300 Mio. Dollar mehr und Buffett könnte Oncor übernehmen

Elliott fordert von Buffett 300 Mio. Dollar mehr für Oncor. Ob der Finanz-Investor die Deal-Unterstütung ohne Aufstockung versagt, ist aber zweifelhaft. (Foto: MR.LIGHTMAN1975 / Shutterstock.com)

Am vergangenen Montag haben wir Ihnen von der geplanten Oncor-Übernahme durch Warren Buffetts Beteiligungs-Gesellschaft Berkshire Hathaway (Energy) berichtet.

18,2 Mrd. Dollar schwer ist die Berkshire-Offerte für die bankrotte Oncor-Muttergesellschaft Energy Future.

Dem Finanz-Investor Elliott – seines Zeichens Vollprofi im Übernahme-Geschäft – ist das allerdings zu wenig.

Elliott kündigte harten Widerstand an für den Fall, dass das Angebot nicht nachgebessert wird.

Aus Sicht des Finanz-Investors ist der eigene Reorganisations-Vorschlag überlegen und bewertet Oncor mit 18,5 Mrd. Dollar.

Stockt Berkshire auf, nimmt Elliott an

Wie viel der eigene Vorschlag überlegen ist, dafür gibt es eine Zahl.

Oncor-Chef Bob Shepard sagte gestern, dass Elliott bei einer Aufstockung um 300 Mio. Dollar mit dem Angebot zufrieden wäre.

Die konkrete Zahl hat einen einfachen mathematischen Hintergrund: Elliott hält 74% der von Energy Future ausgegebenen unbesicherten Anleihen.

Bei dem jetzigen Gebot würden zwar alle Halter der besicherten Anleihen bedient werden können, doch die Halter der unbesicherten Anleihen müssten Abstriche hinnehmen.

Kommt es zu einer Angebots-Aufstockung, ist Elliott der größte Nutznießer.

Dann ist es für den Finanz-Investor besser das sichere Geld zu nehmen, als den risikobehafteten Reorganisations-Plan durchzuführen.

Berkshire hat gute Gründe der Forderung nachzukommen

Es stellt sich die Frage, wie Berkshire Hathaway auf die Forderung reagiert. Es ist bekannt, dass Buffett sich nicht an kostspieligen Bieterkämpfen beteiligt.

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Zweimal schon sollte Energy Future von anderen übernommen werden und Berkshire soll dabei auch schon ein Angebot vorgelegt haben.

Die Berkshire-Offerte war den anderen Angeboten finanziell unterlegen und Buffetts Unternehmens-Tochter stockte nicht auf.

Jetzt ist die Situation allerdings anders. Berkshire weiß, dass es nicht um einen Bieterkampf geht, sondern Oncor für 300 Mio. Dollar mehr zu haben ist.

Daher ist es gut möglich, dass der Bieter auf die Forderung des Finanz-Investors eingeht. Die Summe dürfte die Kalkulations-Basis nicht allzu sehr verändern.

Dafür spricht auch, dass Berkshire bereits mit der texanischen Aufsichts-Behörde gesprochen hat und klärte, welche Übernahme-Bedingungen notwendig sind, damit ein Deal genehmigt wird.

Elliott und Berkshire: Wechselseitige Abhängigkeit

Mit dem Wissen, dass für eine kleine Aufstockung der Übernahme-Kandidat zu haben ist, könnte es einen zeitnahen Deal geben.

Aber was ist, wenn Berkshire ablehnt? Elliotts Vorstellung ist, dass man dann den eigenen Plan umsetzt. Dieser könnte allerdings von den Aufsichts-Behörden abgelehnt werden.

Dann wäre zwar der Berkshire-Plan die einzige Alternative auf dem Tisch – doch der bräuchte die Zustimmung von Elliott.

Berkshire könnte es darauf ankommen lassen. Denn der Interessent weiß auch:

Lehnt Elliott wirklich ab, muss der Finanz-Investor damit rechnen, dass seine unbesicherten Anleihen bei einem späteren Übernahme-Versuch noch kleinere Rückzahlungs-Quoten erhalten.

Die Oncor-Geschäfte laufen weiter und verursachen täglich weitere Schulden. Je länger eine Lösung auf sich warten lässt, desto schlechter für Elliott.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.