3D-Druck: Warum die Aktien der Boom-Branche nicht in die Gänge kommen

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3D Systems gerät nach schwachen Zahlen ins Taumeln. Neue Technologie fasst nur langsam Tritt und sorgt bei Anleger für Enttäuschung. (Foto: Alexander Kirch / shutterstock.com)

Die Erwartungen waren so hoch, dass sie nur enttäuscht werden konnten. Die Rede ist vom Zukunftsmarkt des 3D-Drucks, der die Anleger vor einigen Jahren regelrecht elektrisierte. Die Aktien der Marktführer erlebten einen beeindruckenden Höhenflug. So explodierten die Papiere von 3D Systems von 2009 bis Anfang 2014 von 1,3 Dollar bis auf über 96 Dollar. Nicht weniger eindrucksvoll entwickelten sich die Aktien von Stratasys, die im gleichen Zeitraum von unter 8 Dollar bis auf 136 Dollar in die Höhe schossen.

Doch die Euphorie ist längst verflogen. Die zuletzt vorgelegten Zahlen der beiden größten Player haben gezeigt, dass die Durchdringung der Industrie mit den neuen Druckern deutlich länger dauert erhofft. Mittlerweile hat sich ein Großteil des Börsenwertes wieder in Luft aufgelöst. Die Papiere von 3D Systems notierten bei unter 11 Dollar, Stratasys nur noch bei 23 Dollar. Wer vor fünf Jahren einstieg, sitzt somit auf Buchverlusten von über 80%.

3D-Systems im Porträt

Das Unternehmen 3D-Systems wurde bereits 1986 vom Erfinder des 3D-Drucks (Rapid-Prototyping-Systems) Charles („Chuck“) Hull gegründet. Heute gehört 3D-Systems zu den führenden Unternehmen im 3D-Druck. Das Unternehmen erstellt Produktkonzeptmodelle, Präzisions- und Funktionsprototypen, Mustervorlagen für Werkzeuge sowie Produktionsteile für die direkte digitale Fertigung. Es nutzt dabei eigene Prozesse, um physische Objekte mithilfe von computergestützter Entwurfs- und Fertigungssoftware oder 3D-Scanning- und 3D-Sculpting-Geräten herzustellen.

Der Siegeszug des 3D-Druck

Was verbirgt sich eigentlich hinter der zukunftsträchtigen Technologie? Kurz zur Erklärung: Der 3D-Druck ist ein Verfahren, bei dem Material Schicht für Schicht aufgetragen und so dreidimensionale Gegenstände (Werkstücke) erzeugt werden. Dabei erfolgt der schichtweise Aufbau computergesteuert aus einem oder mehreren flüssigen oder festen Werkstoffen nach vorgegebenen Maßen und Formen.

Typische Werkstoffe für das 3D-Drucken sind Kunststoffe, Kunstharze, Keramiken und Metalle. Inzwischen wurden auch Carbon- und Graphitmaterialien für den 3D-Druck von Teilen aus Kohlenstoff entwickelt. Mittlerweile werden 3D-Drucker in zahlreichen industriellen Fertigungsbereichen eingesetzt. Ob Flugzeugteile, Implantate oder die schnelle Erstellung von Musterteilen – die Einsatzbereiche sind unglaublich groß.

2% Wachstum im Schlussquartal

Nach den gerade vorgelegten Geschäftsergebnissen musste die 3D Systems-Aktie erst einmal kräftig Federn lassen. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gerade einmal 1,9% auf 180,7 Millionen Dollar. Das lag zwar im Rahmen der Analystenerwartungen, eine Wachstumsstory im zukunftsträchtigen 3D-Druck-Sektor sieht aber anders aus. Besonders enttäuschend ist das Ergebnis vor dem Hintergrund, dass der Absatz von Druckern im gleichen Zeitraum um 113% angestiegen ist. Offenbar lassen sich die initial erzielten Preise nicht mehr halten.

Verlust vor allem durch Steuereffekte verringert

Da mehr Drucker mit geringeren Margen als Softwareprodukte und Material verkauft wurden, verschlechterte sich die Rohertragsmarge um 2,5 Prozentpunkte. Trotzdem verringerte sich der Verlust im Schlussquartal von 10,1 auf 4,1 Millionen Dollar. Das lag aber vor allem an einem Steuervorteil im Zusammenhang mit der Auflösung von Rückstellungen in Höhe von 4,9 Millionen Dollar.

Analyten sind weiterhin skeptisch

Unterdessen zeigen sich die Analysten unverändert zurückhaltend. Von 12 Bankhäusern rät lediglich ein Institut zum Kauf der Papiere. Sieben Analysten stufen die Titel als Halteposition ein, während die restlichen vier Banker sogar eine Verkaufsempfehlung ausgesprochen haben.

Konsolidiert über alle Experten liegt das durchschnittliche Kursziel momentan bei 12 Dollar. Nach dem jüngsten Kurssturz von 14 auf unter 11 Dollar in den letzten Tagen liegt das taxierte Preisniveau allerdings wieder knapp 10% über dem aktuellen Aktienkurs.

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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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