3 Gründe, warum Sie eine US-Leitzinsanhebung nicht fürchten müssen!

Am 14. und 15. Juni treffen sich die Mitglieder der amerikanischen Notenbank FED (Federal Reserve Bank), um über die weitere Zinspolitik der USA zu entscheiden.

Zentralbank-Chefin Yellen hatte jüngst schon einmal angedeutet, dass bei dem Meeting durchaus eine erneute Anhebung des Leitzinses beschlossen werden könne. Marktexperten rechnen überwiegend in 2 Wochen mit einer solchen Maßnahme, spätestens jedoch im Juli.

Monatelange Drohung im Dezember wahrgemacht

Nun wissen wir alle, wie es bei der letzten Zinserhöhung gelaufen ist: Janet Yellen hatte monatelang vorher den Investoren mit einer derartigen Maßnahme „gedroht“ – am 16. Dezember fällte die Notenbank dann folgende Entscheidung:

Der US-Leitzins, die sogenannte Fed Funds Rate, wurde von bis dahin 0,25% auf 0,25% BIS 0,50% angehoben. Eine „von-bis-Zinsanhebung“ hatte es bis zu diesem Zeitpunkt noch nie gegeben.

Nun also droht die Notenbank erneut mit steigenden Leitzinsen. Viele Marktteilnehmer sehen darin die Zins-„Wende“. Einige Börsenkommentatoren versteigen sich gar zu der Aussage, dass US-Anleihen damit zu einer ernsthaften Konkurrenz für Aktien würden.

Ich behaupte: Das ist aus 3 Gründen blanker Unsinn!

Grund 1:

Selbst wenn die Fed Funds Rate im Juni auf – ja was eigentlich? – 0,75% oder 0,50% bis 0,75% oder 0,5% bis 0,75% (?) angehoben würde, ändert das rein gar nichts an dem herrschenden, extrem niedrigen Zinsniveau:

us-leitzins fed funds rate-02-06-2016

US-Leitzinsanhebung auf 0,75% gleicht in der Historie einem Non-Event

Die Grafik macht schnell deutlich: Historisch betrachtet gliche die erwartete Zinsanhebung auf 0,75% einem Non-Event.

Viel höhere Zinsen können sich die USA angesichts ihrer horrenden Verschuldung – per Ende Mai waren es 19,276 Billionen USD, Tendenz steigend – und des eher mauen Wirtschaftswachstums ohnehin nicht leisten:

Höhere Zinsen verteuern die Neuverschuldung. Ein „No-Go“ für die USA!

Grund 2:

Das Argument, US-Anleihen seien eine Konkurrenz für Aktien, können Sie ebenfalls getrost in die berühmte „Tonne kloppen“:

10-jährige US-Staatsanleihen rentieren aktuell mit +1,83% pro Jahr. Wenn Sie Ihr Kapital den USA für 30 (!) Jahre borgen, erzielen Sie eine kaum bessere jährliche Rendite von +2,62%.

Um ein solches Plus mit Aktien zu verdienen, muss der Dow Jones von aktuell 17.789 um lediglich um 466 auf 18.255 Punkte klettern. Das sind nicht einmal 90 Punkte mehr, als der US-Leitindex am 20. April beim Jahreshoch von 18.167 Zählern bereits markiert hat!

Grund 3:

Steigende Zinsen würden die Anlage in Aktien derzeit eher begünstigen! Das hängt mit der Mechanik von Zins, Anleihekurs und Rendite zusammen:

Anleihen werden bei Auflegung mit einem festen Zinssatz ausgestattet. Als Anleihe-Inhaber wissen Sie also genau, mit welchem Zinsertrag pro Jahr Sie rechnen können.

Sinkende Renditen führen daher zu steigenden Anleihekursen – da der Anleihezins ja nicht veränderbar ist – um die entstandene Differenz zum Anleihezins auszugleichen. Neue Anleihekäufer zahlen also mehr, Anleiheverkäufer bekommen mehr als ihren Einsatz zurück.

Die seit 2007 nahezu auf 0% gesunkenen US-Leitzinsen haben entsprechend zu gigantischen Kursgewinnen bei US-Anleihen geführt:

us-treasury-bond-future-02-06-2016

+47% Kursgewinn mit 30-jährigen US-Staatsanleihen seit September 2007

Diese Grafik verdeutlicht das Gesagte: Seit Beginn des Zinssenkungs-Zyklus im September 2007 haben 30-jährige US-Staatsanleihen rund +53 Prozentpunkte im Kurs zugelegt.

Neben der jährlichen Verzinsung haben Inhaber dieser Anleihen also in den vergangenen 8 ¾ Jahren aus 112.000 USD satte 165.000 USD gemacht.

Diese Entwicklung hat zu einer Blasenbildung bei Anleihen geführt. Eine erneute Anhebung der US-Leitzinsen würde die Anleihe-Besitzer daher wohl eher dazu bewegen, Ihre Anleihen zu verkaufen, um sich den hohen Kursgewinn zu sichern.

Doch worin soll das so freiwerdende Kapital dann investiert werden? Außer Aktien bleiben da nicht viele Möglichkeiten …

2. Juni 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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