2019 im Zeichen des MDAX

mdax

Mit Aktienindizes war es im vergangenen Jahr schwer, Geld zu verlieren. Bemerkenswert war dabei insbesondere die Entwicklung des MDAX. (Foto: Delux/Shutterstock)

Mit den Jahresrückblicken ist es wie mit den Schokoladennikoläusen: Sie kommen immer früher in die Läden. Verhaltensökonomen erklären diese Entwicklung damit, dass die Autoren der Rückblicke ihren Leser genügend Zeit geben wollen, die zahlreichen Ereignisse eines Börsenjahres verarbeiten zu können. Darum will ich Sie heute auch nicht mit der hundertsten Aufarbeitung der Skandale oder Überraschungen des vergangenen Jahres langweilen, sondern Ihr Augenmerk auf die an den Börsen erzielbaren Kursgewinne richten.

Geld verlieren kaum möglich

Die hatten es im vergangenen Jahr nämlich in sich. Zum einen, weil es weltweit kaum möglich war, mit Aktien Geld zu verlieren. Das war eigentlich nur den Anlegern möglich, die ihr Geld in den chilenischen, kenianischen oder polnischen Aktienmarkt investiert haben, die im vergangenen Jahr 12,1%, 7,5% bzw. 6,5% an Wert verloren. Bei allen anderen Aktienmärkten standen dagegen meist zweistellige Zugewinne auf der Anzeigentafel.

Am stärksten zugelegt hat 2019 der Aktienmarkt der russische RTS-Index, ein kapitalisierungsgewichteter Aktienindex der 50 liquidesten russischen Aktien. Dieser konnte im Jahresvergleich knapp 43% zulegen. Nicht verstecken muss sich aber auch nicht der Nasdaq 100, der mit einer Performance von knapp 38% an zweiter Stelle rangiert. Den dritten Platz teilen sich der rumänische Bucharest Stock Exchange Trading Index (BET) und der MDAX mit Kursgewinnen von rund 32%. Der Index der 70 mittelgroßen Unternehmen Deutschlands konnte damit den DAX (27%) und den SDAX der deutschen Small-Caps (31%) hinter sich lassen.

Allen Pessimisten zum Trotz

Das hatten sich die Pessimisten ganz anders vorgestellt. Erinnern Sie sich an all die Warnungen, die wir Aktionäre im Verlauf des letzten Jahres über uns ergehen haben lassen müssen? Wie oft war von einer Eskalation des Handelskrieges zwischen den USA und China die Rede? Wie oft wurden Konjunkturwarnungen ausgesprochen? Wie oft wurde der Brexit als „schwarzer Schwan“ herangezogen?

mdax

Übernahme-Wissen: Richtiges Verhalten bei GerüchtenIm Übernahme-Geschäft gibt es nicht nur Chancen, sondern auch Risiken. Hier erfahren Sie, was zu tun ist, wenn die Aktie nach Gerüchten hochschießt. › mehr lesen

Und doch verzeichneten selbst die Aktienindizes der umkämpftesten Volkswirtschaften in den zwölf Monaten zweistellige Wachstumsraten. Chinas Wirtschaft etwa, deren Wachstum sich auf den niedrigsten Stand seit Jahrzehnten verlangsamte. Oder das deutsche verarbeitende Gewerbe, das nur knapp an einer Rezession vorbeischrammte.

Und nicht nur das. Zugleich wurden viele Rekordstände erreicht. Der S&P 500 zum Beispiel notierte im vergangenen Jahr an 19 Tagen – als knapp 8% aller Handelstage – auf einem Allzeithöchststand. Seit 1928 hat die US-Börse an knapp 5% aller Handelstage auf einem neuen Allzeithoch geschlossen. Dies kann man nun auf zweierlei Arten betrachten: Zum einen, dass Allzeithochs an der Börse eher den Normalzustand darstellen. Zum anderen, dass die Börse an 95 % der Tage nicht auf dem Allzeithoch stehen, sie sich also in einem Zustand des sogenannten Drawdowns befindet, also in einer Marktkorrektur.

MDAX schlägt SDAX und DAX

Im Nachhinein zeigt sich jedoch, dass diese Korrekturen auf die Performance des Anlegers völlig irrelevant waren. Zumindest auf die Performance eines langfristigen orientierten und diversifizierten Anlegers, der sich zum Jahreswechsel an imposanten Kursgewinnen erfreuen darf. Für ihn sollte auch die Entwicklung des MDAX 2019 keine Überraschung gewesen sein, schließlich hat dieser Index seit Auflegung der Auswahlindizes durch die Deutsche Börse zum Jahresende 1987 eine durchschnittlich um 3 Prozentpunkte bessere Performance vorgelegt als DAX und SDAX.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
thilo-hassler-experte
Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter von Peter Thilo Hasler. Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz