2018: Ein erster Blick nach vorn

Heute schauen wir auf eine erste wichtige Einflussgröße auf die Finanzmärkte: den US-Dollar. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Wie wir gestern resümiert haben, war vor 12 Monaten die tolle Performance der Aktienmärkte im vergangenen Börsenjahr nicht unbedingt zu erwarten:

Noch unmittelbar vor den US-Präsidentschaftswahlen hatte die weit überwiegende Mehrheit der Börsenexperten im Falle eines Trump-Sieges den Absturz der Aktienmärkte vorausgesagt.

Bis Anfang 2017 hatte die Wall Street in 7 Wochen dann rund +9% zugelegt: Für alle Experten erst recht ein Grund, noch skeptischer zu sein.

Eine weitere Überraschung im letzten Jahr war der extrem schwache US-Dollar. Wir werden daher heute einmal analysieren, was wir in diesem Börsenjahr von der amerikanischen Währung erwarten können.

Nicht der Euro ist stark, sondern der US-Dollar schwach

Auch wenn wir das immer gerne aus der europäischen oder deutschen Sicht betrachten: Es war nicht so sehr der Euro, der 2017 stark wurde. Vielmehr wurde der US-Dollar schwach gegen die meisten anderen Währungen.

Schauen wir uns das einmal in der nachfolgenden Grafik gemeinsam an:

us-dollar-index_03-01-2018

US-Dollar Index: Gegen alle Weltleitwährungen schwach

Zum besseren Verständnis: Der US-Dollar Index vergleicht den Wert des US-Dollars mit einem Währungskorb aus den 6 größten Währungen der Welt:

Dem Euro (Gewichtung: 57,6%), dem japanischen Yen (13,6%), dem britischen Pfund (11,9%), dem kanadischen Dollar (9,1%), der schwedischen Krone (4,2%) und dem Schweizer Franken (3,6%).

In der Spitze verlor der US-Dollar Index -12,2% im vergangenen Jahr – und das im Durchschnitt gegenüber ALLEN im Korb vertretenen Währungen!

Aus dem Chart können Sie 2 Punkte entnehmen: Zum einen befindet sich der US-Dollar Index in einem Abwärtstrend. Zum anderen nähert sich der US-Dollar Index bereits wieder dem Vorjahrestief aus 2017 (90,99).

Daraus folgt: Die Wahrscheinlichkeit, dass der US-Dollar Index auch in diesem Börsenjahr an Wert einbüßt, ist hoch.

Was den Preis einer Währung beeinflusst – Teil 1

Fundamental betrachtet, ist das eigentlich widersinnig. Nehmen wir das Währungspaar Euro / USD als Beispiel:

Traditionell bewegt sich das Kapital der Großinvestoren immer in die Währung hinein, welche die bessere Zins-Rendite abwirft. Und diese Käufe treiben dann den Kurs der Devise in die Höhe.

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Nach 4 Anhebungen seit Dezember 2016 liegt der Leitzins in den USA bei 1,25% bis 1,50%. Die Europäische Zentralbank (EZB) hält indes weiter an ihrer Nullzins-Politik fest.

Dementsprechend hätte es im vergangenen Jahr eigentlich komplett andersherum laufen sollen: Ein schwacher Euro und ein starker US-Dollar.

Was den Preis einer Währung beeinflusst – Teil 2

Zusätzlich wird die Stärke einer Währung auch durch die Wirtschaftskraft eines Staates sowie deren Export- und Import-Potenz bestimmt.

Seit Herbst 2016 können wir ein fortgesetzt kräftiges Gewinnwachstum der US-Unternehmen und somit ein kräftiges Wirtschaftswachstum konstatieren. Der schwache US-Dollar begünstigt hier sogar noch die Exportseite.

Das Wirtschaftswachstum hätte den US-Dollar aber eher steigen lassen sollen. Ich war daher schon im Mai 2017 zu der Interpretation gelangt, dass das internationale Großkapital wegen des US-Präsidenten Trump die Flucht angetreten hat!

Euro / USD: Die wahrscheinliche Handelsspanne für 2018

Die Frage, die sich damit stellt, lautet: Wird sich das internationale Großkapital an den US-Präsidenten Trump gewöhnen oder weiter flüchten?

Schauen wir dazu nun auf den Jahres-Chart des Euro / USD:

euro-usd_03-01-2018

Euro / USD: +6,25% Aufwärts- und -9,6% Abwärtspotenzial in 2018

Wie Sie sehen, bewegt sich das Währungspaar seit dem Jahr 2008 in einem Abwärtstrend. Auf der Unterseite sehen wir einen Aufwärtstrend, der im Jahr 1985 begann.

Der vertikale blaue Balken zeigt Ihnen nun in Kooperation mit den gestrichelten Horizontalen die wahrscheinliche Handelsspanne für das Jahr 2018:

Oben stößt das Währungspaar bei etwa 1,2750 an den Abwärtstrend. Unten wartet bei 1,0850 der langfristige Aufwärtstrend. Das bedeutet bei einem aktuellen Währungskurs von 1,2000 ein Aufwärtspotenzial von +6,25% und ein Abwärtspotenzial von -9,6%.

Für den unwahrscheinlichen Fall eines massiv wieder erstarkenden US-Dollars (und schwächelnden Euros) wartet bei 1,0350 noch eine Unterstützung, die sich in den zurückliegenden 3 Jahren ausgebildet hat.

Auch wenn ich das Gegenteil – einen anhaltend massiv starken US-Dollar – für ebenso wenig wahrscheinlich halte, möchte ich es dennoch ansprechen:

Oberhalb von 1,2750 würde der Abwärtstrend seit 2008 gebrochen – was wiederum einen noch schwächeren US-Dollar implizieren würde.


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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.