23.06.2016: Der Tag der Entscheidung

2.099, nochmals 2.099 und 2.096 Punkte sind die 3 letzten Wochenschlusskurse des S&P 500. Auf Basis seiner Wochenschlusskurse notiert der S&P 500 damit 1,5 beziehungsweise 1,6% unter seinem Allzeithoch. Den Sprung darüber schafft er derzeit nicht. Noch nicht! Der Kursausbruch ist aber täglich möglich. Denn 1,5% beziehungsweise 1,6% ist oft die Schwankungsbreite eines Handelstages.

Am 23.06.2016 ist das Referendum der Briten über den Verbleib in oder Austritt aus der EU (Brexit). Die Unsicherheit über den Ausgang belastet die Märkte und sorgt auch dafür, dass der Kursausbruch nach oben nicht gelingt.

Parallel zum Stillstand im S&P 500 löst sich der DAX 30 nicht von den glatten 10.000 Punkten nach oben. Dabei ist der DAX 30 vom Referendum der Briten deutlich mehr belastet als der S&P 500.

Brexit entscheidet

Ein neuer Trend ist vor dem Brexit nicht zu erwarten, aber es kann volatil bleiben, denn:

Diese Woche Freitag ist der dreifache Verfallstag. Der dreifache Verfallstag ist an jedem 3. Freitag der Monate März, Juni, September und Dezember. An dem Termin verfallen an den wichtigen Terminbörsen dieser Welt Optionen und Futures auf Einzelwerte und Indizes.

Institutionelle Anleger versuchen im Vorfeld oft, die Notierungen der Aktien und Indizes auf gute Abrechnungskurse für Ihre Positionen zu lenken. Durch diese – allein durch den Verfallstag motivierten – Käufe und Verkäufe kommt es im Vorfeld des Verfallstags oft zu großen Kursschwankungen, die aber keinen neuen Trend auslösen.

In der Woche darauf, am 23.06.2016, ist das oben erwähnte Referendum der Briten. Vermutlich wird der Tag die Entscheidung bringen, ob der Ausbruch nach oben noch im Juni erfolgt. Bis dahin kommen die Kurse wohl nicht voran. Den Stillstand der Märkte können Sie im Chart des S&P 500 auf Basis seiner Wochenschlusskurse gut nachvollziehen.

Analyse und Prognose per Wochenschlusskurs ist treffsicher

Wenn Sie die folgende Erklärung zum Chart auf Basis seiner Wochenschlusskurse kennen, lesen Sie einfach beim Chart weiter. Wenn es für Sie neu ist:

Ich nutze für meine Charts gerne die Wochenschlusskurse der Indizes oder Aktien. Diese Chart-Einstellung blendet das Auf und Ab innerhalb des Wochenverlaufs aus. Genau dadurch sind nachhaltige Kursbewegungen zu erkennen, die Trends gut bestimmen lassen.

In dieser Chart-Einstellung analysiere ich den DAX 30 Index, Dow Jones, S&P 500 etc

Hier sehen Sie den aktuellen Chart des S&P 500.

S&P 500: Die Ruhe vor dem Sturm

S&P500-Index_2016_06_13

Vor gut einem Jahr, genau am 22.05.2015, hat der breit gefasste US-Aktienindex S&P 500 das bis heute gültige Allzeithoch auf Basis seiner Wochenschlusskurse markiert. Es liegt bei 2.131 Punkten.

Anschließend verlor er bis Anfang dieses Jahres mehr als 10% (gelber Kreis). Im 1. Quartal 2016 folgte die Trendwende. Der S&P 500 legte auf 2.099 Punkte zu. Von da aus gerechnet fehlen nur 1,5% bis zum Allzeithoch. Und von den aktuellen 2.096 Punkten aus, sind es auch nur 1,6% bis zum Allzeithoch.

Trotz aller Krisen (nicht vollständige Stichworte: Griechenland, Brexit, Ölpreis, Kriege mit Flüchtlings­problematik und Nullzinspolitik der Notenbanken) notiert der S&P 500 knapp unter Allzeithoch.

23.06.2016: Der Tag der Entscheidung

Unsicherheit hasst die Börse mehr als schlechte Nachrichten. Denn schlechte Nachrichten sind Fakten, die man kennt und mit denen man planen kann. Der Ausgang des am 23.06.2016 stattfindenden Referendums über den Brexit sorgt für Unsicherheit. Wie auch immer die Entscheidung ausfällt: Danach herrscht Klarheit. Und die liebt die Börse.

Bleiben die Briten in der EU, erwarte ich im S&P 500 einen schnellen Ausbruch auf ein neues Allzeithoch. Der DAX 30 wird dem S&P 500 folgen.

Verlassen die Briten die EU, mag es kurzzeitig zu Kursrücksetzern kommen. Aber auch dann gibt es Klarheit. Auch die Entscheidung sollte deshalb nach einiger Zeit dafür sorgen, dass die endlos erscheinende Seitwärtsphase mit einem Kursausbruch nach oben beendet wird.

Zum guten Schluss: Heute vor 217 Jahren, also am 13.06.1809 kam der deutsche Psychiater, Lyriker und Kinderbuchautor (Verfasser des Struwwelpeter) Heinrich Hoffmann auf unsere Welt. Er sagte:

„Arm. Jeder, der mehr haben will, nennt sich heutzutage so.“

Ich denke, die Worte sind nur mit einem Augenzwinkern zu unterschreiben. Auch wenn Sie an der Börse mehr haben wollen, so wünsche ich Ihnen, dass Sie nicht arm sind.

© Rainer Heißmann – Weiterverbreitung nur mit Link auf den Originaltext gestattet

13. Juni 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rainer Heißmann. Über den Autor

Rainer Heißmann ist Autor für Wirtschafts- und Börsenfachpublikationen und Chefredakteur vom "Optionen-Profi". Außerdem ist er Autor des Buchs "Reich mit Optionen". Seine größte Stärke: Komplexe Sachverhalte so zu erklären, dass sie auch dem Nicht-Fachmann verständlich und nachvollziehbar werden.

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