3D-Druckbranche: Druckerhersteller funken Lebenszeichen

Vielleicht erinnern Sie sich noch an die Euphorie, die vor wenigen Jahren mit dem 3D-Druck bei Anlegern entstanden ist. Viele Experten prophezeiten hier einen der Megatrends für die nächsten Jahre. Sogar US-Präsident Obama sah in 2013 darin eine revolutionäre Technologie mit dem Potenzial, unseren Alltag komplett zu verändern.

Dabei wurde bereits 1984 der erste funktionierende 3D-Drucker entwickelt. Wenige Jahre später kamen dreidimensionale Druckverfahren bereits in der Industrie zum Einsatz, um Modelle oder Prototypen zu erstellen, etwa bei den Autoherstellern.

Technologiesprung leitete Euphoriewelle ein

Der Hype entstand durch den entstandenen Technologiesprung. Mit einem CAD-Programm kann heute im Prinzip jeder sein eigenes Modell zeichnen und selbst drucken. Das eröffnete Phantasie, Teile in absoluten Kleinst-Serien kostengünstig herstellen zu können.

Aber das Verfahren fand nicht nur bei Tüftlern und Produzenten hohen Anklang. Auch Wissenschaftler zeigten sich begeistert. Es wurde sogar an Druckverfahren mit embryonalen Stammzellen gearbeitet.

Dementsprechend beeindruckend entwickelten sich die Aktienkurse. Im Frühling 2013 legte die UBS ein Zertifikat auf die 3D-Druckhersteller auf, das mit einem Kursplus von über 100% in nur 9 Monaten auf sich aufmerksam machte.

Dem Hype folgte die Ernüchterung

Von der Hoffnung, dass in absehbarer Zeit jeder Privathaushalt seinen eigenen 3D-Drucker betreibt ist nicht allzu viel übrig geblieben. Einige der Konzerne zogen ihre Produkte sogar vom Markt ab.

Das Ergebnis fiel deutlich aus. Das UBS-Zertifikat musste vom damaligen Allzeithoch immerhin knapp 66% Wertverlust hinnehmen bevor eine Stabilisierung einsetzte.

Doch seit Anfang Februar dieses Jahres erlebte der Sektor eine wahre Wiedergeburt. Die Konzerne zeigten zum Teil beeindruckende Zuwachsraten (3D Systems: +87%; Stratasys: +49%; Voxeljet: +32%; SLM Solutions: +32%).

Gute Unternehmenszahlen rücken Sektor in den Fokus

Die Ursache der fulminanten Steigerungen waren unerwartet gute Zahlen des 3D-Drucker-Herstellers 3D Systems. Mit Erlösen von 183 Millionen Dollar im vierten Quartal und einem bereinigten Gewinn von 0,19 Dollar je Aktie wurden die Analystenschätzungen bei Weitem übertroffen. Alleine am Tag der Berichterstattung legte die Aktie um ein Viertel an Wert zu.

Auch beim Branchenführer Stratasys scheint sich das Bild aufzuhellen. Nach einem schwachen Geschäftsjahr in 2015 (1,4 Milliarden Dollar Verlust) überraschte Stratasys mit einem besseren Ausblick für das laufende Jahr. In 2016 sollen sich die Erlöse von 696 auf 700 bis 730 Millionen Dollar verbessern.

Der weltweite Umstrukturierungsplan des Unternehmens sieht den Abbau von 10 Prozent der Arbeitsplätze vor, um die Betriebskosten zu senken und eine Fertigungsoptimierung herbeizuführen. Die Anleger zeigten sich begeistert und trieben den Anteilspreis um 17% in die Höhe.

Bewertungen mittlerweile wieder sehr ambitioniert

Wie Sie wissen neigen die Anleger oftmals zu Übertreibungen. Anders sind die exorbitanten Kursgewinne (noch) nicht zu erklären. Denn eine Schwalbe macht bekanntermaßen noch keinen Sommer. Das viel zitierte Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt beispielsweise bei 3D Systems für das laufende Jahr bei 46, bei Stratasys sogar bei 78.

Ob sich die prognostizierten Zuwachsraten von zum Teil 100% auch realisieren ist mit hoher Unsicherheit behaftet. Der Wettbewerbsdruck ist hoch – zugleich gilt die Branche als anfällig für Konjunkturschwankungen. Nach den hohen Zuwächsen eignen sich die Aktien der 3D-Druck-Branche jedenfalls ausschließlich für spekulative Anleger.

21. März 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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