3-D Systems: Sag niemals nie

Behaupten Sie besser nie, eine Aktie könne nicht mehr fallen: Haussen sterben stets in Eu-phorie! (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Erinnern Sie sich noch?

Fast auf den Tag genau vor 2 Jahren schien es, dass unsere Druckerwelt revolutioniert werden würde:

Ende Oktober 2013 kündigte der Branchenführer 3-D Systems (Ticker: DDD) den erstmaligen Verkauf von 3D-Druckern für das anstehende Weihnachtsgeschäft an.

Damit wurde seinerzeit die (vorerst) letzte Euphorie-Welle im Hype um diese neue Technologie ausgelöst.

Der Grund:: Mit Hilfe der 3D-Drucker lassen sich dreidimensionale Werkstücke computergesteuert „drucken“. Mit einem CAD-Programm (Computer-Aided-Design) wird ein Objekt im PC virtuell konstruiert.

Der 3D-Drucker setzt die Vorlage in ein reales Objekt um, indem aus einem oder mehreren durch Hitze verflüssigten und bei Erkalten schnell härtenden Werkstoffen quasi Tropfen für Tropfen das Werkstück gefertigt wird.

Dieses Verfahren wird v. a.von Design-Ingenieuren geschätzt. Die Vorteile sind offensichtlich: Anders als beim Drehen, Bohren oder Schneiden entsteht beim 3D-Druck kein Materialverlust.

Gegenüber dem Spritzgussverfahren beispielsweise entfallen das aufwendige Herstellen von Formen und das Formenwechseln. Dazu gesellen sich in den meisten Fällen ein geringerer Energieverbrauch sowie eine schnellere Fertigung.

Schnelle +43% Gewinn in nur 69 Tagen

In meinem Börsendienst Momentum-Trader waren meine Leser seinerzeit wieder einmal zum rechten Zeitpunkt investiert, wie der nachfolgende Chart belegt:

3-d systems corp. aktie in 2013-21-10-2015

3-D Systems Corp Aktie in USD in 2013: +43% Gewinn in 69 Tagen

Die 3-D Systems Aktie hatte in der ersten Jahreshälfte 2013 eine gewaltige Tasse-mit-Henkel-Formation (violette Linien) wie aus dem Charttechnik-Bilderbuch generiert.

Nachdem die Aktie Anfang September endlich ihre viermonatige Seitwärts-Bewegung nach oben verließ (pinkfarbene Linie), empfahl ich den Einstieg.

Ab Mitte Oktober spurtete die Aktie dann „richtig“ los: Der Anstieg verlief derart dynamisch, dass ich bereits Anfang November die Reißleine zog:

Meine Leser verkauften in 2 Tranchen und realisierten dabei Kursgewinne von +31,1% und 43,2% in nur 69 Tagen!

Nach einem scharfen Einbruch in der 2. November-Hälfte vollzog 3-D Systems einen weiteren Aufschwung auf 97,28 USD am 3. Januar 2014.

Vermutlich fragen Sie sich, warum ich Ihnen das alles schreibe, wo diese Geschichte doch schon 2 Jahre zurück liegt? Ich tue das, um Ihnen ein warnendes Beispiel zu geben.

Haussen sterben in Euphorie!

Nach meiner Verkaufs-Empfehlung bekam ich damals die eine oder andere Leserzuschrift, die den Ausstieg als verfrüht ansah.

Klar: In den darauffolgenden 2 Monaten wären bis zu 20 USD zusätzlicher Kursgewinn möglich gewesen.

Nach meiner Erfahrung war der Kursanstieg Ende Oktober / Anfang November 2013 allerdings schon als typische „Erschöpfungsbewegung“ zu bewerten.

Ein Aufschwung, der aus einer irren Euphorie heraus geboren war, was regelmäßig ein warnendes Zeichen für herrschende Irrationalität ist:

Tatsächlich brach der Aktienkurs nach dem Zwischenhoch am 18. November innerhalb von nur 2 Handelstagen um satte -20% ein (blau unterlegt).

Schauen wir uns nun einmal einen aktuellen Chart an:

3-d systems corp. aktie aktuell-21-10-2015

3-D Systems Corp Aktie in USD: -90% Kursverlust in nicht einmal 2 Jahren!

Wie Sie sehen, war die Aufwärtsbewegung zum Allzeithoch die finale Schwungwelle einer fantastischen Kursrallye. Anfang dieses Monats notierte 3-D Systems -90% unter dem Rekordwert vom 3. Januar 2014.

Es fehlt noch die Killer-Applikation

Wenn eine innovative Technologie auf den Markt kommt, dann braucht sie eine „Killer-Applikation“: Sie muss etwas können, was jeder haben möchte, weil es dem Käufer einen Nutzen bringt.

Diese „Killer-Applikation“ fehlt der 3-D Drucker-Technologie bis heute. Und daher ist sie noch nicht serienreif bzw. Massenmarkt-fähig.

Fazit

Es könnte sich dennoch lohnen, die 3-D-Drucker-Branche weiter zu beobachten: Nur weil eine „Killer-Applikation“ bis heute fehlt, heißt dies nicht, dass sie nicht bald einmal gefunden bzw. realisiert wird.

Auf jeden Fall jedoch sollten Sie beim Investieren immer dann vorsichtig werden, wenn eine Aktie oder eine ganze Branche derart „gehyped“ wird, wie das bei 3-D-Druckern im Herbst des Jahres 2013 der Fall war.

Wer damals geglaubt hat, dieser Technologie gehöre bereits die Zukunft und die 3-D Systems Aktie könne aus diesem Grund nur noch im Wert zulegen, der hat für seine Sicht der Dinge bis heute bitter bezahlen müssen.

Deshalb: Sag niemals nie …

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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.