Mit Immobilien-AGs die Depot-Struktur verbessern

Deutsche Immobilienaktien stehen zur Zeit nicht in der Gunst der Anleger. Für Negativschlagzeilen sorgte zuletzt die WCM Beteiligungs- und Grundbesitz […] (Foto: Phongphan / Shutterstock.com)

Deutsche Immobilienaktien stehen zur Zeit nicht in der Gunst der Anleger. Für Negativschlagzeilen sorgte zuletzt die WCM Beteiligungs- und Grundbesitz AG. Die Aktien des Unternehmens, das vor wenigen Jahren noch als ernsthafter Kandidat für den DAX galt, sind von knapp 35 auf 1 € abgestürzt.

Lassen Sie sich von solchen Meldungen aber nicht irritieren. Solide Immobilienaktien sind keine „Zockerpapiere“. Im Gegenteil, sie verleihen Ihrem Depot auch im Jahr 2004 Substanz und mehr Stabilität.

Das Beispiel WCM darf Sie erst recht nicht schrecken. Das Unternehmen wird zwar als Immobilienaktie geführt, gehört aber nicht in diese Klasse. WCM hat 2 Standbeine: Immobilien und Beteiligungen.

Mit den Immobilien hat WCM auch im Abschwung 2000 bis 2003 solide Gewinne erzielt. Völlig verspekuliert haben sich der Mehrheitsaktionär und das Management dagegen mit den Beteiligungen. Speziell die Beteiligung an der Commerzbank hat den Schuldenberg anwachsen lassen und bisher nur Verluste gebracht. Der Sonderfall WCM ist folglich nicht mit den soliden Immobilienaktien vergleichbar.

Ihre Vorteile als Anleger zur Verbesserung der Depot-Struktur

Als antizyklischer Anleger können Sie jetzt gegen den Trend in die substanzstarken Werte investieren. Diese bieten Ihnen die Möglichkeit,

  • die durch Immobilien gestützte Basis Ihres Vermögens auf einfache Weise zu erweitern;

  • sich an einem Immobilienportfolio unterschiedlicher Ausprägung zu beteiligen und dadurch Ihre Anlagerisiken im Vergleich zu einem Direktinvestment zu streuen;

  • von einer möglichen positiven Entwicklung am Immo-

  • bilienmarkt zu profitieren, ohne von einer 10-jährigen Spekulationsfrist abhängig zu sein, die beim Direktkauf von Immobilien gilt;

  • mit relativ geringen Summen in Immobilien zu investieren;

  • in Aktien zu investieren, die sich in der Vergangenheit von der Entwicklung der allgemeinen Aktienmärkte abkoppeln konnten;

  • in Immobilien zu investieren und trotzdem durch den täglichen Börsenhandel immer liquide zu sein.

Immobilienaktien bilden eine spezielle Aktienklasse

Die substanzstarken deutschen Immobilienaktien bilden de facto eine eigene Klasse. Die Kurse orientieren sich an den Immobilienpreisen und nicht an der Entwicklung des DAX oder des Dow Jones in den USA.

Der „Geldanlage-Berater“ rät davon ab, den Index für deutsche Immobilien-AGs, den DIMAX, als Indikator für die Stabilität von Immobilienaktien zu wählen. Unter den 55 dort aufgelisteten Werten finden Sie allenfalls eine Hand voll, die für Sie als Aktien-Anlage in Frage kommen.

Die meisten Werte haben neben der Immobiliensparte weitere Geschäftsfelder, werden kaum noch an der Börse gehandelt oder investieren in hochspekulative ausländische Immobilienmärkte.

Einen besseren Überblick verschafft Ihnen der Vergleich von ausgewählten Einzelwerten mit dem deutschen Leitindex DAX. Der DAX hat sich in den Krisenjahren 2001 und 2002 mehr als halbiert und ist von 6.500 auf 2.900 Punkte abgestürzt.

Die Aktie der Deutschen Wohnen AG, eine Abspaltung der Deutschen Bank, ist im gleichen Zeitraum aber leicht von 140 auf 144 € gestiegen. Und als Bonus erhielten die Anleger 2001 und 2002 jeweils eine steuerfreie Dividende in Höhe von 10 €. Das entspricht einer Dividendenrendite von gut 7% (je nach Einstiegskurs).

Die Deutsche EuroShop AG (WKN 748020), ebenfalls eine Abspaltung der Deutschen Bank, ist im Frühjahr 2001 an die Börse gegangen. Bis Ende 2002 fiel der Kurs von 37 auf 33 €. Rechnen Sie die steuerfreie Dividende von knapp 2 € pro Jahr hinzu, konnten Sie auch mit dieser Aktie Ihr Kapital in der Baisse wirksam schützen.

Fazit: In Zeiten fallender Aktienkurse können Sie mit ausgewählten Immobilienaktien Ihr Vermögen wirksam schützen.

Wie es den Deutschen tatsächlich geht, lesen Sie in dieser Infografik nach.

Echte Alternative zu Immobilien-Fonds: renditestarke Immobilien-Aktien

Die Banken empfehlen fast nur offene und geschlossene Immobilien-Fonds. Ausgewählte deutsche Immobilien- Aktien bieten aber mit ihren Ausschüttungen höhere Netto-Renditen von rund 6%.

Aufgrund der Empfehlungen der Banken erfreuen sich die offenen und geschlossenen Fonds größter Be-liebtheit. So flossen allein im 1. Halbjahr 2003 in Deutschland 12,2 Mrd. € in offene Immobilienfonds. Diese Summe würde problemlos reichen, um sämtliche Immobilien-AGs in Deutschland aufzukaufen (Marktkapitalisierung rund 10 Mrd. €).

Die geringe Akzeptanz von Immobilienaktien ist nicht gerechtfertigt, wie die folgende Übersicht der jeweiligen Vor- und Nachteile zeigt. Obwohl eine Investition in Immobilienaktien deutlich mehr Vor- als Nachteile bringt, raten Bankberater fast immer zu einer Fondslösung. Das hat seinen Grund.

Falls Sie mit Ihrer Bank über Immobilien sprechen, bedenken Sie: Bei einem hauseigenen Fonds kassiert die Bank einen Ausgabeaufschlag von 5%. Bei einer Investitionssumme von 5.000 € sind das immerhin mindestens 250 €. Beim Verkauf von 100 Immobilienaktien bleiben nur Verkaufsspesen von rund 20 € hängen.

Die Vier Kriterien für die erfolgreiche Auswahl von Immobilienaktien

Bevor Sie in den Immobilienmarkt investieren, sollten Sie die Aktiengesellschaft auf Herz und Nieren prüfen. Folgende Leitfragen geben Ihnen Orientierung:

  • Offene Kommunikation: Wie verhält sich das Unternehmen, wenn ein potenzieller Aktionär Fragen stellt? Kontaktieren Sie unverbindlich das Unternehmen, und

  • fordern Sie Informationsmaterial und den aktuellen Geschäftsbericht an. Dieser muss Ihnen kostenlos ausgehändigt werden. Zeigt das Unternehmen kein Interesse und blockt Ihre Fragen ab, scheidet es als Investition aus.

  • Transparenz: Wissen Sie nach dem Studium des Geschäftsberichts, welches Geschäftsmodell das Unternehmen verfolgt, wie erfolgreich die Strategie bisher umgesetzt wurde und wie das Management die zukünftige Lage einschätzt? Schreibt das Unternehmen rote Zahlen und kündigt der Vorstand in der Einleitung mit visionären Worten einen Strategiewechsel an, ist Vorsicht geboten.

  • Solide Bilanzen: Wie schätzt das Management zum Beispiel das Verhältnis von Eigen- und Fremdkapital ein? Eine Eigenkapitalquote deutlich unter 50% sollte im Geschäftsbericht überzeugend erklärt werden.

  • Liquider Handel: Wird die Aktie täglich in ausreichenden Stückzahlen in Deutschland gehandelt? Ein wesentlicher Vorteil der Immobilienaktie gegenüber anderen Immobilien-Investitionen ist die schnelle Verkaufsmöglichkeit. Vor dem Kauf sollten Sie daher die Tagesumsätze beobachten (Kurszettel in Börsenzeitungen oder im Internet).

Das Hauptziel lautet: Die deutschen Immobilienaktien sollen national und international stärker als bisher in den Fokus der Kapitalmärkte gebracht werden. Gelingt dies, steigt auch der Aktienkurs.

Kurz-Check für Ihre Auswahl

  • Bevor Sie in Immobilienaktien investieren, prüfen Sie, ob Aktien oder Fonds-Lösungen besser zu Ihrer Anlagesituation passen.

  • Immobilienaktien sind für Sie optimal, wenn Sie eine Mischung aus Kurs-Potenzial und Dividenden-Ausschüttung bevorzugen und Sie dafür Kursschwankungen in Kauf nehmen.

  • Prüfen Sie bei der Auswahl der Immobilienaktie die 4 Kriterien: Transparenz, offene Kommunikation, solide Bilanzen und liquider Handel.

  • Beachten Sie das Börsenumfeld. Kurzfristig kann die Börsenstimmung den Kurs beeinflussen, langfristig bestimmt der Immobilienwert den Kurs.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.