2,6 Mio. € für 55% von Brussel Airlines: Das große Lufthansa-Schnäppchen

Lufthansa-Aktionäre haben es derzeit schwer. Trotz einer soliden Stimmung an der Börse entpuppt sich das Papier von Deutschlands größtem Luftfahrt-Konzern als Tiefflieger.

Streit mit der Piloten-Vereinigung Cockpit, den Kabinen-Beschäftigten der Tochter Eurowings, Sorge über Buchungs-Rückgänge und Überkapazitäten sowie die wachsende Konkurrenz setzten der Aktie zu.

In den vergangenen 6 Monaten hat die Aktie 27% an Wert verloren – und das obwohl der Vergleichs-Index DAX um 7% zulegte.

Gestern Abend dann die nächste schlechte Nachricht:

Die OPEC (Organisation Erdöl-exportierender Länder) hat sich auf eine Begrenzung der Fördermenge geeinigt und den Ölpreis um über 6% nach oben geschickt.

Die Kerosin-Rechnung wird daher in der 2. Jahreshälfte höher ausfallen, was die Aktie am Morgen auf unter 10 € drückte, dem tiefsten Stand seit 4 Jahren.

Nicht alles schlecht bei der Lufthansa

Es gibt aber nicht nur schlechte Nachrichten. In den vergangenen Monaten hat die Lufthansa diverse Kooperationen geschlossen, um die Effizienz zu steigern.

Gestern gab die Airline bekannt, dass die Tochter Eurowings mit der schwer angeschlagenen Air Berlin einen 6-jährigen Leasing-Vertrag über bis zu 40 Maschinen abschließen werde.

Die Stärkung der Billigflug-Tochter ist im hart umkämpften Markt eine sehr positive Meldung, auch wenn der Deal das grundsätzliche Effizienz-Problem der Lufthansa nicht lösen wird.

Spohr krempelt Lufthansa um und kann erste Erfolge vorweisen

Man kann der Lufthansa keine Untätigkeit vorverwerfen. Der seit April 2014 amtierende Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat einiges bewegt.

Wurde in den ersten 6 Monaten 2014 noch ein EBIT von 216 Mio. € gemeldet, waren es in diesem Jahr bereits 518 Mio. € – trotz des harten Wettbewerbs und Buchungs-Zurückhaltung aufgrund von Terror.

Neben den vielen Kooperationen und der Umstrukturierung (Verkauf von Rechenzentren, Auslagerung der IT,  Veränderungen bei der Lufthansa Technik und Lufthansa Cargo) wurden auch verschiedene Übernahmen getätigt.

Lufthansa will Preis zum Krisenfall obwohl Brussel Airlines hohe Gewinne einfährt

Der attraktivste Zukauf, sofern er wie von Medien berichtet zustande kommt, wäre die Übernahme der Brussel Airlines.

Die Lufthansa ist bereits mit 45% größter Aktionär des „Politiker-Fliegers“ und hat sich frühzeitig die Option für den Rest der Aktien gesichert. Für den 45%-Anteil zahlte die Lufthansa im Jahr 2008 65 Mio. €.

Der Kaufpreis für die verbleibenden 55% sollte dabei in Abhängigkeit des Erfolgs bei bis zu 140 Mio. € liegen. Doch offenbar muss die Lufthansa nur 2,6 Mio. € zahlen.

Wie es heißt, beinhalte die Option eine Krisen-Klausel. Auf diese „Ausübung im Krisenfall“ soll die Lufthansa jetzt pochen – zum Ärger der verbliebenen Brussel Airlines-Eigentümer.

Offenbar ist die Interpretation des Krisenfalls nicht ganz eindeutig und auch die Lufthansa scheint sich noch nicht sicher zu sein, welcher Preis am Ende gezahlt wird.

Werden es am Ende wirklich 2,6 Mio. € für ein 55%-Anteil von einer Luftfahrt-Gesellschaft, die im Vorjahr einen Reingewinn von 41 Mio. € vermeldete, wäre es das Super-Schnäppchen für die Lufthansa.

29. September 2016

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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