3-Filter-Aktie des Monats: Sektkellerei Schloss Wachenheim

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Weil die Deutschen so gern Sekt trinken, kann auch die Sektkellerei Schloss Wachenheim auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr zurückblicken. (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Die Sektkellerei Schloss Wachenheim erfüllt die Kriterien der 3-Filter-Strategie nach James O’Shaughnessy:

• Sieht man einmal von dem unwesentlichen Rückgang im Jahr 2011 ab, ist der Gewinn seit 2008 kontinuierlich gestiegen.

• Bei einem Umsatz von 307 Mio. € errechnet sich ein KUV von knapp 0,3.

• Auf Jahressicht und auf einen längeren Zeitraum hat die Aktie den Vergleichsindex General Standard hinter sich gelassen.

Im Sekt trinken sind die Deutschen spitze …

Dass es die Deutschen prickelnd mögen, ist kein Geheimnis. Der Pro-Kopf-Verbrauch bei Sekt lag 2011 (neuere Zahlen sind nicht verfügbar) bei 4,1 Litern. Bei einem geschätzten globalen Sektmarkt von 2 Mrd. Flaschen, was einer Menge von 1,5 Mrd. Litern entspricht, wird rund jede fünfte weltweit konsumierte Flasche (22%) in Deutschland entkorkt. Damit liegen die Deutschen international an der Spitze.

Ungeachtet der wirtschaftlichen Unsicherheiten geht der Trend zu höherwertigen Sektmarken. Besonders am Jahresende wird reichlich Sekt getrunken. Nach einer Forsa-Umfrage ist eine Silvesterfeier ohne Sekt für 78% der Deutschen nicht vorstellbar. Die Sektkorken knallen aber nicht nur zu Silvester und Weihnachten, auch bei anderen Anlässen werden etliche Sektflaschen geköpft. Das prickelnde Getränk ist vor allem bei Frauen sehr beliebt.

… und bescheren der Sektkellerei Rekordgewinne

Von der Liebe der Deutschen zum Sekt profitiert auch die Sektkellerei Wachenheim. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2012/13 stieg der Umsatz um 4,6% auf 307 Mio. € und der Gewinn um 9,4% auf den Rekordwert von 9,6 Mio. €.

Verantwortlich für diese gute Entwicklung waren die innovativen Produkte, die anhaltende Exportstärke sowie der wirtschaftliche Erfolg aller Tochtergesellschaften. Der Absatz ging allerdings um 4,1% auf 222,3 Mio. Flaschen zurück. Mit Preiserhöhungen konnte das Unternehmen jedoch gegenhalten.

Angesichts der schlechten Weinernte 2012 waren die Kosten für Grundwein, aber auch für andere Rohstoffe sowie für Verpackungsmaterial zum Teil drastisch gestiegen. Dass es Schloss Wachenheim gelungen ist, diese höheren Kosten an die Konsumenten weiterzureichen, zeugt von der starken Marktposition des Unternehmens.

Alle Tochtergesellschaften sind gewachsen …

Das Deutschland-Geschäft wuchs um 7% auf 105,7 Mio. €. Maßgeblichen Anteil an diesem Erfolg hatten neben den namhaften Sektmarken auch die neuen „Ready to Drink“-Kultgetränke Hugo und Sprizz, die es jetzt auch als alkoholfreie Varianten gibt. Schloss Wachenheim sieht in diesem Segment weiteres Potenzial. Ein weiterer Wachstumstreiber war das Exportgeschäft, auf das mittlerweile 17% des Umsatzvolumens entfallen.

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Die gelungene Markteinführung der neuen Produkte hatte aber auch ihren Preis. Hohe Werbeaufwendungen für TVKampagnen ließen das operative Ergebnis, wenn auch nur geringfügig, von 4,6 auf 4,5 Mio. € schrumpfen.

… die Auslandsgesellschaften sogar profitabel

Die französische Tochter konnte ebenfalls, trotz des unverändert schwierigen konjunkturellen Umfelds, starke Zahlen präsentieren. Der Umsatz stieg um 7,4% auf 106,2 Mio. € und das operative Ergebnis um 7,7% auf 8,7 Mio. €. Wachstumstreiber waren auch hier ein innovativer Produktmix sowie kräftige Zuwächse im Exportgeschäft.

Die Produkte aus Frankreich waren in erster Linie in Russland und China sehr begehrt. Noch schwerer hatte es die polnische Tochter AMBRA. Dennoch gelang ihr ein leichtes Umsatzplus auf 102,5 Mio. €. Das operative Ergebnis stieg dagegen um 9% auf 7,9 Mio. €.

Schloss Wachenheim bleibt auf Kurs

Mit umfangreichen Werbe- und Verkaufsförderungsmaßnahmen für die wichtigsten Produkte will Schloss Wachenheim seinen Wachstumskurs fortsetzen. Gleichzeitig sind Investitionen in die Produktionsanlagen geplant, um Qualität und Effizienz weiter zu optimieren. Zudem soll der Export angekurbelt werden. 2012/13 gingen 36 Mio. Flaschen ins Ausland. Diese Zahl will das Unternehmen bis zum Ende des Jahrzehnts verdoppeln.

Besonders Asien hat noch reichlich Potenzial. Die Investitionen in Marketing, Produktion und Expansion kann sich Schloss Wachenheim angesichts der robusten Bilanz auch leisten: Die Eigenkapitalquote liegt aktuell bei 46%, und die liquiden Mittel haben sich im Jahresvergleich auf 3,65 Mio. € mehr als verdoppelt.

Die Ziele für das laufende Geschäftsjahr lauten: ein leichtes Umsatzwachstum sowie ein Gewinn auf nach wie vor hohem Niveau. Konkreter wurde das Management nicht. Wir erwarten 322,5 Mio. € Umsatz und 10,65 Mio. € Gewinn. Besonders zum Jahreswechsel rechnen wir mit einem Wachstumsschub.

Die Aktie notiert deutlich unter Buchwert

Aufgrund der guten Geschäftsentwicklung soll die Dividende um gut 30% auf 0,30 € pro Aktie angehoben werden. Auf dem aktuellen Kurs errechnet sich eine Rendite von 3%. Noch interessanter ist die Bewertung der Aktie. Sind ein KUV von 0,3 und ein 2013er-KGV von 7,5 im Branchenvergleich schon sehr günstige Werte, ist eine andere Kennzahl in der Getränkebranche wohl einzigartig.

Seit etwa 10 Jahren notiert Schloss Wachenheim unter Buchwert. Aktuell liegt er bei 18,94 € pro Aktie, das KBV entsprechend bei knapp 0,6. Ein so gewaltiger Abstand zum Aktienkurs bei einem erfolgreichen Unternehmen ist nicht gerechtfertigt und kann Begehrlichkeiten wecken.

Dennoch halten wir eine Übernahme angesichts der Besitzverhältnisse auf absehbare Zeit für unwahrscheinlich.


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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.