3-Filter-Aktie des Monats: Kennen Sie Hügli?

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Wer nicht in der ersten Schweizer Börsenliga spielt, ist in Deutschland kaum bekannt. Das trifft auch auf den Lebensmittelhersteller Hügli zu. Doch Hügli sollten Sie kennenlernen! (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Gegessen und getrunken wird immer.

Diese alte Binsenweisheit wird immer dann aus der Schublade gezogen, wenn die Finanzmärkte Kapriolen schlagen. Zu Recht, denn in Zeiten stark schwankender Aktienkurse schonen Unternehmen aus der wenig zyklischen Lebensmittelbranche die Nerven der Anleger.

Auf Lebensmittel kann die Menschheit nun mal nicht verzichten. Ein Paradebeispiel ist der Branchenprimus Nestlé, mit dem Sie seit unserer Erstempfehlung schon rund 150% Gewinn eingefahren haben.

Aber auch in der zweiten und dritten Reihe finden Sie solide Unternehmen, die Ihnen langfristig attraktive Renditen bieten. Werfen Sie einen Blick auf Hügli: Innovative Produkte und ein ausgezeichnetes Management sind Garanten für eine seit Jahren stabile Ertragsentwicklung selbst in Krisenzeiten.

Hügli erfüllt die 3-Filter-Kriterien

Der Lebensmittelproduzent erfüllt die Kriterien der 3-Filter-Strategie nach James O’Shaughnessy:

  1. Seit 2012 ist der Gewinn kontinuierlich gestiegen.
  2. Bei einem für 2015 geschätzten Umsatz von 380 Mio. SFr errechnet sich ein KUV von 0,9.
  3. Die Aktie hat sich in den vergangenen 12 Monaten besser entwickelt als der Vergleichsindex SPI.

Das profitable Wachstum setzte sich im 1. Halbjahr fort…

Hügli schreibt seit dem Jahr 2000 schwarze Zahlen und konnte während der Finanzkrise 2008/09 den Gewinn sogar steigern. Auch die Franken-Aufwertung hat das Unternehmen nicht aus der Spur gebracht.

Im 1. Halbjahr stiegen der Umsatz um 1,1% auf 187 Mio. SFr, das operative Ergebnis (EBIT) um 1,6% auf 16,3 Mio. SFr und der Nettogewinn um 1,8% auf 11,9 Mio. SFr. Wachstum gab es aber nur in Deutschland, Profitabilitätsverbesserungen dagegen in den restlichen west- und osteuropäischen Ländern.

Bei den Produktgruppen überzeugten Private Label, Brand Solutions und akquisitionsbedingt Consumer Brands mit höheren Umsätzen.

… wäre ohne Währungseffekt aber höher ausgefallen

Gebremst wurde die Geschäftsentwicklung durch die Frankenstärke. Ohne den negativen Währungseffekt wären Umsatz und Ergebnis zweistellig gestiegen. Da Hügli mehr als 80% des Umsatzes außerhalb der Schweiz erwirtschaftet, haben die ungünstigen Wechselkurse den Umsatz um gut 19 Mio. SFr geschmälert.

Andererseits produziert Hügli überwiegend im Ausland, sodass auch mehr als 80% der Kosten in anderen Währungen anfallen. Entsprechend resultiert der Haupteffekt der Fremdwährungsverluste aus der Umrechnung der Erträge der Auslandsgesellschaften in Schweizer Franken.

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Die Folgen der Frankenaufwertung finden aber auch ihren Ausdruck in einer Konsumzurückhaltung der Touristen, besonders in der Gastronomie. Um den Schweizer Standort zu stärken, hat Hügli bereits Maßnahmen zur Optimierung der Einkaufskonditionen und zur Effizienzsteigerung eingeleitet.

Prognose für 2015 wurde bestätigt

An den Jahreszielen hat sich nichts geändert. Wie bereits im April kommuniziert, erwartet das Management im Gesamtjahr ein Umsatzwachstum in Lokalwährungen von 11%. Davon entfallen 4,5% auf organisches Wachstum und 6,5% auf die Anfang des Jahres akquirierten Marken EDEN und granoVita.

Das EBIT soll in Lokalwährungen ebenfalls zweistellig steigen. Tatsächlich werden Umsatz, EBIT und Nettogewinn unter der Annahme eines negativen Wechselkurseffekts von 10% deutlich langsamer steigen.

Ab 2016 wird sich das Wachstum beschleunigen

In den kommenden Jahren sollte das Geschäft wieder an Dynamik gewinnen. Vor allem die Bereiche Bio-Lebensmittel und Health & Nutrition innerhalb der Sparte Brand Solutions haben reichlich Potenzial. Hügli erwartet marktüberdurchschnittliche Wachstumsraten.

Dabei spielt dem Unternehmen die demografische Entwicklung in die Karten. Den wachstumsstarken Markt für Seniorenernährung bedient Hügli mit einer Reihe hochwertiger und kulinarisch anspruchsvoller Produkte.

Das Sortiment Health & Nutrition ist speziell auf die Bedürfnisse älterer Menschen abgestimmt und umfasst Produkte, die den täglichen Bedarf an Energie und Nährstoffen decken. Abnehmer sind in erster Linie Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen.

Jüngeren Konsumenten hat Hügli ebenfalls einiges zu bieten. Dazu gehören isotonische Getränke, Proteinshakes und Molke-Drinks, die die Leistungsfähigkeit verbessern.

Aber auch in den Sparten Private Label, Food Industry und Consumer Brands erschließt sich Hügli neue Kundenkreise und Absatzkanäle, um das Wachstum zu beschleunigen. Besonders die großen internationalen Handelsketten hat Hügli im Auge.

Fazit

Hügli ist ein innovatives, gut geführtes und auch finanzstarkes Unternehmen. Die Eigenkapitalquote beträgt trotz der Belastungen durch die Frankenstärke immer noch gut 53% und sucht damit in der Nahrungsmittelbranche ihresgleichen. Selbst Nestlé kann da nicht mithalten.

Die Nettoverschuldung sank im 1. Halbjahr trotz höherer Investitionen um 2,8% auf 54,8 Mio. SFr. Das 2016er-KGV von rund 13 entspricht dem historischen Durchschnitt und ist im Branchenvergleich günstig.


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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.