, nicht unbedingt! Denn mit jedem Ereignis wurde auch eine gewisse Unsicherheit aus dem Markt genommen.

Es ist ganz einfach der Gegenpart von der Börsianer-Weisheit „Sell on Good News“ (Verkaufen bei guten Nachrichten) eingetreten: nämlich „Buy on Bad News!“ (Kaufen bei schlechten Nachrichten).

Was jetzt in der ganzen Erleichterungs-Rally vergessen wird: Es bleiben aber Bad News!

Die BrExit-Folgen und auch die Unsicherheit über Trumps politische Entscheidungen sind noch lange nicht ausgestanden. Deshalb warne ich vor allzu viel Euphorie!

Fazit:

Für den Börsenverlauf 2017 rechne ich mit schwankungsstarken Märkten. Egal ob Ölpreis, BrExit, Zinsen oder Trump – die Börsenwelt wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht rosarot verlaufen.

Es steht uns also ein spannendes Börsenjahr 2017 ins Haus.

Wie sich die charttechnische Situation aktuell darstellt, analysieren wir zunächst in derkurzfristigen Analyse und werfen einen Blick auf den 1-Monats-Chart des DAX-Index:

dax-2112-1m

DAX-Chart 1 Monat (Stunden-Balken)

Wann endet der Rally-Modus?

Im kurzfristigen Chartbild des DAX-Index sehen Sie den mit einem GAP (Kurslücke) vollzogenen Sprung über die Trigger-Marke von 10.800 Punkten (rote Linie).

Die nachfolgende Dynamik der Anschluss-Rally hatte ich Ihnen hier bereits mehrfach angekündigt. Sie führt aktuell dazu, dass die Märkte überkauft sind.

Dem kurzfristigen 1-Monats-Chart-Bild ist erneut charttechnisch nichts weiter abzugewinnen, denn es fehlen die Anhaltspunkte im freien Raum oberhalb der Triggermarke.

Dazu müssen wir uns den mittelfristigen Chart des DAX-Index anschauen:

dax-2112-1j

DAX-Chart 1 Jahr (8-Stunden-Balken)

Widerstand 11.300/400 überboten. Markt überkauft!

Nach der langandauernden Seitwärts-Phase gelang dem DAX-Index endlich der Sprung über die wichtige und sehr hartnäckige Widerstandsmarke von 10.800/25 Punkten.

Damit ist dieser Bereich ab sofort als eine starke Unterstützung zu werten (grüne unterbrochene Linien)!

Durch die vergangenen Tiefpunkte und Hochpunkte hat der DAX-Index einen neuen Aufwärts-Trendkanal etabliert (dunkelblauer Trendkanal).

In den vergangenen Tagen hat er diesen sogar nach oben übersprungen.

Aber so langsam läuft der DAX-Index heiß!

Diese Übertreibung nach oben kann durch die monatelange Seitwärts-Phase mit immer mehr aufgestautem Potenzial erklärt werden. Dieses hat sich nun entladen.

Charttechnisch ist zwar ein weiterer Trendkanal mit größerer Steigung auszumachen (hellblauer Trend), doch früher oder später sollte der DAX-Index sich wieder in den flachen längeren Aufwärtstrend zurückfallen.

Ich erwarte nicht, dass der Index hier weiter durchstarten kann, und den Widerstand nach oben durchschlägt.

Das bedeutet: Der DAX-Index braucht jetzt zunächst einmal eine Pause, in der die überkaufte Situation abkühlen kann.

Zwar kann bis Jahresende noch der steile Kanal ausgereizt werden, weil viele Institutionelle und Fonds Ihre Bücher aufpolieren müssen (so genanntes „Window Dressing“), aber die Abkühlung wird kommen.

Maximales Ziel wäre somit zum Jahresende 10.750 Punkte, dann sollte der Markt konsolidieren. Zumal auch die US-Indizes völlig überkauft und ebenfalls korrekturanfällig sind.

Um Potenziale für 2017 auszuloten, werfen wir abschließend ein Blick auf den langfristigen 10-Jahres-Chart des DAX-Index:

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DAX-Chart 10 Jahre (Wochen-Balken)

Allzeithoch bei 12.400 möglich!

Im langfristigen 10-Jahres-Chartbild des DAX-Index sehen Sie sehr schön, wie er zuletzt den seit März 2015 fast 20 Monate andauernden Abwärts-Trendkanal (roter Trendkanal) überwunden hat.

Aktuell befinden wir uns im Index an einem Widerstand, der vom Hochpunkt vor etwa genau 1 Jahr herrührt.

Dieser verleiht dem ohnehin schon bestehenden Widerstand (siehe Mittelfrist-Analyse) weitere Widerstandskraft.

Sollte er im Laufe des nächsten Jahres überwunden werden, dann rückt das Allzeithoch von März 2015 in den Fokus. Es liegt bei 12.400 Punkten.

Gelingt diese Strecke bis dahin, dann erwarte ich sogar, dass sich der DAX-Index noch weiter nach oben entwickeln kann.

Ziel wäre dann die obere Begrenzung des ungefährdeten langfristigen blauen Aufwärts-Trendkanals – und das wären deutlich über 13.000 Punkte.

Aber so weit sind wir noch nicht, denn auch die andere Seite will berücksichtigt werden. Zu schnell ansteigende Zinsen wären beispielsweise ein Alarmsignal.

Nach unten sind die bekannten Marken von 10.800, 10.000 und 8.500 zu nennen.

Fazit: Aktuell überkaufte Situation. Pause nötig. Danach als 1. Ziel 11.750 und im Optimalfall 12.400 bis März 2017.

Aber: Sie sollten ein Auge auf den Krieg zwischen Donald Trump und Janet Yellen haben, der schnell zu übermäßig steigenden Zinsen führen kann. Und: Zu schnell ansteigende Zinsen sind Gift für die Börse.

2017 wird spannend – freuen wir uns darauf!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Ihren Liebsten eine ruhige, gesegnete und friedvolle Weihnachtszeit.

21. Dezember 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Michael Sturm. Über den Autor

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